FC St. Pauli Triathlon – Die ganze Geschichte

Die Gründungsversammlung unserer Abteilung am 15.01.2009 verlief in heiterer, entspannter Atmosphäre (v.l.n.r.: Dirk, Lars, Ariane, Frank, Bodo vom Amateurvorstand)
„Ohne Pause und hintereinander schwimmen, radfahren und laufen? Viel zu anstrengend, nichts für mich…“ Wirklich? Klar, Triathlon ist anstrengend – drei Disziplinen, die jede für sich genommen schon viel Einsatz erfordern. Aber hat man erstmal Blut geleckt, macht der sportliche Dreikampf auch dreimal so viel Spaß! Und wer sich nicht gerade wie ein Fisch im Wasser bewegt, kann diese kleine Ungerechtigkeit der Natur beim Triathlon durch eine solide Tret- und Laufleistung locker wieder wettmachen. Quasi als vierte, mentale Disziplin braucht jede Triathletin und jeder Triathlet allerdings noch Fähigkeiten, ohne die sie/er keine Stadionrunde drehen könnte: Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, Kälte, Hitze oder Regen zu trotzen – im Wettkampf wie im Training.
Und das gelingt um so besser, sobald man als Teil eines Teams gemeinsam mit anderen kämpft und trainiert. Angesichts dieser Kombination von dreifachem Sportspaß und Ausdauerkampf reifte seit längerem eine Idee, die am 15. Januar 2009 verwirklicht wurde: 30 Vereinsmitglieder versammelten sich auf Einladung des Amateurvorstands im neuen Pressekonferenzraum der Südtribüne und gründeten die Triathlonabteilung des FC St. Pauli.
Geschichtliches
Obwohl Triathlon als relativ junger Sport gilt, wurde der Dreikampf vermutlich bereits im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts erfunden – und zwar in Frankreich. Einem Bericht des Magazins L’Auto zufolge fand bei Joinville-le-Pont, Meulan und Poissy südöstlich von Paris seit 1920 jährlich ein Rennen statt, genannt „Les Trois Sports“ (Die drei Sportarten). Der Wettkampf soll aus einem 3-km-Lauf, 12-km-Radrennen und dem Durchschwimmen des Flusses Marne bestanden haben. Ende der 1930er-Jahre ebbte das Interesse an diesem Multisport jedoch wieder ab.
Erst Mitte der 1970er-Jahre erfand man den Dreikampf neu. Zwei Amerikaner organisierten 1974 im kalifonischen San Diego den ersten auch so genannten Triathlon. Die 46 Teilnehmer absolvierten 6 Meilen Laufen (ca. 10 km), 5 Meilen Radfahren (ca. 8 km) und 500 Yards Schwimmen (ca. 0,5 km). Der Wettkampf trug übrigens den Namen „Mission Bay Triathlon“ nach der vor San Diego gelegenen Lagune.
Vier Jahre später, 1978, fand dann auf Hawaii der erste Ironman statt, der bis heute bekannteste und spektakulärste Triathlon-Wettkampf weltweit. Er entstand aus dem Waikiki-Schwimmen im offenen Meer (2,4 Meilen, das sind 3,86 km), dem Rund-um-Oahu-Radrennen (112 Meilen, 180,2 km) – ursprünglich an sich schon eine Zweitagesveranstaltung – sowie dem Honolulu-Marathon (26,2 Meilen, 42,195 km). Die 15 Teilnehmer des ersten Ironman Hawaii starteten am 18. Februar 1978 morgens um sieben Uhr. 11 Stunden, 46 Minuten und 58 Sekunden später hatte Gordon Haller, ein Taxifahrer, als erster „Iron Man“ den Nonstop-Wettbewerb beendet. Nach ihm kamen noch 11 weitere „Finisher“ ins Ziel. Ein Jahr später nahm dann auch die erste „Iron Woman“ teil: Lyn Lemaire, eine Radsportlerin aus Boston.
Ein neuer Trendsport
Der Durchbruch des Dreikampfs ließ in Europa aber noch auf sich warten. Beginnend in den 1980er-Jahren und im Zuge des allgemeinen Fitnesstrends hat er sich inzwischen jedoch auch im Breitensport etabliert. Seit der Olympiade 2000 in Sydney ist Triathlon olympische Disziplin. Laut dem Dachverband, der Deutschen Triathlon Union (DTU), gibt es zurzeit etwa 20.000 Startpassinhaber und etwa 200.000 Breitensportler, die diesen Ausdauersport bei den fast 1.000 Veranstaltungen jährlich allein in Deutschland betreiben: Vom Kinder- und Staffeltriathlon bis hin zur Langdistanz wird für jeden die passende Wettkampfart angeboten.
