Düsseldorf ist braun-weiss in Oceanside/California

Tobias beim Ironman 70.3


2 Tage vor Abflug: Das neu gekaufte Backup Fahrrad aus dem Lieferkarton genommen und auf Vollständigkeit geprüft. Dem aktuellen Fahrrad versucht die Pedale ab zuschrauben, gegoogelt in welche Richtung das richtig geht; Schraubenschlüssel abgebrochen.

1 Tag vor Abflug: In der Mittagspause neuen Schraubenschlüssel gekauft. Von 20 bis 22 Uhr versucht die Pedale zu lösen. Erfolglos. Um 22 Uhr Backup Fahrrad mit Trinkhalter und Tacho ausgestattet und zurück in den Karton! Um 4 Uhr ging es dann nach ca. 3 Std. Schlaf zum Flughafen. Fahrrad als Sondergepäck aufgegeben und es konnte losgehen. Vom Flugzeug aus beobachtet, wie das Sondergepäck verladen wurde (Notiz an mich: Fahrradkoffer kaufen!!!)

Ankunft LA – Fahrradkarton ganz! Den Fahrradkarton auf dem Koffer balancierend dann zum Rent a car shuttle. Mit PKW gestaltete sich das ganze jetzt schon wesentlich einfacher!

Sonntag nach Ankunft: Jetzt find mal in LA (Autostadt!!) einen Fahrradladen, der sonntags geöffnet hat! Gefunden in San Fernando Valley www.bikewarrior.com. Ein gebürtiger Kölner konnte mich mit Schlauch, CO2-Patronen und Ventiladapter ausstatten. Also abends nach Malibu um schön beim Sonnenuntergang am Pacific Coast Highway das Fahrrad einzufahren. Schönen Dank an den Fahrradworkshop, es passte alles! Bis auf den Verkehr, es ist auch an einer Küstenstraße nicht schön, wenn links die Autos mit 100km/h vorbei rasen und rechts die Autos parken!

Tags drauf: Abschluss-Lauftraining auf dem Ocean Front Walk von Santa Monica nach Venice Beach und zurück.

Tags drauf: Abschluss-Schwimmtraining im (renovierten & beheizten) Olympischen Schwimmbecken von 1974!

Wettkampftag: 3 Uhr, der Wecker klingelt; 3:15 Uhr Kontrollanruf aus Deutschland; 3:30 Uhr ins gepackte Auto und 90 Meilen gen Süden; 3:40 Uhr Stau auf einer vierspurigen Autobahn!!! Hinter Downtown hatte sich der Stau aber auch schon wieder aufgelöst. Um 5 Uhr dann in Oceanside angekommen. Auf dem Parkplatz beim Nachbarn noch die Luftpumpe ausgeliehen und das Rad auf vernünftigen Druck gebracht. Vorbereitungen abgeschlossen. Ab in die Wechselzone. Helme und Material wurden hier nicht kontrolliert, nur die Zugangsberechtigung! 80 % der Leute hier machten den Eindruck diese Sportart erfunden zu haben, bei denen jenseits der 50 bin ich mir nicht sicher, ob die vor 30 Jahren nicht auch schon dabei waren. Fahrrad neben der Palme und der Parkuhr abgestellt. Finde ich wieder! Es dämmert. 6:20 Uhr Rennfertig, also mit Anzug, Badekappe, Brille und Chip ging es dann noch mal zum Dixi. Ich habe noch kein anderes Volk gesehen, das so diszipliniert in einer Schlange stehen kann! 6:40 Uhr, die Profis starten, richtig, ohne mich, die brauchen ja auch einen Vorsprung! 7:00 AM 58° Außentemperatur, es ging ins Wasser, kalt, kalt, kalt und salzig. Kaum an der Startlinie angekommen ging es auch schon los. Ohne Kacheln ist es schwer die Spur zu halten, ich schaute immer wieder nach vorne und versuchte wieder nach links zu kommen. Die Strecke macht zudem einen Linksknick und an der Spitzkehre nehmen die Wellen zu. Nach gefühlten 50 Min. kommt der Ausstieg. Unzählige Helfer halfen mir aus dem Wasser und öffneten den Neo! „Keep Going“ leicht gesagt, wenn man bis zu den Oberschenkeln im Wasser steht. Ab auf´s Rad, bei 68° und bedecktem Himmel stand mir eine angenehme Radtour bevor. Auf dem alten Pacific Highway Richtung Norden. Die Betonplatten-Bauweise erinnerte mich an die ersten Besuche in der DDR nach dem Mauerfall. Vorbei an „Dolly Partons Brüsten“, einem Atomkraftwerk betrieben von den Edison Kraftwerken mit einer Sonne im Logo! Die Bauweise des Kraftwerks ergibt sich ja aus dem Spitznamen! Rein ins Landesinnere ins Camp Pendelton. Militärisches Sperrgebiet. Was da an Getier rumläuft, kann es gut mit den Terrarien in Hagenbeck aufnehmen. Ab km 60 kam neues Gefilde auf mich zu. Die Straße lief leicht abschüssig auf ein Hindernis zu. Aber was war es, so etwas hatte ich bei meinem Radtraining in Hamburg und Umgebung noch nie gesehen. Der liebe Gott hatte hier einen Deich von mir bisher ungeahnten Ausmaßen gebaut. Laut Internet heißt so was Berg. Die Geschwindigkeit sinkt rapide auf einstellige Werte. Eine handvoll Leute waren gezwungen abzusteigen, ich aber tat alles um mit dem einbeinigen Mitstreiter mit zu halten. Nach 100 Höhenmetern war der steilste Anstieg der Strecke geschafft! Zurück noch vorbei am Flughafen der Navy – macht Sinn wenn man länger drüber nachdenkt. Transition Area, die Sonne kam raus, der Badeort zeigte sich von seiner besten Seite. Am Strand entlang geht es in die erste Runde, nichts kann mehr schief laufen. Denkste! Nachdem mir das Schoko-Gel in der Wechselzone schon nicht geschmeckt hatte, wurde mir jetzt roter Energie Drink angeboten. Rot vertrage ich nicht, also nur noch Wasser und Banane. Der zweite Teil der Strecke führt parallel zum Strand entlang. Jede Abzweigung zum Meer schickte eine frische Brise vorbei, die ein wenig Abkühlung schafft. Nach zwei Runden und insgesamt 5:59:03 ist es geschafft! Zur Belohnung gibt es eine Mütze, Obst, Wasser, Cola und Pizza!

Ein Gedanke zu „Düsseldorf ist braun-weiss in Oceanside/California

  1. Sehr gut gerockt das Ding 🙂 – Herzlichen Glückwunsch!!! Hoffe die Beine waren danach nicht allzu schwer.

    Grüße
    Markus

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