Wolfgang & André beim SwimRun

Swimrun – neuer Ausdauersport-Trend aus Schweden

Mitte letzten Jahres zeigte mir mein Schwager & Sportkumpel André ein Video vom Ö-till-ö Swimrun in Schweden. Voller Begeisterung versuchte er mich zu überreden an dieser Veranstaltung teilzunehmen, doch im ersten Moment war mir die Idee nicht ganz geheuer beim Anblick der sprintenden Froschmänner in Neo und Turnschuhen. Zum Ende meiner ersten Triathlon Saison 2013 hatte ich jedoch viel Gefallen an Ausdauerrennen gefunden und die Idee eine neue Art des Wettkampfes anzugehen gefiel mir immer besser. Also beschlossen André und ich in 2014 als Team an den Start verschiedener Swimruns zu gehen.

Swimrun bedeutet: ein Team bestehend aus 2 Personen geht zusammen an den Start eines Wettkampfes, der sich aus mehreren Abschnitten zusammensetzt die abwechselnd gelaufen und geschwommen werden. Über den kompletten Verlauf des Rennens bleibt das Team zusammen (in Sicht-/ Rufweite) und bestreitet die komplette Distanz, möglichst ohne Unterbrechungen, auf dem schnellsten Weg. Das Equipment, hauptsächlich bestehend aus Neoprenanzug und Laufschuhen, wird unterwegs nicht abgelegt oder gewechselt. Es wird also im Neo gelaufen und mit Schuhen geschwommen. Desweiteren ist als Ausstattung vorgeschrieben, die Schwimmkappe und die Weste des Veranstalters als sichtbares Kennzeichen zu tragen. Ein GPS-Sender, wasserfeste Karte, 1. Hilfe-Set, Alarmpfeife und Kompass ergänzen die Pflichtutensilien. Es ist möglich Hilfsmittel zu benutzen z.B. einen Trinkrucksack (wo auch das Zeug verstaut werden kann), Handpaddles, Pullbuoy oder gar Flossen. Allerdings muss alles von der Start- bis zur Ziellinie mitgetragen werden. Daher sei es wohl überlegt was man wirklich brauchen wird. Minimalistische Ausrüstung ist angesagt.

Unser erster Swimrun fand Anfang Juni in Boras statt (http://borasswimrun.se/english/). Der Tag begann mit herrlichem Wetter und einen blauen Himmel was sich auch im Verlauf des Tages nicht ändern sollte. Im Startbereich waren wir ziemlich beeindruckt von der Gelassenheit und der Routine die andere Teilnehmer an den Tag legten. Vermutlich hatten alle bis auf ein Team aus Russland und wir bereits öfter an solcher Art Veranstaltungen teilgenommen.

Zusammen mit dem russischen Team bekamen wir von Jonas Colting, dem Veranstalter, ein Briefing auf Englisch vor der offiziellen Wettkampfbesprechung. Kurz darauf ertönte der Startschuß und los ging es auf eine Strecke von rund 31,5 Kilometern, unterteilt in 13 Lauf- (25,5 km) und 12 Schwimmabschnitte (6 km).

Auf der ersten 3 km langen Trailrunde kamen wir gut weg und liefen unter den ersten 5 Teams vorne mit. In den darauf folgenden Schwimmabschnitten mussten wir uns allerdings einigen anderen Teams geschlagen geben, die mit Paddles und Pullbuoy ausgerüstet an uns vorbeizogen. Wir hatten uns bewusst gegen diese Hilfsmittel entschieden, da wir mir der Befestigung des Pullbuoy´s Probleme hatten, weil dieser uns bei den Trainingsläufen immer wieder das Bein runter gerutscht war. Somit hatten wir beim Schwimmen zunächst einen Nachteil. Im weiteren Verlauf des Rennens konnten wir allerdings deutlich feststellen, dass die Schwimmer mit Paddles zwar auf den ersten Metern schneller davonzogen, nach einer kurzen Phase aber deutlich langsamer wurden, weil offenbar die Kraft in den Armen nachließ, während wir gleichmäßig unser Schwimmtempo halten konnten.

