IRONMAN HAMBURG – Fluch oder Segen für unseren Sport in der Hansestadt?

1Am 15. September war es dann endlich soweit: Die Stadt und der Veranstalter Ironman luden kurzfristig zur Pressekonferenz in die Handelskammer ein. Das Thema sollte ein „wichtiges Zukunftsprojekt zum Thema Sport in Hamburg“ sein. Klar wusste jede Triathletin und jeder Triathlet was gemeint war – Der Ironman in Hamburg würde verkündet werden. 

Ein Bericht / Kommentar von Mick Dreeßen

Was war die Vorgeschichte: Mitte Januar erschien ein Artikel im Hamburger Abendblatt, dass der Ironman Frankfurt nach Hamburg „umziehen“ solle. Demnach würde in Hamburg ab 2017 die Europameisterschaft der Marke Ironman nicht mehr länger an der Main-Metropole, sondern an der Elbe stattfinden. Die Gelder stünden zur Verfügung und nach der verpassten Olympiabewerbung wolle man nun wieder in die Marke „Sportstadt Hamburg“ investieren.

Der Verkauf der Lagardère Unlimited Events-Gruppe würde diesen Deal möglich machen. Der Veranstalter des ITU Hamburg, der sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreut und was Start- und Zuschauerzahlen angeht Weltrekordhalter ist, gehört seit der 700 Millionen teuren Übernahme Ende 2015 der chinesische Dalian Wanda Group, ebenso wie die Marke IRONMAN.

Nach diesem ersten Gerücht hüllten sich alle Parteien in Schweigen. Wer gedacht hatte, dass IRONMAN pünktlich zum ITU Triathlon Hamburg im Juli die Bombe platzen lassen würde, sah sich getäuscht. Lediglich Sportsenator Grote bekräftigte dem NDR gegenüber zum ITU Wochenende sein Vorhaben einen IRONMAN über die Langdistanz nach Hamburg zu holen.

Die Gerüchteküche brodelte. Was hält den SPD-Senator ab, konkreter zu werden? Ärger mit der Stadt oder Stadtteilen, Auflagen, Verhandlungen mit IRONMAN? Wird es doch nur ein 70.3 oder kann der Wettbewerb frühstens 2018 stattfinden? Wird er im Juni, Juli, August oder September stattfinden? Wird man sich zwischen Cyclassics und Ironman entscheiden müssen? Wird er 500, 600 oder 800 Euro kosten und was wird aus dem Versprechen die Großevents im dem „Hamburger Format“ stattfinden zu lassen, also Breiten-, Nachwuchs- und Schulsport zu verbinden und gleichzeitig der Spitzenförderung zu dienen?

Intern wurde bekannt, dass der Hamburger Triathlonverband in keinster Weise in die Planungen mit einbezogen wurde. Zwar stehen anscheinend noch Gespräche mit der Sportsamtleitung aus, aber es deutete vieles darauf hin, dass man von Seiten des Veranstalters und der Stadt bis auf ein eventuelles Rookie-Programm wohl keine Hilfen zwecks Förderung des Breiten und Jugendsports zu erwarten hätte.

2Die Vorzeichen zu der PK am 15.09. waren also gemischt. Die Pressekonferenz startete um 11 Uhr. Moderiert von Ironman Pressesprecher Reinald Achilles betrieb man zunächst mit den Gesprächspartnern Christian Toetzke (Ironman Germany Chef) und Sportsenator Andy Grote eine Nachlese der Olympischen Spiele (also die in Rio 😉 ) und stellte das Standing der Hansestadt in Sachen Sport heraus. Am Ende dieses Spannungsbogens bestätigten dann die Beteiligten, dass am 13. August 2017 der erste Ironman Hamburg über die Langdistanz stattfinden soll. Mmmmhh, war da nicht die Challenge in Regensburg? Anyway. Zunächst sei ein Vertrag über 2 Jahre geschlossen worden, jedoch mit dem festen Willen eine längerfristiger Partnerschaft entstehen zu lassen. Die vorläufige Strecke sieht (ähnlich wie beim ITU) 3,8 Km durch die Binnen- und Außenalster inklusive eines Landganges vor. Weiter geht es durch den Hafen über eine 90 Km lange Radrunde, die zweimal befahren wird. Dadurch fährt man 4 Mal über die Köhlbrandbrücke (2x über die Nord-, 2x über die Südseite). Nach dem Marathon über 4 Runden um die Alster endet der Ironman dann mit dem Zieleinlauf auf dem Rathausplatz.

