Kay in Roth

Sub11, oder nach zu schnell kommt…

Nach meinem ersten Abenteuer in Roth, siehe: http://www.fcstpauli-triathlon.de/kay-bei-seiner-ersten-langdistanz-in-roth/ hatte ich noch eine Rechnung offen.

Stefan hatte sich gleich am nächsten Tag für das kommende Jahr angemeldet, um sich den Frühbucherrabatt zu sichern und ich schloss mich ihm an.

Bei der Recherche, was die benötigten Zeiten angeht, zeigte sich Verbesserungspotential auf. Es wurde die “Sub11“ angepeilt, also unter 11 Stunden im Ziel zu sein. Die Bedingungen sich vorzubereiten waren dieses Jahr nicht günstig. Bis in den Sommer hinein viel schlechtes Wetter.  Im Trainingslager konnte ich mir zwar einiges Erarbeiten, jedoch es war nicht einfach in diesen Breitengraden weiter zu kommen. Irgendwann entschied ich für mich, das mir Wetter egal ist, bin auch im Regen bis zu 5 Stunden Rad gefahren. Wegen dem vielen Regen und der Kälte gab es wenig Möglichkeiten für das Freiwassertraining.

Der erste Testwettkampf fand unter erschwerten Bedingungen statt. Eine MD beim Vier und Marschlande Triathlon 2013. Wer dabei war, weiß was ich meine. Hatte bislang nur einen Wettkampf der heftiger war. Um gut vorbereitet zu sein, hatte ich noch einen Testwettkampf in Niebüll absolviert, der ausgezeichnet verlief.

Während der Taperphase ging es nun an die Reisevorbereitungen. Die Anreise nach Roth in einem Ersatz ICE, der sich als hellgrau angemalter D-Zug, entpuppte, war anstrengend. Er hatte zwar kaum Verspätung, dafür war die Fahrt wie in einer rasenden Wildwest-Postkutsche. Hatte ein Sonderangebot in einem Race Hotel gebucht. Beim Frühstück sah ich Nicole und Lothar Leder am Nebentisch, dann war das Hotel wohl doch keine schlechte Wahl. Wie ich später erfuhr, sollte es Nicoles letzter Langdistanzwettkampf sein.

Der Wettkampftag rückte näher. Ich wartete immer darauf, wieder schrecklich nervös zu werden, wurde ich aber nicht. Die Startvorbereitungen verliefen entspannt. Fast hätte ich den Schwimmstart verpennt. Es ging los, nach ¾ der Strecke die ersten Krämpfe, dass kann ja noch heiter werden. Die letzte Wendeboje wollte und wollte nicht näher rücken. Der Wechsel aufs Rad verlief wesentlich schneller und besser als im Vorjahr.

Die Fahrt war rasant und in der Hinsicht aufschlussreich. Tropfenhelme und Scheibenräder sind keine Erfolgsgarantie, dies musste ich feststellen, als ich manchmal an solchen vorbei fuhr. Auf einmal stand eine Frau mit einer großen Rautenfahne an der Straße. Die Bemerkung, dass Hamburg Braun-Weiß ist, ließ sie peinlich berührt drein schauen. Sie machte nicht den Eindruck besonders gern dort zu stehen und das mit dem Lappen in der Hand.

Zwischen durch immer wieder mal Krämpfe in den Beinen. Sie ließen es nie langweilig werden. Der Wechsel zum Laufen verlief auch recht schnell, nur war mir die Helferin etwas zu hektisch und wollte Dinge einpacken, die ich auf den Lauf mitnehmen wollte.

Für Alle: DER CHIP BLIEB DIESMAL AM BEIN!

Weiß nicht mehr, wie oft ich es mir anhören musste, nicht wieder den selben Fehler zu begehen. Als ich meine Uhr starten wollte, griff ich ins Leere. Na Prima, ich war so damit beschäftigt, auf dem Rad in der angepeilten Zeit zu bleiben, das ich vor der Wechselzone die Uhr nicht vom Lenker abgenommen hatte.

Was soll’s, es geht auch irgendwie ohne. Bei Km 7 traf ich Andi, der sich gefreut hat mich zu sehen. Er fragte, ob ich wissen wolle welchen Pace wir gerade laufen. Es sei eine Geschwindigkeit von 6 Min/Km. Upp’s, dann muss ich mich wohl etwas beeilen, wenn ich im Zeitplan bleiben will. Ich lief nach dem Gefühl, immer gehetzt von dem Gedanken zu spät zu sein.

Auch meldeten sich die Krämpfe wieder, manchmal wurden sie schon von einem etwas anderem Schritt ausgelöst. Ein Engelchen und der innere Schweinehund im Teufelchenkostüm nahmen auf je einer Schulter Platz. Das Teufelchen empfahl mir doch aufzuhören, schon wegen der Krämpfe und der Erschöpfung. Das Engelchen erinnerte mich an die vielen Mühen in der Vorbereitungsphase und die vielen lieben Leute, die mit mir hier waren und mich anfeuerten.

Später als die Krämpfe heftiger wurden, flüsterte mir das Teufelchen ins Ohr mehr zu gehen, als zu laufen. Das Engelchen hat aber sehr gute Ohren und widersprach sofort mit dem Hinweis, dass das Anlaufen nach der Gehpause wieder Schmerzen verursacht und man Krämpfe auch einfach weglaufen kann. Ich machte den Kompromissvorschlag, dass ich nur an den Versorgungspunkten kurz ein paar Schritte gehen werde. Eigentlich wartete ich auf eine Krampfattacke, die mich von den Füßen holt, so das ich mich wild zuckend am Boden wälzen muss. Die Attacke kam aber nicht. Dafür bin ich im letzten Drittel des Marathons mental gewachsen. Ich erinnerte mich an den Spruch, das Triathlon zu 70 % eine Kopfsache sei.Nun heißt es die Haken in den Teer, weiter, weiter, weiter.

Kurz vor dem Zielbereich viel alle Last von mir ab. Es ist bald geschafft. Keine Ahnung woher noch die Kraft für so etwas wie ein Endspurt herkam. Mit einem Tunnelblick rannte ich ins Ziel. Ließ mich im Ruhebereich nieder und fluchte, dass ich so etwas nie wieder machen werde. Wenigstens nicht, bis zum nächsten Mal. Ich hatte nicht auf die Zieluhr geschaut, es war mir in dem Moment völlig gleichgültig geworden.

Da ich beim Schwimmen gebummelt hatte, auf dem Rad schnell war, die Wechsel zügig verliefen, hoffte ich immer unter 11 Stunden anzukommen. Da das Laufen zur Qual wurde, war es mir irgendwann egal. In 10:58:14 war ich ins Ziel gekommen, ohne Uhr, aber mit Chip. Die Freude war groß.

Später habe ich erfahren, dass alle unsere StarterInnen, Matthias, Bernd P., Stefan, Geli, Andi, Stephan und Johanna, sowie die Staffel, Bernd, Heino und Torben, sicher ins Ziel gekommen sind.

Ich danke ganz ganz doll denen, die mich unterstützt haben diese offene Rechnung zu begleichen. Besonders Danke ich meinem Trainer Gunther Swoboda von x-activ, der mir mit seiner Kompetenz, seinem Wissen und der jahrelangen Erfahrung viel beibringt.

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Fazit:

Kraft kommt nicht aus körperlichen Fähigkeiten. Sie entspringt dem Willen.

Mahatma Ghandi, indischer Rechtsanwalt und Staatsmann, 1869 – 1948

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