Der für mich persönlich härtere Teil waren jedoch die Laufabschnitte. Zum einen weil das Gelände um den Öresjö See herum sehr hügelig ist und viele Steigungen erklommen werden mussten. Zum anderen weil das Laufen im Neo eine schweißtreibende Angelegenheit ist! Daher mussten wir uns auf den etwas längeren Strecken den oberen Teil des Anzugs vom Körper schälen und vor dem Sprung ins immerhin 17°C warme Wasser wieder hochziehen. Damit verbunden war immer das Auf- und Abstreifen der Rennweste, was im nassen Zustand einer akrobatischen Übung nahe kam.

Der Lauf führte über alle Arten von Terrain: Fuhr- und Waldwege, viele Trails durch den Wald am Ufer entlang, bergauf, bergab, mit Treppen und über Steganlagen. Die langen Schwimmstrecken führten quer durch den See. Ebenfalls wurde in kleineren, mitunter schlammigen, Waldseen geschwommen sowie in einem Flußabschnitt mit umgestürtzen Bäumen, über die man hinweg klettern oder unter denen man hindurch tauchen musste.

Auf der Strecke gab es 5 Verpflegungspunkte an denen man sich reichlich stärken konnte. Trotz aller Abgelegenheit gab es erstaunlich viele Zuschauer die einen an vielen Stellen den nötige Motivation gaben, nicht nach- oder gar aufzugeben. Außerdem war die Strecke immer wieder mit kleinen Schildern gespickt auf denen Stand: „Keep on going!“ oder (besonders schön wie ich fand) „Swimrun – Funrun – Swimfun“ was mir am Rande der Erschöpfung tatsächlich noch ein leichtes Lächeln auf die Lippen zauberte.

Über den Verlauf des Rennens konnten wir einige Plätze wieder gutmachen und pendelten uns zusammen mit ein paar anderen Teams auf ein Kopf-an-Kopf rennen ein. Die Kräfte ließen zusehends nach und ein Hoch und Nieder der Kraft- und Erschöpfungsphasen wechselten sich ab. Das Schöne daran diesen Wettkampf im 2-er Team zu bestreiten war, dass wir jetzt untereinander abwechselnd die Führung übernahmen und uns gegenseitig über die letzten Kilometer ziehen konnten.

Auf den letzten zwei Schwimmeinheiten kam es dann noch einmal zum finalen Showdown zwischenuns und 4 weiteren Teams. Am Ende des ersten Schwimmabschnitts lagen wir in der Gruppe noch hinten. Auf dem zweiten Abschnitt über 750m konnten viele Konkurrenten wegen ihrer schweren Arme mit den Paddles nicht mehr kraftvoll durchziehen. Das führte dann dazu, dass wir noch einmal drei Teams überholten.

Auf der Ziellinie begrüßte Jonas Colting jedes Team persönlich und gratulierte mit dem umhängen der Medaille und einer Umarmung zum bestandenen Wettkampf. Da sich der Badestrand am See, auf dem der Zielbereich errichtet war, mittlerweile mit vielen Zuschauern und Badegästen gefüllt hatte, konnten wir nicht überblicken wie viele Teilnehmer schon vor uns ins Ziel gekommen waren. Doch schon kurz darauf auf dem Weg nach Götheburg zur Fähre stellten wir fest, dass wir mit einer Zeit von 04:20:43 den 7. Platz bei den Herren bzw. den 9. Platz insgesamt (also inkl. Damen- und Mixed-Wertung) belegt hatten.

Wir waren überrascht und überglücklich mit diesem Ergebnis unseres ersten Swimruns und sind jetzt voller Vorfreude auf den nächsten Wettkampf im Engadin diesen Juli 2014!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.