Was für ein Tag! – Torben beim Ostseeman

Am 05.08. war es endlich soweit und ich stand an der Startlinie zum Ostseeman, meines Saisonhighlight, auf den ich meine ganze Vorbereitung ausgerichtet hatte! Angereist war ich schon am Mittwoch vor dem Rennen und habe die Tage nach einer kurzen „Proberunde“ der Radstrecke und einem noch kürzeren Koppellauf zum Strand mit einem großen Softeis eingeläutet. 

Den Donnerstag und Freitag habe ich dann mit Essen, Spazierengehen und Ausruhen verbracht und am Freitag abend war ich bei der stimmungsvollen Eröffnung der Veranstaltung, im Anschluss gings mit Marschmusik und Fahnen aller teilnehmenden Nationen zur Pasta-Party, wo ich sogleich Mathias Bähr, ebenfalls Einzelstarter, traf und wir die Pasta bei Fachsimpeleien genossen. Danach gings früh zu Bett, denn die vorletzte Nacht ist für mich immer die wichtigste vor Wettkämpfen, die folgende Nacht sollte dann deutlich kürzer werden…

Am Samstag reisten weiter Paulianer und meine persönlichen Schlachtenbummler (meine Eltern) an. Bei deren Anreise regnete es in Strömen und es schien als wolle es gar nicht aufhören, obwohl der Wetterbericht nur einzelne Schauer vorausgesagt hatte, dass diese nahtlos ineinader übergingen war dort nicht zu sehen 😉

Am frühen nachmittag riss der Himmel dann tatsächlich endlich auf und ich konnte meine Drahtesel in die Wechselzone einchecken, wo er dann auch gut eingepackt in einer Fahrradgarage die Nacht verbringen durfte 😉

Am frühen abend gabs dann die letzte Mahlzeit, beim Pastabüffet in der „Scheune“ in Glücksburg und eigentlich sollte ab 22 Uhr Nachtruhe und schlafen angesagt sein… Aber wie es so ist machte ich mir im Bett natürlich tausend Gedanken über den kommenden Tag und fand erst weit nach Mitternacht in den kurzen Schlaf… Den Wecker hatte ich auf 4:45 gestellt, wurde allerdings um 4:38 von einem Donner und einer heftigen Windboe geweckt und dachte nur: Sch…! Ich disponierte sogleich um, packte die Wechselklamotten aus den Stoffbeuteln nochmal in Plastiktüten, packte zusätzlich Armlinge, Regenjacke, etc. in die Beutel. Im Nachinhein völlig unnötig, aber das kommt gleich… Im Vorfeld des Wettkampfes hatte ich mich schon sehr auf mein persönliches Zeitziel einer Sub10h eingeschossen und mir innerlich einen relativ großen Druck gemacht, der mir an diesem Morgen sofort vom Wetter genommen wurde, was sich später auch als Vorteil erweisen sollte, da ich unbeschwert an der Startlinie stand.

Also gings dick eingemummelt in die Wechselzone und pünktlich zum Eintreffen dort, hörte der Regen doch tatsächlich auf und die Wolken rissen auf, auch der Wind war auf einmal weg… Wie geil! War dann mein erster Gedanke! Vorm Start traf ich noch etliche Paulianer in der Wechselzone, wir wünschten uns Glück und ich sprang um Punkt 6.30 Uhr in die dann komplett flache Ostsee!! Beim Warten auf den Startschuss traf ich Larsen, mit dem ich dann auch Seite an Seite die Andacht vorm Start und die Nationalhymnen aller teilnehmenden Nation hörte, ein geniales Gefühl!

