Wettkampfbericht Wakenitz Man: Einfach mal nur Schwimmen!

Am Freitag wurde zur Sprache gebracht, was die meisten Teilnehmer seit ihrer Zusage, in der Vierer-Staffel des Wakenitz Man anzutreten, erfolgreich verdrängt hatten: Wer als wohnhafter St. Paulianer an einem Schwimmwettbewerb in Lübeck teilnehmen will, der um 8:15h startet, muss so früh aufstehen, dass schon beim Gedanken an die Uhrzeit Sekundenschlaf einsetzt. Wir nahmen die Erkenntnis hin und kauften zu unserem Selbstschutz Karten für die Neunzehnuhr-Vorstellung von „Batman“ am Vorabend. Der Plan ging im Wesentlichen auf: Um ca. 22:30h rettete Batman Gotham City, um 23:00h lagen wir alle im Bett, um 5:00h am Sonntag klingelte der Wecker und um 7.00h standen wir etwas verwirrt am Flusslauf der Wakenitz kurz hinter dem Ratzeburger See und verfolgten die Wettkampfbesprechung.

Was dann folgte, war eine wunderbare Abwechslung von der üblichen Triathlon-Routine. Erstens: Man hat beim Wakenitz Man seine eigenen Privatzuschauer, die ständig in einem Kanu neben einem herpaddeln, während man schwimmt. Das sorgt für gute Laune und ein Gefühl erbaulicher Coolness. Zweitens: Statt den üblichen zwei Disziplinen, die sonst auf das Schwimmen folgen, kommt danach einfach gar keine mehr. Wer gerne schwimmt, kann in dieser Disziplin also mal so richtig die Sau, bzw. den Karpfen rauslassen. Und drittens: Statt mit profanen technischen Defekten, pingeligen Wettkampfrichtern und überfüllten Wechselzonen bekommt man es beim Wakenitz Man hauptsächlich mit der echten und einzigen Mutter Natur und ihren tierischen Vertretern zu tun. Dazu aber gleich mehr.

Das Schwimmen startete dann jedenfalls Thomas, der super vorlegte und nach 2,6 km als fünfter Staffelschwimmer den ersten Wechselpunkt unter einer Autobahnbrücke erreichte. Dort nahm ich das „Staffelholz“, eine gelbe Badekappe mit unserer Startnummer, entgegen und zog diese elegant über meine Schwimmbrille, die sich zudem noch auf meiner Stirn befand. Toller Start – egal. Alles noch mal runter und wieder rauf und dann ab dafür.

[singlepic id=1275 w=320 h=240 float=]

 

Ich hatte vom ersten bis zum letzten Zug meiner 2,8 km Spass. Tolle Strecke, dank guter Sicht im flachen Wasser das beflügelnde Gefühl von Geschwindigkeit und mit ca. 20° eine ideale Wassertemperatur für Neoschwimmen. Noch weit bevor mir die Lust vergangen war, signalisierten mir die Paddler den kommenden Wechselpunkt. Bei der Badekappenübergabe versuchte ich, dem dort wartenden Arturo so überschwänglich meine Begeisterung über die schöne Strecke zu vermitteln, dass dieser meine – dank meiner Ohrstöpsel wohl fast geschrienen – Äusserungen im ersten Anlauf als Ironie interpretierte und mich entsprechend entsetzt anschaute. Das beistehende Publikum, so erfuhr ich später, war ob der komischen Szene wohl recht erheitert. Ich für meinen Teil stieg mit ins Boot, um bis zum nächsten Wechselpunkt mitzufahren, wo Vali, die dort startete, ihr Auto abgestellt hatte. Die Perspektive aus dem Boot war sehenswert: auf mehrere hundert Meter hinaus war der Fluss gespickt mit bunten Kanus, zu beiden Ufern wilde Natur. Irgendwann kamen wir ins Hoheitsgebiet eines stattlichen Schwans, dessen Familie – eine Schwänin und drei graue Küken – nebenan im Dickicht geparkt war. Der feine Herr Schwan fand wohl, wir befänden uns unbefugt in seinem Revier und machte seinem Unmut mit bedrohlichem Zischen Luft. Besten Dank an dieser Stelle an die DLRG, die den ärgerlichen Vogel mit ihrem Schlauchboot gekonnt abdrängte und so für uns und insbesondere für Arturo unschädlich machte. Nach 3,9 km dann dritter Wechsel: Vali übernahm von Arturo und entschwand in kürzester Zeit hinter der nächsten Biegung auf den längsten Streckenabschnitt: 4,7 km. Alle anderen: Ab ins Auto und zum Ziel, einem Naturfreibad mitten in Lübeck.

Beeindruckenderweise waren, als wir dort ankamen, die ersten Einzelschwimmer bereits eingetroffen. Vali kam einige Minuten später als siebte Schlussschwimmerin der etwa zwanzig Viererstaffeln ins Ziel – ein passables Ergebnis! Die üppige Zielverpflegung aus Kaffee, Kuchen, Bier und Brötchen rundete die Veranstaltung würdig ab und der bald einsetzende Regen kam keine Minute zu früh. Insgesamt war’s ein Riesenspass – danke noch mal an unsere fleissigen Paddler, die genauso früh aufstehen mussten wie wir. Und bis zum nächsten Mal auf dem „Amazonas des Nordens“!

3 Gedanken zu „Wettkampfbericht Wakenitz Man: Einfach mal nur Schwimmen!

  1. Geiler Bericht, danke Stephan. Da muss ich glaube ich den Wakenitz Man mal in meine Wettkampfplanung aufnehmen. Glückwunsch übrigens auch an Hans und Larsen die als Einzelstarter unterwegs waren. 13,4km Schwimmen ist schon ne echte Hausnummer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.