Des Mammuts neue Kleider

Dies ist ein Bericht aus dem Pleistozän. Ein Bericht von Hoffnung und von Schönheit. Von viel Braun und ein wenig Weiss und von Knochen und der dritten Dimension. Es ein langer Bericht – ein Mammutbericht eben. Niemand muss ihn komplett lesen. Vieles ist fortgeschrittene Mammutkunde für Interessierte und anderes dient der Fixation von Erfahrungen zur Steigerung der Schlauheit in Zukunft. Wen nur das Wesentliche interssiert, der kann direkt zum Ende springen. Wer mehr wissen will, liest weiter. Jedenfalls geht die Geschichte so:

Vor über einem Jahr hat die Triathlonabteilung des FC St. Pauli sich entschieden, ein junges Mammut zu adoptieren. Unbekannterweise: Niemand hatte es bis dahin gesehen, niemand kannte seinen Namen und niemand wusste so recht, was Mammuts überhaupt sind. Und auch heute wissen das nur die wenigsten, obwohl das Tier mittlerweile fast ausgewachsen ist, viel frisst und grosse Haufen und viel Arbeit macht. Klingt komisch? Ist es auch. Denn das alles ist natürlich übertragen gesprochen. In Wirklichkeit geht es gar nicht um Mammuts, sondern um die neuen Wettkampfklamotten für unsere Abteilung. Einteiler, Zeiteiler: ein paar zusammengenähte Stücke elastischen Stoffs, die uns und unsere Mitglieder dann in Szene setzen, wenn Training und Geselligkeit vorbei sind und wir unseren Sport auf die Wettkampfstrecke bringen. Aber weil diesen Klamotten im Laufe der Zeit ein dichtes braunes Fell, Stosszähne und ein Rüssel gewachsen sind, geht’s mittlerweile doch irgendwie um Mammuts. Nicht weil Wettkampfklamotten irgendwas mit Mammuts zu tun hätten. Sondern einfach, weil die Geschichte schöner ist als das, was wirklich passiert ist. Aber jetzt mal wirklich:

Adoption

Am Anfang von allem stand die Abstimmung über das neue Design unserer Abteilungsklamotten. Die meisten von Euch erinnern sich: Es wurden Vorschläge eingereicht, über die die Mitglieder unserer Abteilung abstimmen konnten und am Ende wurde für das gestimmt, was im Folgenden „Röntgendesign“ heissen soll: Ein Design, das den Anschein eines umlaufenden Röntgenbildes gibt, welches – im angezogenen Zustand – etwa den tatsächlich darunter liegenden Knochen entspricht. Eine etwas extravagante Angelegenheit mit dem Ziel, optisch mal „was anderes“ zu machen und mit einem klaren Bezug zum FC St. Pauli, der ja ebenfalls Knochen im Logo trägt. So weit so simpel. Abstimmung beendet, Entscheidung gefällt, los ging’s.

Tria-Body

 

Erste Schritte

Zwar war bereits ein Hersteller für die Produktion der neuen Anzüge vorgesehen, aber nach ersten Gesprächen kamen Zweifel auf, ob dieser unsere Anforderungen würde erfüllen können. Schnell wurde klar: Unsere Designidee ist – verglichen mit „klassichen“ Designs für Triathlonanzüge – alles andere als einfach umzusetzen und erfordert viel Aufwand über das übliche Mass hinaus. Eines der kleineren Probleme (welches mit dem Design noch gar nicht entscheidend zu tun hatte): Trithlonanzüge werden – genau wie Radhosen – insbesondere im Innenbereich der Hosen stark beansprucht, weshalb hier im Sinne der Haltbarkeit ein stabiles Stoffteil aus Lycra eingenäht werden sollte. Dieser Stoff ist nicht bedruckbar, so wie der Rest des Anzuges, sondern in einer bestimmten Farbe durchgefärbt. Je nach Hersteller ist die Anzahl der verfügbaren Farben meist auf wenige Grundfarben begrenzt und nur selten gibt es Braun. Entsprechend wären also entweder Hoseninnenteile mit eingeschränkter Haltbarkeit oder ein farblicher Bruch zwischen dem Braun des Hauptteil des Anzuges und dem Hoseninnenteil hinzunehmen gewesen. Ein weiterer Punkt: Photoartiger Druck in guter Qualität, wie er für die Röntgenknochen nötig ist, ist nicht ganz unproblematisch, denn üblicherweise sind die Druckverfahren auf scharf abgegrenzte farbige Flächen abgestimmt. Schliesslich stellte sich jedoch noch etwas ganz anderes heraus: Üblicherweise wird nur eine Druckvorlage in einer bestimmten Grösse erstellt, die dann für sämtliche Bekleidungsgrössen verwendet wird. Unser Motiv jedoch muss mit der Grösse des Anzuges mitwachsen, bzw. -schrumpfen, da es sonst entweder bei kleineren Grössen beschnitten wäre oder bei grösseren Grössen einen entsprechenden Rand aufweisen würde. Die Summe der zu erwartenden Probleme führte schliesslich zu der Entscheidung, einen anderen Hersteller zu suchen.