Um 7Uhr wars dann mit der Ruhe vorbei, denn 1.800 Arme und ebenso viele Beine machten sich auf den Weg zur ersten Wendemarke. Ich fand eigentlich gut in meinen Rhythmus, musste einmal kurz stoppen, da mir jemand die Brille von der Nase trat und ich kurze Zeit später auch noch einen Schlag auf die Lippe bekam, die in der 18 Grad warmen Ostsee aber zum Glück gleich gekühlt wurde, sodass Sie nicht dick wurde! Auf dem Weg zur östlich Wendeboje kam die Sonne über dem Land hervor und ich bemerkte meine ersten Fehler des Tages: Ich hätte meine getönte Schwimmbrille aufsetzen sollen… So wars ne echt blendende Schwimmerei  Ich hielt mich also damit auf möglichst wenig nach vorn zu schauen und orientierte mich an meinen Nebenleuten, das ging zum Glück dann auch ganz gut. Auch mit Quallen hatte ich wenig Kontakt und sah oder berührte nur ganz vereinzelt mal das ein oder andere glibberige Tier, Feuerquallen waren überhaupt nicht zu sehen. Nach 3,8 Km war die erste Disziplin dann geschafft und ich war in 1:05h sehr stolz auf mich, da ich mit seit Februar mit einer langwierigen Schleimbeutelentzündung in der Schulter geplagt habe und im ganzen Jahr noch keine 3,8Km am Stück geschwommen war.

Auf auf ins Wechselzelt!!

Also gings voller Vorfreude auf meine mittlerweile Lieblingsdisziplin Radfahren, nachdem ich mich mit Unterstützung der Helfer im Wechselzelt durch meine tausend Klamotten im Wechselbeutel gesucht hatte, die ich bei Sonnenschein irgendwie alle nicht brauchte.

Auf dem Rad gings dann ab wie ein Zäpfchen, nicht nur meine Form war der Hammer, auch die Zuschauer an der Strecke feuerten uns in jedem Dorf durch das wir fuhren genial an. Ich hatte tierischen Spaß und animierte das Publikum beim Vorbeifahren. In Glücksburg selbst war natürlich am meisten los aber Spaß gemacht hats überall. Die Strecke selbst trägt dazu auch absolut bei, denn die vielen kleinen Anstiege und Abfahrten machten die 30Km jeder Runde zu einer kurzweiligen „Achterbahnfahrt“. Beinahe wäre ich etwas zu sehr Achterbahn gefahren, als ich mich beim Überholen einer Zweiergruppe nicht bemerkbar machte und nicht einkalkulierte, dass ja auch einer der beiden überholen könnte. Ich kam auf den Seitenstreifen, konnte mein Rad aber zum Glück kontrollieren und machte mich von da an bei jedem Überholmanöver lautstark bemerkbar. Ich konnte von der ersten bis zur letzten Runde gut attackieren und spulte die Runden gemäß meines Rufes eines Uhrwerks ziemlich konstant ab, nur in der letzten Runde legte ich die Beine etwas hoch, machte eine Pinkelpause und stimmte mich auf den Marathon ein. Insgesamt brauchte ich für die 180Km 5:05h und war damit ca. 10 min schneller als ich geträumt hatte.

Am Anstieg in Glücksburg

Beim zweiten Wechsel musste ich natürlich wieder Klamotten sortieren und die Regensachen beiseite räumen. Auf geht’s dachte ich, kontrollierte allerdings nochmal ob mein Transponder auch noch da war, nachdem ich den Bericht von Kay aus Roth gelesen hatte. 😉

Die ersten Km liefen mehr als wie geschmiert und ich legte die ersten 8,5Km in 38 Minuten zurück, dann begann mein Kopfkino und ich begann zu rechnen welche Zeit möglich sein würde – völliger Blödsinn, wenn noch über 30Km vor einem liegen…

