St. Pauli im Land der tausend Hügel

Seit einigen Jahren steht die Challenge Kraichgau ganz oben auf meiner Triathlon to-do bzw. to-race Liste. Immer wieder hört man andere Triathleten von dieser Halbdistanz schwärmen. Die Radstrecke sei genial, die Orga perfekt, die Stimmung super usw. Leider passte Kraichgau in den letzten Jahren nicht wirklich in meine Saisonplanung. Damit das dieses Jahr nicht wieder so wird, wurde Kraichgau direkt als erster Wettkampf angemeldet. Also keine Ausreden mehr und ab ins Ländle.

Die Anreise lässt sich von Hamburg aus ganz bequem per Bahn bestreiten. Mein Basislager sollte Karlsruhe werden. Ich hätte aber auch in Wiesloch oder Bruchsal aussteigen können. Genügend Unterkunftsmöglichkeiten gibt es in allen Preiskategorien und kostengünstiges Zelten direkt am Schwimmstart ist auch möglich. Ich als Bahnvielfahrer also schon Donnerstag von HH ohne Umsteigen bis Karlsruhe zu meinen Onkel. Im Zug dann versucht irgendwie die Zeit 6,5h zu verdaddeln. Zur Abwechslung mal keine Triathlonzeitschrift sondern das Tour Magazin gelesen. Das brachte allerdings nur ne halbe Stunde Ablenkung und die finale Erkenntnis das mich der reine Radsport absolut nicht reizt.

Am Freitag dann recht zeitig und ohne langes Warten die Startunterlagen abgeholt. Kurz noch die Wechselzone 2, sowie den noch im Aufbau befindlichen Zielbereich begutachtet. Nach einem kleinen Schlenker über Triathlonmesse, meine Eltern getroffen und mit meinem Vater zum Freiwassertraining zum Schwimmstart gefahren. Geschwommen wird im Kraichgau im Hardtsee, ein alter Baggersee mit Campingplatz. Suboptimal von mir war, dass die kleine Trainingseinheit gleich zwei Premieren für dieses Jahr darstellte. Zum einem die erste Freiwassereinheit und zum anderen die erste Einheit im Neo. Der Neo passte zum Glück noch und die Einheit lief auch ganz gut.

Den Samstag dann ganz gemütlich begonnen. Gegen Mittag noch eine kleine Einheit um die Beine zu lockern. 30min Rad, 15min laufen und 5min im See planschen. Ansonsten Beine hoch und nicht wirklich viel gemacht. Nachmittags die obligatorische Wettkampfbesprechung mit Pastaparty. Die kostet im Kraichgau direkt extra und ist nicht in der hohen Startgebühr enthalten. Schon irgendwo heftig wenn man so einen Haufen Kohle bezahlt und dann noch für pampige Nudeln extra zahlen soll. Pastaparty also lieber zu Hause gemacht. Zuvor musste noch das Rad in die Wechselzone 1 am See eingecheckt werden. Im Prinzip ganz easy, wenn man nicht gerade einen Wettkampfrichter mit Röntgenblick erwischt. So stellte der Wettkampfrichter einen kleinen Riss an meinem Helm fest und erklärte mir das ich so nicht starten dürfe. Mir blieb also nix anderes übrig als einen neuen Helm zu kaufen. Den alten Helm samt Riss stelle ich gerne den Miniaturwunderland zur Verfügung. Grand Canyon im Maßstab 1:1.000.000 oder so. Naja abends noch zum Einschlafen Fußball geschaut und gemerkt das ich mehr Profitriathleten als Nationalspieler kenne.

Sonntag dann endlich Wettkampftag. Letzte Vorbereitungen am Rad, nochmal Reifen aufpumpen, Getränke und lecker Energieriegel platzieren und dann konnte es auch schon losgehen. Start für die erste Welle ist im Kraichgau um 9 Uhr. Danach folgen im Abstand von 15min die weiteren Wellen. Anscheinend wussten die Veranstalter das ich wenig im Wasser trainiert habe und so startete ich in der vorletzten Welle um 9.45 Uhr. Im Kraichgau wird übrigens jeder Schwimmstart mit Hells Bells eingeläutet. Konnte also nur gut gehen das Schwimmen.
Mir war diesmal nach Kontakt mit den anderen Startern und so positionierte ich mich ganz vorne in der Mitte. Hells Bells, Kanonenschlag und ab gings. 1,9km bzw. eine große Runde im Hardtsee. Orientieren war eigentlich auf dem Weg zur ersten Wendeboje völlig überflüssig. Immer wenn ich mal ein paar Zentimeter nach links oder rechts abdriftete, wurde ich von den anderen Startern wieder in die richtige Richtung geprügelt. Nach der ersten Wendeboje entspannte sich alles ein bisschen. Meine Arme wurden recht schnell schwer. Die Schwimmzeit war dann im Verhältnis zum Trainingsaufwand völlig im Rahmen. Problemloser Wechsel und ab aufs Rad.

