Spendenlauf für minderjährige Flüchtlinge

FSP2 CRWenn Mick nicht Kommunikationswart ist, dann ist er Sozialpädagoge in der Kinder- und Jugendhilfe. Als er fragte, ob die Abteilung seinen Betreuten und ihn beim Spendenlauf der Staatlichen Fachhochschule für Sozialpädagogik (FSP2) unterstützen könnte, gab es keine zwei Meinungen. Lest hier seinen Bericht:

Ich arbeite bei einem Freien Träger der Jugendhilfe. Dabei betreue ich Familien, Kinder und junge Erwachsene. Ähnlich wie bei der Super-Nanny auf RTL …. nur ganz anders!

Bei meiner Arbeit habe ich immer wieder mit unterschiedlichen Herausforderungen zu tun: Neben dem Thema Erziehung spielen auch Problematiken wie Drogen, Schulden, Bildung aber vermehrt auch Flucht und Asyl eine Rolle.

So betreue ich seit längerem Flüchtlinge aus dem Iran und aus Afghanistan. Diese Intensivbetreuungen mit einer hohen Wochenstundenzahl verschafft mir die Möglichkeit, nicht nur mit einem Betreuten eng zusammenzuarbeiten, sondern auch Einblick in deren Geschichte, Hoffnungen aber auch Ängste zu erhalten. Samir* ist 16 Jahre alt und hat eine 14 monatige Odyssee hinter sich. Aufgrund der Perspektivlosigkeit in seinem Dorf, des Todes seiner Eltern und der körperlichen und seelischen Gewalt durch Verwandten, war er irgendwann so verzweifelt, dass er nur noch eines wollte: Er wollte ins sichere Europa und das erste Mal in seinem Leben eine Schule besuchen. Nach der Flucht über den Iran, der Türkei und Griechenland, gelangte er als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling über diverse Schleuser nach Hamburg. Er hatte Glück und bekam eine Wohnung in der ich ihn bei allen Herausforderungen des Lebens zur Seite stehe: Vom Einkaufen und Putzen, über Ämterbesuche bis hin zur Planung seiner beruflichen Zukunft. In der Schule, die er mit dem Ziel eines Hauptschulabschlusses besucht, gehört er zu den Fleißigsten und Besten. In jeder freien Minute versucht er Deutsch zu lernen. Er ist manchmal so engagiert bei der Sache, dass man ihn hin und wieder bremsen und dazu anhalten muss auch einmal Spaß zu haben.

Für ihn ist Sport der perfekte Ausgleich. Während es Sport-Morgenmuffel (wie mich) gibt, die nie auf die Idee kommen würden noch vor der Arbeit eine Trainingseinheit zu absolvieren, steht Samir um kurz vor 6 Uhr auf. Dann zieht er sich die Laufschuhe an und dreht seine 5 Km Runde, um danach zur Schule zu gehen. Irgendwann hatte ich mich dann doch überwunden, begleitete ihn bei seinem Morgenlauf und war von seiner körperlichen Fitness erstaunt. Beim Laufen sagte er mir, dass er sich wünschen würde einen Sportverein zu haben. Nicht nur um sportlich zu wachsen und Anspannungen weg-trainieren zu können, sondern auch um neue Leute kennenzulernen und Freunde zu finden. Aufgrund seines Alters und seines noch nicht gesicherten Aufenthaltsstatus ist jedoch kein Amtvormund bereit, für eventuell ausstehende Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Die Konsequenz ist, dass somit auch kein Mitgliedsantrag unterschrieben wird. Durch meine Initiative und die Unterstützung eines Vereins, konnten wir nun doch sicherstellen dass er 2-3 Mal in der Woche zum Sport gehen kann, was ihn sehr glücklich machte. Doch auch mein Vorschlag, dass wir zusammen mal einen 10 Km Wettkampf angehen könnten, war noch in seinem Kopf. Er fragte sich jedoch, ob er so viele Kilometer überhaupt schaffen könnte. Der Zufall wollte es, dass ich in dieser Zeit vom Spendenlauf der Staatlichen Fachhochschule für Sozialpädagogik (FSP2) zugunsten minderjähriger Flüchtlinge erfuhr. Eine perfekte Möglichkeit auf der einen Seite genau die Kinder und Jugendliche zu unterstützen, die nicht so viel Glück hatten wie Samir und auf der anderen Seite ohne Druck so viel zu laufen, wie man wollte und konnte. Samir war von der Idee begeistert und willigte ein. So standen wir an einem Dienstag Nachmittag im August-Lüdgens-Park in Hamburg Altona durch den eine ca. 350 Meter Rundkursstrecke abgesteckt war. Als wir um 15 Uhr ankamen, waren schon viele Menschen jedes Alters und jeder körperlichen Verfassung dabei, Spenden zu erlaufen. Die Veranstaltung startete ja schon um 10 Uhr und würde bis 17 Uhr gehen – also schnell die Laufschuhe angezogen und ab auf die Strecke. Neben der Darbietung von musikalischen Live-Acts, und der Anreichung von Getränken und frischem Obst, wurde Runde um Runde mit einem Stempel quittiert. Pro gelaufener Runde spendete die Triathlon Abteilung zwei Euro (also für Samir und mich je einen Euro). Nach ca. 15 Kilometer und insgesamt 48 Runden machten wir Schluss und rundeten auf 100 Euro auf. Die Veranstalter durften sich über insgesamt ca. 9000 Euro freuen. Alle Spenden kommen dem Kinderladen Maimouna e.V., dem Spielmobil Falkenflitzer und Basis & Woge e.V. zu Gute. Diese Organisationen setzen sich u.a. für die Freizeitgestaltung und die Entwicklung einer beruflichen Perspektive für Flüchtlinge ein. Ein guter Lauf – eine gute Sache, die auch durch Ballkult e.V. / Jolly Roger und Kiezhelden unterstützt wurde.

Nachdem ich Samir offenbarte, dass wir gerade 15 Kilometer gelaufen waren, konnte er mir nicht glauben und sagte herzlich lachend: „Waas?! Wirklich? Laufen ist leicht!“ Tja, jetzt werde ich wohl mit ihm einen Halbmarathon angehen müssen! 😉

Mit soviel Wille und Lebensfreude wird er nicht nur auch den schaffen, sondern auch seine weiteren Ziele erreichen!

Samir, walk on!

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