2. Laufrunde, da gings noch gut!!!

Ich sagte mir im lauten Selbstgespräch, immer wenn ich glaubte mich hört grad keiner: HALT DIE FRESSE UND LAUF!! Ab Km 20 baute ich dann auch ab und konnte weder meine Geschwindigkeit, noch meinen Puls in dem Bereich halten den ich geplant hatte, allerdings hatte ich mir auch schon ein gutes Polster eingelaufen und musste einfach der vergangenen 8h und mittlerweile auch der Nachmittagshitze Tribut zollen. Die Stimmung war auch hier ziemlich gut, es gab leider aber auch ein paar Streckenabschnitte in den man sich, abgesehen von den anderen Läufern, schon sehr einsam vorkam. Zum Glück war unsere Abteilung sowohl mit Startern, als auch mit Zuschauern gut vertreten und der Support baute mich immens auf. (Danke Kay – Im Schlosspark hast du 100 Prozent richtig gesessen!! Da gings mir echt schlecht!!) Ab Km 30, bei nun relativ konstantem Tempo von ca. 5:30min pro Km begann dann wieder meine Rechnerei, aber diesmal positiv, da ich noch langsamer hätte werden können, um unter 10h zu finishen. Ich wurde aber nicht mehr wesentlich langsamer und so wusste ich ab Km 35, dass eigentlich nichts mehr schief gehen kann! Auf den letzten 2Km bereitete ich mich vor von der Strecke in den Zielkanal abzubiegen und es kamen viele Emotionen in mir hoch, ich musste mir auf der Strandpromenade schon die eine oder andere Träne wegdrücken. Im Ziel brach dann erst ein Ur-Schrei aus mir heraus, als ich auf der Zeitmessung 9:54:26h sah und ein ganzer Kieslaster voller Endorphine ergoss sich in meinen Körper!! Alle Vorbereitung hatte sich ausgezahlt!!! Bis zum Zielschluss war ich am Zielkanal und feuerte gemeinsam mit Johanna und Heino aus unserer Abteilung (die beiden waren in einer unserer Staffeln gestartet) die letzten Finisher an. Hier war der Stadtrat von Glücksburg John Witt mehr als beeindruckend. Er lief nach 14:58h ins Ziel und das mit einem dreifach gebrochenen Ellenbogen, den er sich vor mehreren Wochen zugezogen hatte. Er startet seit mittlerweile 8 Jahren beim Ostseeman und wollte diese Serie nicht brechen. Das Ganze funktionierte nur mit Schmerzmitteln und guten Orthopäden, die Ihm die richtigen Schienen anfertigten, damit er sich irgendwie über die Distanzen quälen konnte! Das war dann auch zusammen mit dem Abschlussfeuerwerk ein hervorragendes und Stimmungsvolles Ende eines absolut tollen Tages!

10 Gedanken zu „Was für ein Tag! – Torben beim Ostseeman

  1. Glückwunsch Rakete!
    mehr als beeindruckend was du da abgeliefert hast. War schön dich mal wieder zutreffen. Hast du den Ostseeman 2013 schon geplant?
    lg Larsen

    • Ja, ab auf die Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer, da gibts nen Marathon mit 120 Laufrunden… :-)))

      Danke für die Glückwünsche!!

  2. Glückwunsch Torben! Ich bin ja bloß hinterhergelaufen 😉 und das hat mir auch schon gereicht, aber unter 10 zu laufen und dabei auf der Laufstrecke auch noch so frisch zu wirken lässt mit nur grinsend den Kopf schütteln 🙂 Gute Erholung!

    • Danke!! Es hat wie in 2009 einfach alles gepasst! Allerdings war das frische Aussehen ab spätestens Km20 eher aufgesetzt. Immer frei nach dem Motto: Poooosen ist alles…. 😉

  3. lieber torben !

    der name rakete ist wirklich passend. wir hatten eine menge spass in glücksburg. ich freue mich schon auf roth mit dem „dreckigen Dutzend“!?

    nochmals gratulation und jetzt füsse hoch!
    teddy

  4. Hallo Torben, nach dem persönlichen Glückwunsch im Zielbereich, hier Selbes noch mal schriftlich! Deine Geschichte klingt absolut nachvollziehbar (für die, die jemals ne Langdistanz geschafft haben) und total menschlich. Du hast es geschrieben, wie Du es wirklich erlebt hast! Im nächsten Jahr starte ich in Deinem Schatten, aber zuvor geht´s dann wirklich auf die Insel (und nach Roth natürlich). So, nun genieß Deinen Erfolg!

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