Lanzarote – erleben statt sich zu quälen

Ein Erlebnisbericht von unserem Ausdauersportler Dirk Ewert aus dem Lipperland

Nach dem Trainingslager im März am Gardasee stellte ich fest, dass meine Radleistung trotz des strengen Winters auf einem hohen Niveau war, sodass eine schon lange in mir steckende Idee in die Tat umgesetzt werden konnte: Der IRONMAN Lanzarote am 22.05.2010. Die Langdistanz gilt als das anspruchsvollste von den ca. 25 Rennen der Serie, ist aber auch eins der Bbeeindruckendsten. Das Schwimmen im Atlantik, windanfällige, stark profilierte Radstrecke, Hitze auf der Laufstrecke an der Schatten freie Strandpromenade sind zu bezwingen. Startplatz noch schnell über einen befreundeten Triathlon-Verein (TRI-TEAM-LAGE) besorgt. Flug und Unterkunft mit Freunden aus dem gleichen Verein organisiert und los geht’s.

Im Bereich Training musste  noch eine Schüppe drauf gelegt werden,  speziell im Bereich Rad/ Laufen als Kombination muss noch gearbeitet werden, um ein klar gestecktes Ziel zu erreichen. Realistisch ist wohl eine Zeit von ca. 13:00 Std., was sich viel anhört, aber unter den gegebenen Voraussetzungen schneereicher Winter, Langdistanz am Anfang der Saison und eine Radstrecke mit 2600 Höhenmeter mehr als in Ordnung ist.

Das Training ab Anfang April stellte sich als sehr belastend da. Ständige Wetteränderungen mit Temperaturen von 0° bis 15° war alles dabei, aber zumindest selten Regen ende April sollte ein Belastungsblock zeigen wie der Trainingszustand ist.
Freitag          4 Km     Schwimmen im Hallenbad (Kacheln zählen)
Samstag    150 Km     Radfahren durchs Lipperland
Sonntag      42 Km     Laufen beim Hamburg-Marathon mit meinem Trainingspartner Udo
Hübner, der seinen ersten Marathon lief.
Rückblickend konnte man am Montag zwar mit schweren Beinen und leer trainierten Körper sagen, Lanzarote kann kommen. Jetzt sind es nur noch 3 Wochen bis zum Abflugtermin. Also steht nur noch reduziertes  Training  auf dem Programm. Die Anreise zu der Kanarischen Insel eine Woche vor Start stand unter den Stern – Flug ja, aber wann-. Aufgrund der Isländischen Staubwolke verschob sich der Flug um 9 Std. Kaum angekommen merkte man sofort ,wo der Schwerpunkt am Startort Poerto del Carmen ist. Triathlon, Triathlon und noch mal Triathlon. Es roch förmlich nach Adrealin, Schweiß und übermotivierte Triathleten. Man sah zu jeder Tag und Nachtzeit Sportler am Trainieren. Ob die noch nie was von Tapern gehört hatten. Da musste man schon aufpassen, dass man nicht angesteckt wurde.
Bis auf ein paar Km auf der Laufstrecke und Orientierungsschwimmen auf der Wettkampfstrecke  sollte nur noch eine Radausfahrt von ca. 75 Km auf den Plan stehen. Nach abgebrochenen 60 Km gegen den Wind und ein schnitt von nur 25 Km/h stellte ich mir die Frage, ob die angestrebten 13:00 Std. wohl zu schaffen ist.  Also wurde kurzerhand eine neue Parole ausgedacht. Der alte Spruch durchkommen ist alles oder dabei sein und das Ziel erreichen stand ab sofort im Vordergrund. Doch wie so oft hat sich noch alles zum Guten entwickelt. Das Rennen startete um 07:00 Uhr mit ein Landstart und 1550 Teilnehmer. Nach turbulenten 3.8 km (2 Runden) schwimmen hatte man die Aufgabe eine Wechselzone von 800 m Länge zu überwinden, um die 180 Km lange Radstrecke als nächsten Höhepunkt in Angriff zu nehmen. Die Angstdisziplin Radfahren entwickelte sich von km zu km als eine der faszinierendsten Radstrecken, die ich je gefahren bin. Selbst die 600 Höhenmeter zum Mirador del Rio mit wunderschönem Blick über die ganze Insel war mehr ein Erlebnis als Schinderei. Ständig wechselte Bilder von  Lava gebieten, 75 Km/h schnellen Abfahrten und Wind zerfressenden Orten machten die Strecke zum Höhepunkt. Beim anschließenden Marathon, der bei ca. 34° entlang der Promenade von Puerto del Carmen Richtung Arrecife in 3 Runden gelaufen wurde, forderte noch mal die letzten Reserven, sodass ich nach 12 Std. und 10 Min. (Platz 73 in M45, Gesamtplatz 552) das Ziel erreichte. Anmerkung: Auch wenn das Projekt IRONMAN 2010 diesmal den Geldbeutel und die Investion
von Urlaub an seine Grenzen getrieben hat, war es die richtige Entscheidung. Ein IRONMAN muß nicht immer nur unter den Stern gemacht werden nicht das durchkommen zählt sondern nur die Startplatz für Hawaii. Es kann auch bedeuten – Erleben statt sich Quälen!

Nach den Erfolgreichen Abschluss stellt sich für mich nur noch die Frage: Kann man zwei Wochen nach so einen Rennen noch bei einer Mitteldistanz in Kraichgau standesgemäß ins Ziel kommen.
Warten wir es ab.

Gruß
Dirk aus Lippe

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