Kay bei seiner ersten Langdistanz in Roth

Hier ein Wettkampfbericht von Kay von seiner ersten Langdistanz im bayrischen Roth:

Meine erste Langdistanz, oder …nach zu schnell, kommt falsch…

Hatte mich schon vor einiger Zeit mit Andreas verabredet eine Langdistanz in Roth anzugehen. Habe bereits zwei Mal in einer Langdistanz Staffel beim Ostseeman als Radfahrer teilgenommen. Danach war ich jedes Mal so platt, dass ich mir nicht vorstellen konnte anschließend einen Marathon zu laufen. Ich hatte großen Respekt vor dem Umfang einer Langdistanz.

Dieses Jahr war es nun soweit sie an zu gehen. Andreas hat uns eine wunderbare Übernachtungsmöglichkeit bei einem älteren Ehepaar organisiert. Als wir ankamen und uns bekannt gemacht haben, hat uns der Gastgeber seine weit über 300 Medaillen und Pokale umfassende Sammlung gezeigt, die er sich in seinem Leben in Leichtathletikwettkämpfen erarbeitet hat. Er war sichtlich froh mal wieder Sportsfreunde um sich zu haben.

Unser Gastgeber hat uns am Wettkampftag um 4 Uhr am Startbereich abgesetzt, später an der Strecke angefeuert und Fotos geknipst.

In der Nacht vor dem Wettkampf war ich unruhig, konnte einfach nicht einschlafen, obwohl sich das Kopfkino in Grenzen hielt. Ich war recht optimistisch. Um 3 Uhr klingelte der Wecker. Recht früh am Start angekommen, hatten Andreas und ich genügend Zeit für die Vorbereitungen, trafen die anderen Mitstreiter aus unserem Club.

Der Start rückte näher und näher. Rein in den Neo, die Kappe aufgezogen, ging es Richtung Schwimmstart. Ich hatte noch mit einem schwarzen St.Pauli Luftballon auf dem Weg ins Wasser aufgepustet und herum gewedelt, als  dann auch noch die “Hells Bells“ über die Lautsprecheranlage dröhnte, bekam ich Gänsehaut unter meinem Seehundkostüm. Kam mir vor wie bei einem Heimspiel.

Das Schwimmen bei 22 Grad Wassertemperatur verlief besser als erwartet. Raus aus dem Wasser, den Radbeutel geschnappt und ins Wechselzelt. Kaum auf der Radstrecke angekommen, dachte ich mir: “Jetzt kann ich den ganzen Tag Sport haben, bis in den Abend hinein.“

Die erste Runde verlief reibungslos. Die Anstiege wurden einfach herauf gekurbelt, sie waren kein Problem. Das Publikum trug seinen Teil dazu bei.

Nur nicht falsch abbiegen, wie der Fahrer vor mir der gleich nach der ersten Runde Richtung Ziel fuhr. Auf der zweiten Runde alles ging gut. Der Gurt mit dem Chip beengte meinen Unterschenkel und ich lockerte ihn. Mir wurde empfohlen, mir die Kräfte gut einzuteilen, konnte es nicht lassen gern an anderen vorbei zu fahren. Kurz vor dem Wechsel zum Laufen bekam ich einen Krampf. Na prima, und nun noch einen Marathon laufen.

In der Wechselzone angekommen, bekam ich zügig meinen Laufbeutel. Ab ins Wechselzelt. Ich hatte den Plan beim Laufen, den Sensorchip am anderen Bein zu tragen und legte ihn in die Radschuhe, da diese Meine waren. Ich dachte, dass es besser sei, als ihn irgendwo abzulegen und zu vergessen. Die Helferin hat schnell einen Masseur herbei gerufen, als ich von meinem Krampf vor dem bevorstehenden erstem Marathon sprach. Alles ging sehr schnell, die Wade wurde gelockert und die Radsachen verschwanden im Wechselbeutel.

Ab auf die Laufstrecke. Ich wusste nicht was mich erwartet. Die ersten 20 Km verliefen gut, bei dem 30 Km Schild dachte ich mir, dass ich diese Strecke im Training schon gelaufen bin und sich nun eine neue Tür öffnet. Bei Kilometer 33 wurde mir kurz übel. Warum nur? Ich hatte doch bislang alles richtig gemacht. Bin ca. 30 Schritte gegangen und es wurde wieder besser. Bei Kilometer 38 wurde es richtig hart. Wenige kurze Pausen im Gehen führten weiter Richtung Ziel. Bei ca. Kilometer 40,5 sagte ich mir:
“Kopf in den Nacken, und wenn der Hals noch so dreckig ist. Du läufst jetzt ins Ziel und hast es geschafft.“

Im Ziel musste ich mich kurz setzen, versuchte zu realisieren, dass ich angekommen war. Mir wurde bald wieder auf die Beine geholfen und in den “After Race Bereich“ geleitet. Ich vermisste kurz meinen Sensorchip.

Mir stand das Wasser in den Augen, beim Versuch ein Brötchen zu essen schnürte sich die Kehle zu.

WAS FÜR EIN TAG !

Ich habe mich massieren lassen und mich mit den Startern ausgetauscht. Wie es so ist, trifft man überall bekannte Gesichter.

Für mich war es keine Frage, dass Andreas bald neben mir stehen würde. “Ich bin angekommen, ich habe es geschafft!“, rief er mit leuchtenden Augen.

Vor circa 10 Jahren hatte er bereits diesen besonderen Wettkampf bestritten.

Wie sich später herausstellte hatte ich den Sensorchip mit in den Radwechselbeutel versenkt und wurde offiziell nicht gewertet.

Nicht so wichtig, denn ich hatte auch ohne offizielle Wertung einen Tag, den ich nie vergessen werde.

Ich danke allen, die mir geholfen haben dieses Ziel zu erreichen. Für den vielen herzlichen Zuspruch, die vielen gemeinsamen Trainings, die Ratschläge und Tipps.

Euch Flyer

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