Sunset and Clearwater – Julia in Florida

Saison-Hightlight: Ironman 70.3 in Florida/Clearwater


Ich befinde mich jetzt in der wohlverdienten Pause und schwelge in Erinnerungen.

Ich kann es kaum glauben, dass ich vor kurzem noch bei 26 Grad in einem kurzen Anzug einen Wettkampf bestritten habe.

Der typisch braungebrannte Rand der Radhose am Oberschenkel erinnert mich jeden Morgen daran.

Aber jetzt mal von vorne.

Nach meiner Qualifikation in Wiesenbaden (siehe Bericht im September)

stand fest: Ich will dahin! Nur wie?

Nach ein paar Telefonaten mit Hannes Tours war klar, dass ich doch lieber mit dem Schweizer Pondon reisen möchte.

Eitziger Team war mir von Anfang an sehr sympatisch und so war schnell die Reise gebucht.

Und mit im Gepäck: Anja aus Wiesbaden!

Nach ein paar Trainings- Motivationsproblemen im Oktober (naja, nicht sehr leicht, wenn alle Pause machen und man sich selber davon überzeugen muss, wie toll es doch ist, im ströhmenden Regen im Dunkeln laufen zu gehen) ging es dann am 06.11. los.

Start in Frankfurt.

Abflug nach Chicago und anschliessend nach Tampa in Florida.

Nach einer unfreiwilligen Übernachtung in Chicago durch den verpassten Anschlussflug erreichten wir ziemlich übermüdet Clearwater Beach.

Die Müdigkeit war schnell verflogen.

Der tolle Empfang des Eitzinger Teams und vorallendingen: Palmen, Meer, weisser Strand und Sonne.

Meine Augen waren von der Helligkeit und den ersten Eindrücken schier überfordert.

Anja und ich beschlossen eine erste Laufeinheit am Strand zu machen.

Was für ein Start in eine unvergessliche Woche. Ich glaube, so einen Sonnenuntergang habe ich noch nie erlebt.

Die darauf folgenden Tage waren eine Mischung aus Urlaub, leichtes Training, Ausruhen und Geniessen. Jeder Tag kam mir wie 48 Stunden vor.

Morgendliches Training im Meer lies meine Angst vor dem Schwimmstart im Wettkampf verfliegen.

Also besser konnte es nicht kommen.

Die gesamte Stimmung im Schweizer Team war toll, naja, bei dem Himmel fällt das nicht besonders schwer.

Von gemeinsamen Schwimmtraining, Lauftraining, bis hin zur Besichtigung der Lauf und Radstrecke war alles gut durchorganisiert.

Zwei Tage vor dem Wettkampf wurde die Expo eröffnet.

Der Ort wurde nach und nach durch Triathleten eingenommen und Wettkampfluft machte sich breit.

Auf zur Akkreditierung.

Am Abend gab es das obligatorische Pastaessen.

Der Shuttleservice brachte uns zum Ort des Geschehens. Nein, nicht in eine olle Messehalle o.ä….ich traute meinen Augen kaum.

Das Athleten-Dinner fand direkt im Sonnengang am Strand statt.

Was für eine Atmosphäre….!!!

Am Tag vor dem Wettkampf ging es zum Einchecken des Equipments in die Wechselzone. Wie auch schon in Wiesbaden, gab es wieder das Beutelsystem. Blauer Beutel für Radsachen und roter Beutel für die Laufsachen.

Bloss nichts vergessen. Allerdings war bei dem Klima klamottentechnisch an gar nicht so viel zu denken.

Genug Gels und Riegel schmückten mein Rad.

In der Wechselzone angekommen sah ich den amtierenden Weltmeister der sich freudestrahlend für ein kurzes Foto bereit erklärte.

Michael Raelert wirkte sehr entspannt und wir plauderten sogar ein bisschen über die schöne Stadt HamburgJ.

Der Wettkampftag

WECKER-Klingeln um 5:15 Uhr.

Überall auf den Strassen waren schon Athleten mit Neos in Badelatschen unterwegs.
Schnell angezogen, ohne Nutella-Brot geht gar nichts!

Ich merkte daran, dass ich nichts mehr wieder fand, dass ich wohl doch sehr nervös war. WO WAR DENN BLOSS MEINE UHR?
Erstmal rasch zum Ort des Geschehens! Notfalls muss ich mein Fahrradtacho mit auf die Laufstrecke nehmen….

Anja peste wieder ins Hotelzimmer, während ich versuchte mein Rad durch zu checken.
Der rettende Ruf: Ich habe SIE! Gut…dann konnte doch nichts mehr schief gehen.

Kaum vorstellbar, dass es bald den ersten Wettkampf-Profi-Startschuss geben sollte. Es war noch ziemlich dunkel, aber eine tolle Wettkampfkulisse….dann ging die Sonne auf!

Ab zum Strand..und rein in den NEO!

