Ö-till-ö – Von Insel zu Insel

Die Teilnahme an der World Championship im Swimrun entschied sich für André und mich mit dem Zieleinlauf beim Engadin Swimrun in der Schweiz im Juli. Wir erreichten als 4. Team in der Männerwertung das Ziel und erlangten so etwas überraschend einen der heißbegehrten Startplätze für „die Mutter aller Swimruns“ Anfang September in Schweden. Meine Idee von einem sportlich ruhigen Restsommer war somit schlagartig passé und vor mir lagen 10 Wochen intensives Training um mich auf eines der härtesten 1-Tagerennen der Welt mit 65 Lauf- und 10 Schwimmkilometer vorzubereiten.

Swimrun: das bedeutet im 2-er Team eine Strecke in kürzester Zeit schwimmend und laufend zu überwinden ohne Pausen oder Wechselzonen. Also laufen im Neo und schwimmen mit Schuhen an. Klingt außergewöhnlich und ist es sicherlich auch, macht aber auch großen Spaß wegen der vielen Abwechslung während des Rennens und wegen der tollen Natur in der man sich bewegt. Das Setting dieses Mal war das Inselarchipel vor Stockholm.

Der Renntag beginnt früh um 2:30 Uhr. Der Wecker klingelt und ich mache mich im dunkeln des Hotelzimmers über eine zusätzlich Portion Nudeln her, die ich mir am Vorabend beim Buffett eingepackt habe. Dieser Trick um die Energiespeicher ein letztes Mal aufzufüllen hat sich schon beim HH-Marathon gut bewährt. Denn eine meiner größten Sorgen ist es, den langen Renntag ohne größere Energieeinbrüche zu überstehen. Ein Happen noch und wieder schlafen bis zum Frühstück um 5:00 Uhr. Danach machen wir uns startklar, ziehen unsere Neos & Laufschuhe an. Wir packen unsere Taschen und checken aus im Seglarhotel auf Sandham, denn heute Abend werden wir im Värdhus auf Utö ubernachten. Das Gepäck geben wir auf der bereitgestellten Fähre ab und begeben uns zur Startlinie.

Pünktlich um 6:00 Uhr fällt der Startschuß. Der erste kurze Laufabschnitt wird von einem kleinen Kamerawagen begleitet der das Spektakel u.a. für den Internet Livestream filmt und gleichzeitig den Weg zum Strand weist. Wir kommen als eines der ersten Teams ans Ufer und zögern nicht lange ins 14-15°C kalte Wasser zu springen und den mit 1,6 km längsten Schwimmabschnitt der Strecke in Angriff zu nehmen. Wir sind wieder ohne Handpaddles unterwegs und erwartungsgemäß werden wir von Dutzenden anderer Teams überholt die diese erlaubte Schwimmhilfe nutzen. Wir haben uns wieder bewusst gegen die Paddles entschieden, denn obwohl sie dazu beitragen das man anfangs schneller schwimmt, führen Sie auch dazu, dass man schneller ermüdet.

Als wir die erste Insel betreten sind wir auf Platz 61 zurückgefallen. „Soweit alles planmäßig“ denke ich mir, ab hier beginnt die Aufholjagd! Doch es erweist sich als schwierig und verlangt teilweise halsbrecherische Manöver um die anderen Teams auf dem unwegsamen Gelände zu überholen. Denn die Strecke führt nicht über ebene Wege, sondern quer über die Schäreninseln im Stockholmer Archipel. Hier geht es über Steine und Felsen, oft muss man kletternd eine Anhöhe erklimmen oder beherzte Sprünge auf den nächsten Felsen riskieren. Dennoch versuchen wir uns nicht von andern Läufern aufhalten zu lassen und Plätze gut zu machen. An Land gelingt uns das ganz gut, im Wasser müssen wir uns oft wieder den Rang abnehmen lassen. Dies ist allerdings auch der Tatsache geschuldet, dass André in den Wochen zuvor mit einer Sehnenscheidenentzündung im rechten Arm zu kämpfen hatte und sich beim Schwimmen vorsichtig zurück hält. Wir sind in der Tat langsamer im Wasser unterwegs als bei vorherigen Rennen, was mir jedoch die Möglichkeit einräumt mich während des Schwimmens nicht komplett zu verausgaben. An Land zahlt es sich für mich immer wieder aus und wir werden im kompletten Rennverlauf nicht ein einziges Mal an Land überholt.

Der Kurs führt uns weiter über flache Inseln mit felsigen Ufern, teilweise auch über Fahrwege hin zu Trailstrecken durch den Wald die mit Gras und Moos überwuchert sind. Ich knicke immer wieder mit dem Knöchel um und fluche laut. André schaut sich besorgt um, aber zum Glück bleibe ich von schlimmeren Verletzungen verschont. Die Rennstrecke ist wirklich großzügig mit bunten Bändern und Schildern gekennzeichnet. Es kommt nur selten vor, dass man innehalten muss um das nächste Bändchen in der Landschaft zu finden, aber auch das kostet Zeit und vor allem Nerven (denn im Engadin haben wir uns tatsächlich einmal gründlich verlaufen).

