Frank und die 48h von Köln

Zu Beginn der letzten Stunde neben dem Sieger Hans-Jürgen Schlotter

Liebe Sportfreunde,

vor ein paar Wochen habe ich es in einem Bericht nebenbei erwähnt, nun ist es geschehen: Am 23., 24. und 25. Juli wurden in Köln-Dellbrück auf einer 309 m langen Aschenbahn die 48 h von Köln ausgetragen. Von nahezu allen Leuten, die nicht selbst Ultramarathons laufen, wurde ich für völlig verrückt erklärt, bei so etwas mitzumachen. Auch Achim Achilles, den der Veranstalter als Schirmherr gewonnen hatte, war in seinem Grußwort relativ sprachlos. Aber er hatte recht, da waren die Verrücktesten unter den Verrückten unterwegs – und ich mitten drin. Mit der Erfahrung von acht 24 Stundenläufen zzgl. drei 100 km-Läufen wollte ich einfach mal glücklich sein und die doppelte Distanz wagen.

Der Donnerstag: Gegen 18 Uhr holte mich meine Freundin nach der Arbeit am Bahnhof ab. Gegen 22:30 Uhr waren wir in Köln und checkten im Hotel ein. Nach einem Kölsch und einem Abendessen in der Altstadt fielen wir kurz nach Mitternacht ins Bett.

Der Freitag: Die Nacht im Hotel tat gut, sollte aber die einzige werden, in der ich das Doppelzimmer und das Frühstück mit meiner Freundin teilen würde. Um 10 Uhr waren wir auf dem Sportplatz, kurz später stand unser Zelt zwischen den anderen Zelten am Rand der Aschenbahn, die tatsächlich nur 309 m misst. Um 12 Uhr gingen die 42 TeilnehmerInnen aus Deutschland, den Niederlanden, Griechenland, der Türkei, Algerien, Norwegen, Schweden, Dänemark und Belgien auf die Strecke. Die ersten Stunden war es warm, aber einige Bäume gaben Schatten. Viel gab es zu erzählen, hatte man doch einige Leute lange nicht gesehen und andere gerade neu kennengelernt. Bis Mitternacht habe ich etwa 75 km erlaufen.

Der Samstag: Nun wurde ich erst einmal so richtig müde und verzog mich nach 251 Runden für 4 Stunden ins Zelt. Im Morgengrauen ging es zurück auf die Bahn, den Kreislauf langsam wieder in Schwung bringen. Um 6 Uhr folgte – wie alle sechs Stunden – ein Richtungswechsel an der Stelle, wo die elektronische Zeiterfassung war. Einmal durch die „Ohren“ und außenrum zurück. Mit der Sonne kam die Wärme zurück, ebenso der Laufrhythmus. Mit ca. 112 km nach 24 Stunden war ich nicht ganz zufrieden, weil ich von den angepeilten 200 km auf der ersten Hälfte doch mehr machen wollte, um Reserven für Pausen zu haben. Nach der Eichhörnchen-Taktik (möglichst viel auf der Bahn sein und möglichst viele Runden sammeln) ging es weiter. Sehr willkommen waren mir die insgesamt vier wundervollen Massagen von meiner Freundin, dich mich jeweils zwar eine halbe Stunde Zeit gekostet haben, die aber dazu führten, dass ich danach erst einmal wieder richtig gut im Ultraschlappschritt weiterlaufen konnte. Nach 36 Stunden war ich bei km 165.

Der Sonntag: Er begann mit einer wichtigen Entscheidung: Entweder würde ich wieder ein paar Stunden schlafen gehen und damit die 200 km wohl verpassen, weil man nach 1 1/2 Tagen einfach nicht mehr so schnell unterwegs ist – oder ich müsste die Nacht mehr oder weniger durchmachen. Ich entschied mich hundemüde für „oder“, brauchte aber nun mehr Pausen und gönnte mir, als die Hochrechnungen immer beruhigender wirkten, doch eine Stunde Schlaf. Mit der aufgehenden Sonne war es auch meinem Kreislauf wieder wohler, der in der Nacht lieber gehen als laufen wollte. Meine Freundin hatte gerade das Hotel geräumt und kam zum Sportplatz, als ich 199 km geschafft hatte. Wir organisierten am Verpflegungsstand eine Flasche Bier und zwei Becher und setzten uns nach etwa 46 1/2 Stunden Laufzeit an der imaginären 200 km-Marke erst einmal in die Böschung und begossen die Distanz. Wie schon bei meinen 24ern konnte ich in den letzten 1 1/2 Stunden noch einmal recht zügig laufen, so dass am Ende 212,059 km zu Buche standen – und Platz 25. Nach der Restmetervermessung und einem Fototermin mit allen TeilnehmerInnen lag ich erst einmal eine Weile im Gras. Es folgten Dusche und Siegerehrung. Anschließend genoss ich die Rückfahrt als Beifahrer mehr oder weniger tief schlafend. Die Treppen in den vierten Stock gingen abends aber schon wieder recht gut.

Der Montag: Zunächst wurde viel Schlaf nachgeholt – und realisiert, was da eigentlich gelaufen ist.

Das Fazit: Es war sehr interessant, sehr schön, aber auch sehr anstrengend, da die Beine und Füße einen zunehmend wissen ließen, dass sie schön länger unterwegs sind und Pausen so richtig gut finden. Die LG DUV hat die Veranstaltung richtig gut organisiert, besonders den zahlreichen HelferInnen ist zu danken, die Verpflegung war einfach wunderbar (Vollpension).

Sankt Pauli: Irgendwann wurde ich in der ersten Nacht von einheimischen Fans in meiner orangefarbenen Weste für einen Niederländer gehalten und mit „Orange“ angefeuert. Auf meine Erwiderung, man dürfe mich ruhig mit „St. Pauli“ anfeuern (und Fingerzeig auf das Vereinswappen auf meiner Hose), gab es „auf der Tribüne“ kein Halten mehr. An Schlaf war für die anderen nicht mehr zu denken, weil über eine Stunde lange nach jeder neuen Runde in rheinischem Singsang „Sankt Pauli – Sankt Pauli“- Rufe über den Sportplatz schallten. Und auch zum Rennende waren die Rufe wieder zu hören.

Frank

Kurz vor dem Rennende an der Zeitmessstelle

Bei der Siegerehrung mit DUV-Präsident Stefan Hinze und DUV-Sportwart Wolfgang Olbrich.

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