Die ersten ca. 13km der 90km Radstrecke sind flach. Wunderbar zum Einrollen und Verpflegen. Also genüsslich einen Riegel verzehrt (mmh lecker) und freudig den ersten Anstieg erwartet. Leider gab es bei km5 der Radstrecke schon der ersten Unfall. Ein Starter war so schwer gestürzt, dass er vom Notarzt behandelt werden musste. Als ich vorbei fuhr war der Notarzt schon vor Ort und dem Verunglückten wurde eine Halsmanschette angelegt. Während des Rennens kam mir noch zweimal ein Rettungswagen mit Blaulicht entgegen. Bei der Strecke und der Fahrweise einiger Teilnehmer aber auch wenig verwunderlich. Den teils knackigen Anstiegen folgen rasante Abfahrten, bei denen es doch besser ist die Hände an den Bremsen, anstatt an den Aero-Auflieger zu haben.
So folgte dem ersten Anstieg bei km13/14 eine kurze steile Abfahrt an deren Ende man sofort abbremsen musste, um eine 90 Grad Rechtskurve zu fahren. Und so zog sich das über die gesamte Strecke. Die Radstrecke ist übrigens fast komplett für den Verkehr gesperrt, doch gibt es an vielen Stellen Gegenverkehr durch Starter die schon auf dem Rückweg waren. So kam es zu einigen brenzligen Situationen, als übermotivierte Altersklassenathleten die Kurven so sehr geschnitten haben, dass sie fast in den entgegen kommenden Profi gefahren wären. Den absoluten Vogel schoss allerdings der Staffelradfahrer ab, der meinte er müsse während der Fahrt erstmal telefonieren. Konnte ich natürlich nicht unkommentiert lassen. Seine Begründung/Ausrede/Entschuldigung: Er sei doch Staffelradfahrer und es wäre doch blöd, wenn beim Wechsel niemand auf ihn warten würde. Das er blöd ist konnte/wollte er nicht verstehen. Sachen gibt’s.
Trotzdem kann man die Radstrecke im Kraichgau nur mit einem Wort beschreiben: Geil! Von allen Rennen die ich bislang über alle Distanzen gemacht habe, war dass die beste Radstrecke. Mal lange und mal kurze und knackige Anstiege, technisch oft anspruchsvolle Ortsdurchfahrten und vor allem nie langweilig. So vergingen die 90km auch gefühlsmäßig schneller als bspw. 40km in Norderstedt oder Vierlanden. Insgesamt hat die Radstrecke ca. 1.000 Höhenmeter. Kann sich also sehen lassen.

Dafür das ich Berge nicht wirklich trainiert habe, war meine Radzeit doch durchaus akzeptabel. Der Wechsel zum Laufen lief dann auch perfekt. Ein Helfer nimmt einen das Rad ab, ein paar Meter weiter bekommt man seine Laufsachen gereicht. Und während man sich die Schuhe anzieht cremt einen eine Helferin die Schultern und Arme mit Sonnencreme ein.

Für die abschließenden 21km müssen im Kraichgau 3 Runden a 7km und „nur“ 108 Höhenmeter absolviert werden. Dank der Wendepunktstrecke bin ich auch immer wieder den anderen St. Paulianer begegnet. Die erste Runde wie immer volles Risiko und viel zu schnell. Die zweite Runde lief dann dank der tollen Zuschauerunterstützung auch noch recht gut. Auf der dritten Runde musste ich bei den kleinen Anstiegen aber doch gehen. Trotzdem bin ich richtig zufrieden ins Ziel gekommen. Dort wurde ich direkt freudig von einigen bekannten Kaifus und Bolos empfangen, sowie von Challenge Chef Felix W. Im Ziel noch einige andere glückliche braun-weiße Starter getroffen.

Im Zielbereich gab es dann alles mögliche. Nach all den süßen Gels und Isotrinks war mir allerdings nicht nach Kuchen, sondern mehr nach Brezeln und Bier Bier Bier. Noch kurz auf meinen Vater gewartet, mit anderen Triathleten gequatscht, duschen, Massage, Rad auschecken und einfach mal glücklich sein. Und irgendwann werde ich die Challenge Kraichgau sicherlich nochmal machen.

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