Der Triathlonsport hat ganz unterschiedliche Distanzen: Der Ironman, auch Langdistanz genannt, besteht – etwas abweichend von den Meilen-Strecken auf Hawaii – aus 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren sowie 42,195 km Laufen. Als halbe Ironman-Distanz unterscheidet sich der „Half-Ironman (70.3)“ mit 1,9 km, 90 km und 21,1 km (zusammen 113 km bzw. 70,3 Meilen) nur leicht von der normalen Mitteldistanz (MD), bei der 2 km geschwommen, 80 km geradelt und 20 km gelaufen wird. Die Kurzdistanz bzw. Olympische Distanz (OD) setzt sich aus 1,5 km, 40 km und 10 km zusammen, bei der Sprintdistanz, auch Volksdistanz oder Jedermanntriathlon genannt, sind immerhin noch 0,5 km, 20 km und 5 km zu bewältigen. Die tatsächlichen Wettkampfstrecken sind oft nicht amtlich vermessen und weichen außer beim Ironman oft von den Standardstrecken ab. Auf allen Distanzen gibt es Staffelwettbewerbe für Männer-, Frauen- und Mixed-Teams, bei denen sich drei Personen die Disziplinen aufteilen.
Ohne Verschnaufspause…
Merkmal eines Triathlonwettkampfs ist das unmittelbare Aufeinanderfolgen der drei Disziplinen – unterbrochen nur von den Wechseln, bei denen sich die Athleten um- bzw. anziehen, während die Zeit weiterläuft – und die damit verbundene Umstellung der Muskulatur auf die jeweilige Sportart. Der abschließende Lauf gilt als der vermeintlich schwierigste Teil, zumal beim Laufen die durch das Radfahren bereits ermüdete Beinmuskulatur strapaziert wird. Gute Triathleten zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Übergänge zwischen den einzelnen Disziplinen so kurz wie möglich halten und so schnell wie möglich den Körper auf die neue Belastung einstellen können. Dazu gibt es spezielle Trainingsformen wie zum Beispiel das Koppeltraining, also die wiederholte Abfolge aus meist Radfahren und Laufen, sowie das Wechseltraining (Umziehen).
Badehose einpacken, sich das Rad schnappen und abschließend noch die Schnürsenkel enger anziehen – fertig ist der Triathlet, könnte man denken! Doch heutzutage werden außer dem eigenen Leistungspotential auch die Themen Ernährung, Training – vital wie mental! – sowie vor allem eine gute Ausrüstung immer wichtiger. Darüber ließen sich jetzt mehrere Bücher schreiben, daher hier nur soviel: Wir Triathletinnen und Triathleten des FC St. Pauli stehen dem Trend zum High-Tech-Austattungswahn im Amateurbereich eher locker gegenüber. Uns ist wichtig, dass wir auch mit weniger kostspieligem und vielleicht nicht immer dem neuesten Equipment Spaß beim Sport haben. Wer mit seinem Alltagsrad unterwegs ist, wird vielleicht nicht Olympiasieger, aber die teuerste Rennmaschine nützt wenig, wenn Kampf und Leidenschaft fehlen.
Bereits in der laufenden Saison 2009 starten viele unserer inzwischen 70 Athletinnen und Athleten aus dem ganzen Bundesgebiet – von Cuxhaven, über Lage bis runter nach Penzberg bei München – im braun-weißen Wettkampfkleid. Unsere Langdistanzler haben sich u.a. beim IronMan Germany, der Europameisterschaft in Frankfurt, beim Challenge Roth Triathlon in Roth und beim OstseeMan in Glücksburg angemeldet. Und am 27. Juni 2009 werden wir mit einem ersten „braun-weißen Massenstart“ beim Vierlanden¬triathlon, dem nach dem CityMan größten Wettkampf in Hamburg, an den Start gehen und das zwei Monate später am 30. August 2009 beim 25. Inseltriathlon in Ratzeburg wiederholen. Geplant sind zudem für diese Saison bereits die ersten Ligateam-Starts.
Auch Duathleten, „Swim&Biker“, Marathonläufer sowie selbstverständlich auch alle „Nur“-Radfahrer sind herzlich eingeladen, bei unseren Trainings oder unserem monatlichen Tria-Stammtisch reinzuschnuppern. Und wer noch nicht schwimmen, radfahren und laufen kann, dem bringen wir’s bei – nur den eigenen inneren Schweinehund muss am Anfang jeder selbst besiegen, ansonsten gilt: „Youl’ll never swim, bike and run alone!“.
(erschienen im „blickpunkt – Mitgliedermagazin des FC St. Pauli“, Ausgabe 1/2009)

(erschienen in „condition“, Ausgabe 07-08/2009)
