Inferno Triathlon 2013

Ich liebe Triathlon. Diese Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen ist meine Leidenschaft. Nur leider habe ich zwei Probleme.

Zum Einen mache ich Triathlon nicht primär um fit, gesund und schlank zu bleiben. Das sind schöne Nebeneffekte, aber eigentlich geht es mir um das Austesten meiner körperlichen Grenzen. Ich möchte ganz einfach wissen zu was mein Körper in der Lage ist. Zum Anderen mache ich gerne Wettkämpfe. So weit so gut und nicht unbedingt überraschend. Nur leider reizen mich die meisten Wettkämpfe einfach nicht. Spätestens nach der Langdistanz in Köln bei der ich mich schon beim Schwimmen gelangweilt habe, später kämpfen musste ob der Einöde nicht vom Rad zu fallen und beim Laufen einfach nur noch ins Ziel wollte, habe ich mir geschworen nur noch Wettkämpfe mit reizvollen Strecken zu machen. Das heißt möglichst wenig bis gar keine Runden, erst recht keine Wendepunktstrecken und möglichst schöne Landschaften. Da reduziert sich die Anzahl der infrage kommenden Wettkämpfe natürlich erheblich. Und so kommt es also, dass ich bei Wettkämpfen starte die sich Ultra-Trail nennen oder so einen klangvollen Namen wie „Inferno Triathlon“ tragen.

Letzterer findet jedes Jahr im August in der Schweiz statt. Und beim Stichwort Schweiz kann sich jede*r gleich denken, da wird es wohl etwas rauf und runter gehen. Mir war selbiges auch bewusst als ich mich angemeldet habe. Nur was die insgesamt 5.500m Steigungen wirklich bedeuten, sollte ich erst im Wettkampf selbst erfahren. Neben den Höhenmetern hat der Inferno aber noch eine weitere Besonderheit. Denn nach 3,1 km Schwimmen und 97km Radfahren mit dem Rennrad geht es nicht etwa direkt zum Laufen. Nein das wäre ja auch viel zu einfach. Beim Inferno hat man einfach noch 30km Mountainbike fahren eingeschoben, bevor der 25km lange Abschlusslauf kommt.

Folglich ergibt sich beim Inferno noch ein weiterer Wettkampf. Der mit der Logistik. Es ist ja so oft schon nicht einfach sämtliches Gepäck zu transportieren. Wenn nun aber neben dem Rennrad noch das MTB mit soll, dann wirds recht eng im Auto (ohne Dachgepäckträger und mit Hund im Kofferraum). Und so entschied ich mich dafür das alte MTB in HH zu lassen und lieber vor Ort ein MTB auszuleihen. Das ging auch überraschend reibungslos. Einfach ne Mail an den örtlichen Radverleih (imboden bike) geschickt und vor Ort ein wirklich klasse Rad bekommen. Das Fully von Spezialized noch zusammen mit dem Radmechaniker optimal auf mich eingestellt und zum Spezial-Preis ausgeliehen.

Am Freitag ging dann der Logistik Wettkampf weiter. Mountainbike, Rennrad und Laufsachen an drei voneinander getrennten und relativ weit entfernten Wechselzonen abgeben und dann rechtzeitig wieder zur Wettkampfbesprechung im autofreien Ort Mürren zu sein. Übrigens ein autofreier Ort? Wie geil ist das denn! Dank der Hilfe von Elli war ich jedenfalls rechtzeitig in Mürren. Bei der Wettkampfbesprechung im großen und ganzen eigentlich nix Neues, sofern Mensch sich mit dem Wettkampf im Vorfeld etwas beschäftigt hat. Nicht so wirklich hat das anscheinend eine Gruppe deutscher Triathlet*innen die vor mir saßen. Diese regten sich derbe auf das die Radstrecke nicht komplett für den Verkehr gesperrt sein wird. Ähm wie verwöhnt sind wir eigentlich mittlerweile? Wenn ich in einer Ferienregion eine 97km lange Einweg-Radstrecke habe, kann ich doch nicht erwarten das die für weniger als 400 Teilnehmer*innen komplett für den Verkehr gesperrt wird. Naja wie dem auch sei, noch eine enttäuschende Pasta gegessen (wer meinte eigentlich zu mir in der Schweiz sei das Essen so toll?) und dann ab ins Zelt schlafen.

Am nächsten Morgen war es dann so weit. Ich verzichtete auf den Shuttle Bus und ließ mich von Elli zum Schwimmstart fahren. In der Dunkelheit schlüpfte ich in meinen schwarzen Neopren und fieberte dem Start entgegen. Ich mag ja diesen Augenblick, diese unvergleichbare Atmosphäre. Du stehst mit ein paar hundert Verrückten an einem See, langsam geht die Sonne auf und alle warten auf den Start. Die Schwimmstrecke beim Inferno ist recht simpel. Es geht einmal quer durch den Thuner See. Orientieren kann man sich an einem beleuchteten Schloss auf der anderen Uferseite. Das Schwimmen lief in Anbetracht meiner fast nicht vorhandenen Trainingskilometer recht gut. Das Wasser war kalt aber wunderbar klar und das komplette Schwimmen lief ohne die übliche Schlägerei ab. DSCN0517

Beim Wechsel zum Radfahren recht viel Zeit verloren, da ich mein Rad schon am Vortag einchecken musste und es keine Möglichkeit gab vor dem Start noch die Wechselzone einzurichten. Nach 300m auf dem Rad begann dann die erste Kletterpartie des Tages. Gut 22km lang ging es von 550 Höhenmeter rauf auf 1200. Danach war mir auch endlich warm. Nach der ersten rasanten Abfahrt des Tages folgten knapp 40 flache Kilometer. Endlich Zeit sich in Ruhe zu verpflegen. Teils war ich so alleine auf der Radstrecke, dass ich dachte ich hätte mich verfahren. Auf der ganzen Radstrecke waren übrigens kaum Autos unterwegs und die paar Autofahrer*innen ließen immer ordentlich Abstand beim überholen. Ein Autofahrer musste aber hupen, welches Länderkennzeichen er hatte könnt ihr euch denken.