Nachdem Racedirector Björn Steinmetz erwähnte, am vorangegangenen Tag noch mit dem Präsidenten des Hamburger Triathlonverbandes Herrn Bertling gesprochen zu haben, der sich „sehr über den Ironman Hamburg freue“ (Moment, war da nicht etwas?), stellte er hervor, dass Ironman, genau wie bei den anderen Events, auch in Hamburg mit den heimischen Verband kooperieren werde, denn dieser stelle ja auch die Wettkampfrichter und trüge zur Begeisterung des Sports bei. Auf Rückfrage, wie diese Kooperation denn aussehen könnte, sagte Steinmetz, man werde als größter Einzelgeldgeber sich strikt an die Abgabenordnung halten und wie bei den anderen deutschen Ironman Rennen auch in Hamburg den Verband finanziell unterstützen. Es machte aus Sicht des Autors dieses Artikels den Anschein, als ob sich alle Beteiligten rechtfertigen mussten, da nun auch noch einmal Herr Toetzke den Schülertriathlon und das Rookie Programm für die ITU, wo der Veranstalter mit den Triabolos kooperiert, voranstellte, um ihre Förderung zu unterstreichen. Obwohl Sportsenator Grote etwas verschachtelt geredet hatte (sorry, war meine erste PK und ich verstehe nicht so gut politisch) stellte er klar, dass die Stadt die sportliche Infrastruktur verbessern wolle, so wie auch im Masterplan Active City beschlossen. Aber, man könne mit solch einem Event überwiegend nur Impulse geben – die Hauptverantwortung würde in den Händen der Vereine liegen.

Was bleibt nun? Ist der Ironman Fluch oder Segen für die Sportstadt Hamburg? Zunächst bleibt abzuwarten, ob die Forderung für Großsportevents nach einer Vereinbarung für Nachwuchs- und Breitensport mit einem klaren Bekenntnis zur Nachhaltigkeit durch den Ironman erfüllt werden kann. Nach den eher schlechten Erfahrungen mit dem ITU könnte man mit Björn Steinmetz, den ehemaligen Präsidenten des baden-württembergischen Triathlonverbandes jemanden haben, der eher auf den Hamburger Triathlonverband zugehen könnte, als dies bisher der Fall war.

Was bedeutet das für uns? Nun, es ist damit zu rechnen, dass auch wir die Euphorie, die diese Ankündigung mit sich bringen wird anhand deutlich steigender Mitgliederzahlen zu spüren bekommen werden. Daran ist zunächst nichts einzuwenden, aber diverse Fragen bleiben: Werden wir genug Trainingsmöglichkeiten anbieten können, wenn es immer weniger Sporthallen gibt und schon unser Athletiktraining irgendwo „dazwischen-gequetscht“ werden muss, um überhaupt noch stattzufinden? By the way: Keep up the fight, Kathi! :-* Werden wir genug Bahnen für unser Schwimmtrainingseinheiten bekommen, wenn auch andere Triathlonvereine wachsen und ihre Bedarfe anmelden?