30 Sekunden vor meinem Startschuss….! Der erfolgte um PUNKT 7:20Uhr….

Die 1,9 km Schwimmstrecke war durch grosse Bojen gut gekennzeichnet. Trotzdem war es sehr anstrengend, seinen Weg zu finden. Nicht nur die vielen Füsse, die ich im Gesicht hatte, sondern auch
der ordentliche Wellengang machte es mir schwer, einen Rhythmus zu finden. Ich habe irgendwann aufgehört, die Salzwasser-Schlucke zu zählen.
Nach 37min war es geschafft.
Raus über den Strand ging es durch eine grosse Duschwand. Kurz danach brüllte mich eine kleine Helferin an: SIT DOWN!!!
Meinen Blick hätte ich gerne gesehen, aber der Befehlston war so eindeutig dass ich gefühlte 1,5 Sek. später unten am Boden sass.
Einer hielt mich fest, zwei andere Helfer zogen mir in Windeseile den Neoprenanzug von den Füssen. Ich konnte gar nicht so schnell gucken und meine Sorge dass meine Leihgabe
kaputt gehen könnte, fand in dieser Schnelle keinen Platz.
Los ging es zu meinem Radbeutel…Nummer 798 war schnell gefunden! Auch dort wieder unzählige Helfer!
Schnell umgezogen, Rad gesucht und gefunden ging es auf die Radstrecke….

Die 90 km Radstrecke war nach Wiesbaden und dem Taunus nicht durch das Streckenprofil anspruchsvoll. Eher durch das Windschatten-Pulkfahren, was ja eigentlich verboten ist.
Schnell rasten grosse Gruppen an mir vorbei. 40 km/h auf meinem Tacho war da keine Seltenheit.
Die Wettkampfrichter hatten viel zu tun, aber man kann ja nicht gleich 30 Leute ermahnen oder disqualifizieren.
Einmal habe ich auch versucht, an einer Gruppe dran zu bleiben. Aber die Gefahr in einen Unfall verwickelt zu werden, war mir zu gross und so fand ich meinen eigenen Platz. Mit gesunden Abstand zu anderen Fahrern.
Nach 30km fühlte ich mich wohl…und merkte den Unterschied, neue Laufräder zu fahren.

Nach 2:30 Std kam ich heil und glücklich in die Wechselzone! Was für eine Radstrecke…..in dieser Atmosphäre!

Der Wechsel zum Laufen ging ziemlich gut…allerdings kam dann der kleine Einbruch. Obwohl ich mich nach dem Rad noch so gut gefühlt habe, kam ich schlecht ins Laufen rein.
Nach relativ kurzer Zeit hatte ich Seitenstiche, die ich durchs Atmen schlecht in den Griff bekam.
Beim ersten Überqueren der Brücke sah ich Anja und die Eitzinger Gruppe…
Alle schrien mir zu.
Ich versuchte mich zu motivieren, aber wenn ich ehrlich bin, fiel mir das sehr schwer. Als mich dann so viele Frauen meiner AK überholten, sank mein Kampfgeist…..was war denn da los???

Ich guckte auf meine Uhr und sah, dass ich mit einem guten Lauf die 5 Stunden Marke knacken konnte. Psychologisch war das nicht ganz so gut, weil ich einfach nicht schneller konnte und ich mich selber unter Druck setzte.
Nach 5 km und unzähligen Wasserbechern über Kopf und Körper wurde es nach und nach etwas besser.

Das zweite Mal überquerte ich die Brücke und wieder sah ich meine Gruppe. Sie gaben alles.
Es wurde abgeklatscht..und Anja rief mir motivierende Worte zu!

Erstmal ging es jetzt zurück zur Wechselzone. Und dann in Runde zwei. An der Wechselzone befand sich auch der Zieleinlauf und in dieser Stimmung bekam ich das erste Mal Gänsehaut.
Aber erstmal zurück wieder über die Brücke.
Ich beschloss zwei Gels zu nehmen. Ich spekulierte auf einen Zuckerschock:-)
Und wirklich: es wurde immer besser und leichtfüssiger!

Ein Blinzeln auf die Uhr sagte mir dass die 5 Stunden Marke unrealistisch wurde und so nahm ich das Tempo etwas raus und fing an die letzten 5 km zu geniessen.

Das Ziel rückte immer näher…..und beim Einlaufen hatte ich feuchte Augen!
Nach 5 Stunden und 4 MInuten hatte ich es geschafft!!!

GEFINISHED…lag ich glücklich in Anjas Armen! W O W!!!

Abends ging es dann zum DINNER…..! Wieder in dieser Kulisse!

Und einem neuen(alten) Weltmeister: Michael Raelert.
EINE UNVERGESSLICHE WOCHE…MIT EINEM TOLLEN SCHWEIZER EITZINGER-TEAM!

UND DANKE AN DIE TOLLE UNTERSTÜTZUNG VON ANJA…….M-Dot!

7 Gedanken zu „Sunset and Clearwater – Julia in Florida

  1. Noch mal meinen Glückwunsch!
    Die Bilder hab ich aus Anjas Blog (http://triabolo.blogspot.com/) geklaut,den ich wirklich ab und zu mal lese – Gruss nach Wiesbaden!
    Wenn ich Julias Bilder aus dem Bericht raus und hier rein kriege wird ergänzt.

    glückliche Frauen, weisser Strand und klares Wasser – und ich steh im Schneematsch…
    lg Larsen

  2. Sehr schöner Bericht in dieser tristen Zeit, macht Lust auf: „da will ich auch mitmachen“ und dann auch noch dies super Ergebnis von gut 5 Stunden – Glückwunsch!!!

  3. Moin Julia, toller Bericht – macht warm und glücklich – und tolle Leistung. Lass Dich von den Erinnerungen gut durch den Winter tragen.
    Fröhliche Grüße
    Søan

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