Dirk Ewert erkämpft den 3. Platz über die Langdistanz am „extremen Samstag“ im polnischen Stettin (Szczecin)

Triathlon boomt! Alle, die am letzten Wochenende in die Binnenalster gesprungen sind, werden das gespürt haben. Sowohl Samstag als auch Sonntag jeweils 4000 Starterinnen und Starter – Triathlon ist längst im Breitensport angekommen. Mit der Nachfrage steigen die Preise mancher kommerzieller „Events“, in Hamburg verlangten die Veranstalter für das Absolvieren der Kurzdistanz satte 80 Euro, beim erstmalig durchgeführten  IRONTOWN Triathlon Ferropolis erhöhten sich nach nur einem Durchgang die Startgebühren für eine Mitteldistanz  auf schlappe 130 bzw. 140 Euro. Viel Geld für relativ wenig Triathlon… Klar, es gibt auch kleinere, nette und preisleistungsverhältnismäßig akzeptable Veranstaltungen wie Vierlanden, Ratzeburg und viele andere mehr; aber Deutschland ist ein teures Land für Triathleten – zumal wenn’s auf die Langdistanz gehen soll.

Was liegt da näher, als sich mal im benachbarten Ausland umzuschauen. Italien gehört ja dank unseren Südlichtern Christine und Matthias aus Penzberg zum braun-weißen Vielstarterland. Aber meiner Erfahrung nach werden Wettkämpfe dort auch nicht weniger kosten…

Triathlon in Polen dagegen hört sich zunächst an wie ein schlechter Witz, und in der Tat spuckt Google ganz oben einen der ganz schlechten Polenwitze aus, wenn man „Triathlon+Polen“ eintippt.

Doch Triathlon hat Polen auch als Sport erreicht, und die in unserem östlichen Nachbarland ausgetragenen Wettkämpfe verströmen eine Mischung aus Pioniergeist, Bodenständigkeit und  Abenteuer. Übersichtliche Starterlisten von 40 oder 50 Teilnehmern, liebevoll ausgedachte Strecken mit klarer Start- und Zielvorgabe, reizvolle Naturlandschaften – tolle Wettkämpfe für und von Triathleten gemacht.  Und: Vergleichsweise günstige, ja billige Startgebühren!

Der „eXtremalna Sobota 2009“, der am 25. Juli 2009 bereits zum vierten Mal in Stettin und Umgebung ausgetragen wurde (www.extremalnasobota.info/de/de_menu.htm), ist so ein Wettkampf. Stettin (polnisch Szczecin), die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Westpommern, liegt rund 120 km nordöstlich von Berlin an der Odermündung zum Stettiner Haff. Die Langdistanz kostet hier ganze 24 Euro – nicht mehr und nicht weniger! Wer jetzt meint, die Anfahrtskosten usw. relativieren das wieder, sollte bedenken, dass Hamburger knapp 750 km bis nach Roth fahren müssen, während sie schon nach 410 km Stettin erobert, äh, erreicht haben…

Als „Veranstaltungsziel“ geben die Macher des „eXtremalna Sobota“ u.a. an, “ Triathlon als Form der Erholung popularisieren“ und „gesundes Leben und aktive Erholung propagieren“ zu wollen. Garantiert wird die „Beteiligung am echten Iron Triathlon“ und dass „die Beendung im zeitlichen Limit (…) große Freude und den Titel: „Mann aus Eisen“ bringe. Obendrein erhalte jeder Teilnehmer „eine große Portion frischer Luft von Wkrzanska Urwald„, einem der schönsten Waldkomplexe in Polen.

Das ließ sich unser Mitglied Dirk Ewert, der „schnelle Dirk“ aus Lage im Lippeschen, nicht zweimal sagen und machte sich auf den Weg nach Polen, um die braun-weißen Farben zu vertreten. Und das tat er in gewohnt eindrucksvoller Weise:  In seinem vierten „Mann-aus-Eisen“-Rennen absolvierte Dirk den Wettkampf in der Zeit von 11:43 h und wurde damit unter 22 gewerteten Startern Dritter. Glückwunsch, Respekt und weiter so! Hier jetzt sein Bericht für die Lippische Landes-Zeitung (entschuldigt die lange Vorrede…):

Bei der 4.Auflage des IRON Triathlon EXTREMALNA SOBOTA ( extremer Samstag) am 25.07.09 ging dieses Jahr der Lippische Athlet Dirk Ewert aus Lage-Hörste an den Start, um über die IRONMAN Distanz von 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad und den abschließenden Marathon seine Kräfte zu messen.

Für den heimischen Einzelstarter sollte  das Rennen eine Abwechslung von den  hierzulande stattfindenden Großveranstaltungen wie Roth, Frankfurt oder Glücksburg zu sein. Das Starterfeld war auf 50 Starter begrenzt. Es teilte sich auf 3 Amerikaner, 1 Engländer, 5 Deutsche und 37 polnische Starter auf. Die Strecken und Wettkampfinformationen wurden am Abend vor dem Start bekanntgegeben und machten deutlich, dass jeder Teilnehmer sich auf der Strecke überwiegend selbst versorgen müsste. Hier musste somit auf die mitgebrachte heimische Verpflegung zurückgegriffen werden.

Punkt 6 Uhr morgens war Start am nördlich von Stettin gelegenen See. Hier mussten 4 Runden von je 950 m geschwommen werden, die jeweils von einem Landgang unterbrochen wurden. Die Strecke wurde aber kurzfristig vom Veranstalter auf 4 x 1100 m verlängert, da eine Wendepunktboje nicht an ihren vorgesehenden  Punkt befestigt werden konnte.

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Nach 1 Stunde 23 Min. kam Dirk aus dem sauberen Wasser und belegte somit Position drei.

So stieg er hochmotiviert aufs Rad um die flache, aber zum Teil mit schlechten Belag versehende  180-km-Wendepunktstrecke als 2. Disziplin zu absolvieren. Nach 150 km hatte er die zwei vor ihm liegenden Schwimmer eingeholt und gab die Führung bis zur Wechselzone zwei auch nicht mehr ab. Er hatte hier einen Vorsprung von ca. 20 Minuten zum abschließenden Marathon herausgefahren und wurde trotz zweier Gewitter mit starkem Regen nicht mehr eingeholt.

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Da das Laufen nicht seine Paradedisziplin ist, war das eine gute Voraussetzung für eine Platzierung im vorderen Teilnehmerfeld. Während des Laufen konnten ihn noch zwei starke Athleten einholen, und als bei Kilometer 32 noch ein dritter Läufer aus England ihn überholen wollte, mussten alle Kraftreserven mobilisiert werden. Während der letzten 12 km baute sich noch eine sportliche Freundschaft zu dem Triathleten aus England auf und die letzten Wasserreserven, die am Getränkegürtel mitgeführt wurden, wurden freundschaftlich geteilt.

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Am Ende konnte der 3. Platz bis ins Ziel gerettet werden. Die  Endzeit von 11 Stunden und 43 Minuten bedeuteten für Dirk Ewert keine Bestzeit, was wohl unter den schwierigen Bedingungen auch nicht möglich war. Aber die Platzierung und das familiäre mit viel Liebe organisierte Rennen war auf jeden Fall die Reise Wert gewesen.

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