Die letzte Frage ist, dürfen wir uns als St. Paulianerinnen und St. Paulianer auf den Ironman Hamburg freuen? Nun, dass ist aus Sicht des Schreiberlings die schwierigste Frage und es gibt innerhalb der Mitgliedschaft mehrere Antworten hierzu. Ne Großveranstaltung, die 520 Euro kostet? Das klinkt erst einmal nicht nach St. Pauli. Fairerweise sollte man aber sagen, dass dies im Moment der Standard für Ironman Rennen in Europa ist und weil er vor unserer Haustür stattfindet erübrigen sich Anfahrts- und Übernachtungskosten. Die Abteilung hat sich einmal gegründet, um einen Gegenentwurf darzustellen. Mit unserem Stadtparktriathlon und unserem (critical) X-Mas(s) Run zeigen wir nun seit mehreren Jahren, wie wir uns Triathlon und Laufwettbewerbe für Jederfrau und Jedermann vorstellen. Sei es mit fairen Startgelder, lokalem Bio-Obst oder fair gehandelte Baumwollstarterbeutel. Triathlon für alle – nicht: Triathlon ist das neue Golf! Und trotzdem, man darf sich (aus Sicht des Kommuwartes) freuen, dass Hamburg nun endgültig zur Triathlon Hauptstadt des Planeten Erde werden wird. Viele braun-weiße Triathletinnen und Triathleten werden auf der Strecke von frenetisch anfeuernden Triathletinnen und Triathleten neben der Strecke ins Ziel auf dem Rathausmarkt gepeitscht werden. Doch wie sagte der Onkel von Peter „Spiderman“ Parker so schön: „Mit großer Macht, kommt auch große Verantwortung.“ Wir werden als Abteilung alles in unserer Macht mögliche tun, um diese für die Zukunft gut aufzustellen, hoffen aber auch, dass Veranstalter und Stadt sich auch der Verantwortung stellen, den Dreikampf-Sport in der Hauptstadt des Triathlon zu fördern … und nicht nur an ihm zu verdienen.

3 Gedanken zu „IRONMAN HAMBURG – Fluch oder Segen für unseren Sport in der Hansestadt?

  1. …schön zusammengefasst. Mir bleiben vor allem zwei Punkte vor Augen: „wolle man nun wieder in die Marke „Sportstadt Hamburg“ investieren.“ Genau diese Politik um die „Marke Hamburg“ hat mir als Einwohner bis jetzt nicht soviel gebracht, ist genauso wie das ständige sonnen in der Hamburger Kulturlandschaft ohne wirklich zu unterstützen…die Förderung der Privattheater und ähnlicher Institutionen ist ein ständiger Kampf,
    aber was erzähl ich da einem Pädagogen (sieht in dem Bereich auch nicht besser aus).
    Das andere: „Fairerweise sollte man aber sagen, dass dies (520€) im Moment der Standard für Ironman Rennen in Europa ist“ ist auch ein Kernpunkt, da möchte bitte jeder selbst reflektieren was er bereit ist zu zahlen…beim ITU starte ich aus ähnlichen Grund nicht mehr. Solange ihr bereit seid diese Preise zu zahlen wird sich so schnell nichts ändern.
    Auch wenn es zuerst reizvoll klingt wird dieses und auch andere Rennen ohne mich stattfinden.
    Beste Grüsse Larsen

  2. Ist zwar schnuppe und kümmert wahrscheinlich niemand, aber wenn ich das richtig gelesen habe, ist der preiswerteste Einstieg für Teilnehmer Euro 561,60 (nicht 520 wie oben geschrieben). Der Veranstalter erhebt 8% „Active Gebühr“ – vermutlich wettbewerbswidrig.

    Image ist alles – und so wird der IM ein finanzieller Erfolg werden. Kann man dem Veranstalter schwerlich vorwerfen.

  3. Ich bin froh, daß mein Verein (in dem ich ja nur noch passiver Sporttreibender bin) nicht in das allgemeine „hurra“ und „Jubel“ mit einstimmt. Danke Dafür!

    In Mikes Beitrag wurde der Terminkonflikt mit der Challenge Regensburg ja schon angeschnitten. Das haben die IM Betreiber sicher ganz bewusst gemacht, um dem ungeliebten Wettbwerber die Möglichkeit zu nehmen, neben Roth noch ein zweites Standbein in Deutschland aufzubauen. Für uns eher „low budget“ Triathleten wird das nicht so schwer wiegen, da Challenge ja in der gleichen Preisliga wie IM spielt.
    Ob der Terminkonflikt mit dem Ostseeman oder dem Thor-Beah Triathlon in Dänemark auch gewollt ist, wage ich nicht zu beurteilen. Kosten wird es beiden sehr schönen und deutlich mehr den St. Pauli Prinzipien entsprechenden Wettkämpfen aber sicher viele Teilnehmer. Schade drum!
    Wie Lars schon geschrieben hat, es muss jeder für sich entscheiden an welchem Wettkampf er teilnimmt….

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