Wettkampfbericht Elbe-Triathlon

Morgens halb Acht in Hamburg-Allermöhe. Die Sonne scheint auf den Tresen des Wettkampfbüros. „In welcher Startgruppe bin ich?“ frage ich die junge Dame, die mir die Startnummer für die Olympische Distanz aushändigt und wirke wohl etwas gehetzt. „8:15 Uhr“ antwortet sie und fügt an: „Du hast noch mehr als genug Zeit – ich selbst mache hier noch fertig und starte dann auch in der ersten Gruppe“. Sie vermittelt mir damit gleich zu Beginn genau den Eindruck, der sich durch die ganze Veranstaltung ziehen wird: Dies ist ein Wettkampf von Sportlern für Sportler, gemacht von Leuten, die im Detail wissen, worum es geht und nachvollziehen können, worauf es einem vor, während und nach dem Wettkampf ankommt.

Etwa eine Stunde später befinde ich mich auf der Schwimmstrecke, passiere bestens gelaunt die letzte gelbe Boje, biege auf die etwa 500m lange Gerade, die zum Schwimmausstieg führt und sehe nichts mehr. Die Sonne steht genau vor mir und alles glitzert, strahlt und glänzt nur noch. „Geh nicht ins Licht!“ denke ich und versuche für einen frustrierten Augenblick, die Schuld für die widrigen Umstände den Veranstaltern in die Schuhe zu schieben. Was natürlich Quatsch ist: Eine getönte Schwimmbrille und etwas mehr Aufmerksamkeit bei der Wettkampfbesprechung hätten es vermutlich unnötig gemacht, dass ich mich fallen lasse, bis jemand kommt, der besser orientiert ist als ich und an dessen Füssen ich dann ins Schwimmziel komme.

Kurzer Wechsel dank sehr kompakter und übersichtlicher Wechselzone und dann vier schöne Runden Radeln auf komplett ebener Strecke durch die Marschlande. Es wird, jedenfalls kommt es mir so vor, deutlich disziplinierter gefahren, als in anderen Wettkämpfen, was ich mir damit erkläre, dass dies die Erstauflage dieses Events ist und überwiegend routinierte Teilnehmer dabei sind. Statt mich über Windschattenfahrer und dumme Überholmanöver zu ärgern, kann ich mich an Details wie z.B. einer Oma mit Gehwagen erfreuen, die ich in der ersten Runde überhole und die mir auf der zweiten wieder entgegen kommt. Die Frage, wo sie wohl war, unterhält mich etwa eine weitere Runde lang. Ich beschliesse: Bei ihren Enkeln drei Häuser weiter, selbst gemachte Marmelade vorbeibringen – und strample beschwingt Richtung zweitem Wechsel.

Es folgen drei Runden Laufen um den See. Alles ist gut beschildert und es gibt reichlich Verpflegungspunkte, einzig bei der Streckentrennung der OD und der Jedermanndistanz gibt es ein wenig Verwirrung. Schönes Ding, denke ich, bis die Sache in der dritten Runde langsam anstrengend wird und mein Gehirn nicht mehr zur Empfindung von Angenehmem taugt. Im Ziel bin ich gründlich erledigt, mehr hätte es nicht gebraucht. Ich nehme einen Schluck aus einem Tetrapak, das mir jemand in die Hand gedrückt hat. Statt Wasser, wie ich geglaubt hatte, ist allerdings das wässrige Zeug drin, das in reifen Kokosnüssen rumschwimmt und das irgendwer wohl versucht, als isotonisches Sportgetränk zu etablieren. Nach meinem Empfinden schmeckt es wie Affenpipi. Die anderen St. Paulianer, die schon im Ziel sind, finden’s ganz lecker. Na ja, jedem das Seine…

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Als einige Zeit später alle angekommen sind, ist es richtig warm geworden. Traumwetter bis jetzt und für das, was noch kommt: Das gemischte Triathlon-Doppel AKA Teamsprint. Und das geht so: Zwei männliche und zwei weibliche Teilnehmer bilden ein Team und absolvieren jeweils einen kompletten Mini-Triathlon: 250m Schwimmen, 7,3km Rad und 2,3km Laufen. Zwei Staffeln unseres FC sind dabei und spätestens als Corinna und Dörthe mit ca. 40 anderen Startschwimmern auf dem Startponton stehen und lautstark von den dagebliebenen St. Paulianern angefeuert werden, ist klar: Das ganze wird eine riesen-Gaudi! Besonders cool ist, dass nur ein paar Schritte zwischen Schwimstart und -Ausstieg, Laufstrecke, Wechselzone und Wechselbox liegen – das ist der Bereich, in dem die Teilnehmer, die als nächstes dran sind, auf ihren Vorläufer warten und den Staffelstab, ein Fussband mit Transponder, übergeben bekommen. Auch die Radstrecke ist direkt in Reichweite. Als Zuschauer ist man dadurch mitten im Geschehen und fühlt sich wie einem riesigen Bienenstock, den der Sportgeist gepackt hat: Überall um einen herum wird gelaufen, gewechselt, geschwommen, gewartet, erledigt herumgelegen und angefeuert. Ein riesiges triathletisches Wirrwarr, unterhaltsam kommentiert von jemandem, dem man – Stichwort: „von Sportlern für Sportler“ – deutlich anmerkt, dass er sich am liebsten sofort selbst einen Transponder greifen und ins Wasser hechten würde, um Plätze gut zu machen.

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Das Ende vom Lied ist dann etwa folgendes: Eine Gruppe verbliebener St. Paulianer bevölkert bestens gelaunt und sportlich zufrieden den ehemaligen Startponton, der eine prima Badeplattform abgibt. Die Gründung einer St. Pauli Synchronschwimm-Abteilung wird in Erwägung gezogen, ein erstes Demovideo gedreht. Nach Vollzug des „Ausbadens“ sind sich alle einig: Dieser Wettkampf war super, wir kommen garantiert wieder! Besten Dank an die Organisatoren für diesen geilen Tag – bis nächstes Jahr!

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