Das Wetter liefert die perfekten Rahmenbedingungen für dieses Rennen: blauer Himmel mit Sonnenschein jedoch nicht zu heiß bei knapp 20°C, dazu nur eine ganz leichte Brise die uns die Ostsee ohne Wellen und Strömung einfach durchschwimmen lässt. Kein Wunder das heute ein neuer Streckenrekord aufgestellt wird: das erste Team erreicht die Ziellinie beriets nach 8:16:12 h.

1082628_10153145649382119_538853371_nUnter diesen guten Bedingungen erreichen und überwinden wir auch auf halber Strecke den „Pigswim“, den zweitlängsten Schwimmabschnitt (1,4 Km) der für seine Ruppigkeit mit starker Strömung und Kälte bekannt ist. Ein paar Inseln weiter beginnt der mit 20 Km längste Laufabschnitt. Hier wollen wir endgültig unseren Vorteil ausspielen und unsere Platzierung unter den ersten 10 rausholen. Jedoch sind wir größtenteils alleine unterwegs und weit und breit keiner zum ein- bzw. überholen. Erst nach 12 km am letzten Checkpoint holen wir ein weiteres Team ein. Bei einem kurzen Wortwechsel mit den Helfern wird uns Mut zugesprochen und uns zugesichert noch 2 -3 Teams vor uns einholen zu können. Also nichts wie los! Ab hier beginnen die „Final 15“, die letzten 15 Km des Rennens die nochmal alles abverlangen. In der Tat müssen wir uns abwechselnd immer wieder motivieren wenn ein Tiefpunkt erreicht wird. Dann übernimmt der jeweils andere die Führung und sorgt dafür nicht vollends das Tempo einbrechen zu lassen. Teamarbeit die einen immer wieder Anschub gibt!

Es geht zum Abschluss noch einmal über 5 Inseln die nur durch kurze Schwimmabschnitte getrennt sind. Jedoch ist das Gelände besonders unwegsam und nach dem 20 Km-Lauf und über 9 Stunden Wettkampf fällt jeder Schritt und Sprung merklich schwerer und schmerzt in den Gelenken.

Tatsächlich schaffen wir es noch 3 Teams auf diesem letzten Abschnitt zu überholen, nur dem französischen Team, welches wir im Engadin noch auf den letzten Kilometern überholt hatten, müssen wir uns heute geschlagen geben. Wir erreichen somit nach 10:02:39 h die Zielgerade auf der Insel Üto und müssen uns mit einem 16. Platz in der Gesamtwertung zufrieden geben.

10714778_10153145652897119_1202274410_nDas euphorisierende Gefühl dieses Rennen miterlebt und überstanden zu haben macht sich breit. Schlussendlich sind wir mit dem Ergebnis des heutigen Tags vollauf zufrieden und freuen uns auf eine weitere Swimrun Saison 2015.

Zum Schluß: falls jemand Lust auf diese Art von Abenteuer bekommen hat, möchte ich im Folgenden eine kleine Übersicht über die mir bekannten Swimrun-Events geben, die mit Sicherheit auch wieder in 2015 stattfinden werden. Für Boras sind wir bereits wieder angemeldet!

Kleine Swimrun-Übersicht:
31.05.2014 – http://www.utoswimrun.se/ (Stockholm Region) 3 swim – 30 run (13 Transitions)
08.06.2014 – http://borasswimrun.se/ (Boras) 6 swim – 26 run (13 Transitions)
12.07.2014 – http://www.rockmanswimrun.com/ (Lysefjorden, Norway) 5 swim – 50 run (5 Transitions)
12.07.2014 – http://www.engadinswimrun.ch/ (Silvaplana, CH) 6 swim – 46 run (9 Transitions)
25.07.2014 – http://www.amfibiemannen.se/ (Rosslagen) 5.5 swim – 23 run (9 Transitions)
02.08.2014 – http://www.oloppet.se/ (Götheborg) 5 swim – 32 run (13 Transitions)
10.08.2014 – http://www.angaloppet.se/ (Stockholm Region) 2 swim – 20 run (23 Transitions)
23.08.2014 – http://xterraswimrun.com/ (Tønsberg, Norway) 8 swim – 50 run
29.08.2014 – http://www.kustjagaren.se/ (Karlskrona) 4.4 swim – 26 run (10 Transitions)
01.09.2014 – http://www.otillo.se/ (Stockholm Region) 01.09.2014 / 10 swim – 65 run (22 Transitions)

Bericht von Wolfgang

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