Irgendwann war das lockere Pedalieren & Sightseeing vorbei. Es begann ein Anstieg den ich so noch nicht erlebt hatte bzw. gefahren bin. Auf 18km quälte ich mich von 600 rauf auf knapp 2000 Höhenmeter. Mit jedem Radkilometer wurde die Luft dünner und die Sonne brannte zunehmend auf meinen Rücken. Der Schweiß lief in Strömen und teils wurde die Strecke so steil das einige Fahrer*innen abgestiegen sind. Krasse Strecke aber leider geil.

Die Abfahrt vom großen Scheidegg hin zur Wechselzone war dann Adrenalin pur. Auf einer engen, holprigen Straße hing ich ewig auf den Bremsen. Mittendrin musste ich auch mal eine Vollbremsung machen, weil mitten auf der Straße eine ausgewachsene Monster-Bergkuh stand. Froh die Abfahrt überstanden zu haben, wechselte ich aufs Mountainbike, für mich die große Unbekannte in diesen Wettkampf. DSCN0473

Es ging aber erstmal leicht los. Auf Asphalt kletterten wir die ersten Kilometer hoch zum kleinen Scheidegg (der übrigens höher als der große Scheidegg ist). Der Asphalt wurde irgendwann zu Schotter, es lief aber recht gut bei mir. Kurz vor dem Gipfel kam dann der Streckenabschnitt vor dem schon im Wettkampfheft gewarnt wurde. Nur die Besten könnten hier mit dem MTB hochfahren. Das ich nicht dazu zählen würde war mir schon vorher klar und so reihte ich mich in die Schlange der Triathlet*innen ein die ihr Fahrrad die letzten 400m hoch schoben.

Auf dem Gipfel fix die Windweste für die Abfahrt angezogen und nochmal verpflegt. Auf einer Schotterpiste machten die ersten Kilometer bergab richtig Spaß. Ich dachte mir das ist ja technisch gar nicht so anspruchsvoll und begann eine mögliche Ankunftszeit in der Wechselzone hochzurechnen. Aber wie sollte es auch anders sein, irgendwann verließen wir die schöne Schotterpiste und fuhren nun wirklich Off-Road. Über Steinbrocken, Geröll und Wurzeln ging es steil bergab. Streckenweise wurde es so steil das mich das gleiche Schicksal ereilte wie anderen Triathlet*innen auch. Ich musste bergab absteigen und schieben. Echt heftig.

Voller Adrenalin erreichte ich die Wechselzone und machte mich auf zum finalen Anstieg. Nachdem ich nun mit Rennrad und MTB jeweils auf 2000 Höhenmeter war, sollte ich mich zu Fuß von 800 Hm auf den Weg zum Schilthorn mit seinen knapp 3.000 Hm machen. Die ersten 5 Kilometer waren relativ flach und ich verfiel schnell in mein Wohlfühltempo. Dann war der Spaß aber auch schon vorbei und aus laufen wurde wandern. Dafür überwanderte ich nach und nach noch ein paar andere Teilnehmer*innen. An Laufen war aber absolut nicht zu denken. Erst nach knapp 11km wurde es etwas flacher und siehe da ich konnte wieder laufen. Auf ca. 1600hm war die Luft zwar schon spürbar dünner aber ich konnte noch ein paar Kilometer im 5er Schnitt abreißen.

Und das war verdammt wichtig, denn mittlerweile begann der Kampf gegen die Uhr. Beim Inferno Triathlon gibt es auch auf der Laufstrecke mehrere Kontrollpunkte mit Cut-Off Zeiten. Ich erreichte 10min vor der offiziellen Cut-Off Zeit den Kontrollpunkt in Mürren. Endorphin-Ausschüttung pur als hätte ich das Ziel schon erreicht. In Mürren warteten auch Elli und Wilma auf mich und reichten mir Laufpullover, Mütze und neue Laufhose. Ja Umziehen für die letzten 8 Kilometer waren angesagt, denn es ging in hochalpines Terrain. Glücklich den Kontrollpunkt rechtzeitig erreicht zu haben, machte ich mich wieder auf Richtung Schilthorn. Weit sollte ich allerdings nicht mehr kommen.

Mit jedem Schritt wurde die Luft dünner. Nach gut 2km und weiteren 400 Höhenmetern hatte ich extrem starke Kopfschmerzen. Und so setzte ich mich 6km vor dem Ziel auf eine Bank und blickte hoch gen Schilthorn. Nach 20min auf der Bank machte ich einen letzten Versuch weiter zuwandern, bis ich endgültig die Segel strich. Die Beinen sagten ja, die Muskeln sagten weiter, der Verstand sagte nein, die Gesundheit dankte. Leicht deprimiert meldete ich mich an der nächsten Verpflegungsstation ab und wanderte bergab gen Mürren. Am nächsten Morgen sah ich in etwa so aus: 20130815_204245

Was bleibt am Ende? Der schönste und härteste Wettkampf meines Lebens. Eine atemberaubende Landschaft und die beste Radstrecke ever. In ein paar Jahren werde ich sicherlich zur Revanche wieder in die Schweiz fahren. Es bleibt aber auch die Erkenntnis das die Gesundheit eben doch wichtiger ist und ein DNF nur halb so schmerzhaft ist wie gedacht. Mein Dank gilt vor allem Elli die mich begleitet hat und ohne die ich schon bei der ganzen Logistik gescheitert wäre.

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