 

Herstellersuche

Es begann die Suche nach einem Hersteller, der unsere – nun konkretisierten – Anforderungen möglichst gut erfüllen konnte. Bei den meisten passte irgendetwas nicht und bei einem stellte sich – erst nachdem wir einen kompletten Mustersatz erhalten hatten – heraus, dass alles passte, nur leider der Schnitt der Anzüge nicht. Weiteres hin und her, Hoffnung, Sprachprobleme, Ärgernisse. Schliesslich kamen wir mit Fa. Dowe aus Lauchheim auf der Schwäbischen Alb in Kontakt. Erste Gespräche ergaben: Das klingt alles ziemlich gut. Produktionstechnisch passte eigentlich alles: Skalierter Druck auf die verschiedenen Grössen: Kein Problem. Photoartiger Druck: gerne – Dowes Druckverfahren ist hierauf sogar optimiert. Und es gab es sogar Stoff für die Hoseninnenteile in verschiedenen Brauntönen. Vor allem aber war eine gegenseitige Begeisterung für das Projekt zu erkennen und die Bereitschaft, neben der Spur zu denken und individuell auf undere Anforderungen einzugehen. Erste Musteranzüge bestätigten, dass es sich bei Dowes Anzügen qualitativ um das bislang beste Produkt handelte und so war die Entscheidung schliesslich eindeutig.

 

Druckverfahren

Bevor es weitergeht, hier ein kleiner Exkurs, wie so ein Anzug überhaupt bedruckt wird, denn das ist die Kerntechnologie hinter den Anzügen und wichtig fürs Verständnis dessen, was noch folgt. Dowe setzt für den Druck ein sogenanntes Thermosublimationsverfahren ein. Hierbei wird das Motiv zunächst seitenverkehrt mit einem Grossformat-Tintenstrahldrucker auf ein spezielles Transferpapier gedruckt und dann in einem zweiten Schritt mit Hitze und Druck auf, bzw. in den zu bedruckenden Stoff übertragen. In etwa wie bei Bügelbildchen, nur grösser. Entscheidend für ein optimales Ergebnis sind die Auswahl der Drucktinten und der richtigen Mischung aus Druck und Temperatur für den jeweiligen Stoff. Dowe setzt hier auf ein selbst entwickeltes Verfahren, das – wie bereits erwähnt – nicht nur eine gute Wiedergabe von Photos ermöglicht, sondern auch für einen guten Funktionserhalt der zu bedruckenden Stoffe sorgen soll. Ob das sich das in der Praxis bemerkbar macht, wird sich noch zeigen – klar ist, dass das Ergebnis optisch erstklassig ist. Aber weiter im Text.

 

Knochen

Bislang gab es das Röntgendesign nur in Form eines Entwurfs. Hier vorzugreifen wäre auch nicht sinnvoll gewesen, denn Schnitte und Anforderungen variieren von Hersteller zu Hersteller und das tatsächliche Design muss hierauf abgestimmt sein. An dieser Stelle zeigte sich nun, dass ein Punkt viel schwieriger war, als gedacht: Gute Röntgenbilder aus den benötigten Perspektiven zu bekommen – und zwar solche, auf denen nicht nur Ärzte erkennen, was überhaupt abgebildet ist. Einige Probleme in diesem Zusammenhang: Es werden selten ganze Brustkörbe gesunder Menschen um des Brustkorbs willen geröntgt – meistens geht es um die Weichteile dahinter, und diese sind dann auch auf dem Bild zu sehen. Bilder von Seite und Rücken gibt es fast nie und zusammenpassende Bilder von Front, Seite und Rücken schon gar nicht. Nach einem Besuch einer medizinischen Fachbuchhandlung, dem Durchwühlen verschiedener medizinischer Bilddatenbanken und Rückfrage bei einer Radiologin war dann irgendwann klar: das wird so nichts. Nächste Idee: Rückgriff auf Technik aus dem 21. Jahrhundert. Motto: Was das Mammut in Ice Age kann, kann unseres schon lange, und so begaben wir uns auf die Suche nach Anbietern für 3D-Computergrafiken. Nach einigem Suchen dann ein Aha-Erlebnis: Es gibt Anbieter, die darauf spezialisiert sind, medizinische Illustrationen aus anatomischen 3D-Modellen am Computer zu erstellen. Diese produzieren z.B. sowas wie das Poster eines Kniegelenks, das dann beim Orthopäden an der Wand hängt, damit der einem damit die Vorzüge eines künstlichen Kniegelenks schmackhaft machen kann oder so. Eine erste Anfrage ergab Erfreuliches: Was wir brauchen, ist für die relativ problemlos machbar. Die haben detaillierte 3D-Modelle des menschlichen Skeletts und da eine Art „Röntgenfilter“ drüberzulegen, der die von uns gewünschte Optik erzeugt, geht auch. Einziger Haken: Das ganze ist richtig teuer. Teuer im Sinne von: Zu teuer. Eine der angefragten Firmen jedoch – Fa. Betz aus Berlin – hatte wohl schon viele Kniegelenkposter gemacht, aber noch keinen Triathlonanzug, mochte (vielleicht deswegen) unser Projekt und bot uns an, das ganze zu einem echten Sympathiepreis zu produzieren. Bedingung war lediglich, dass unser Auftrag ohne Priorität „neben der Spur“ produziert wird, sprich: dass wir etwas Geduld haben. Und – was eigentlich selbstverständlich ist – dass Fa. Betz Bilder des fertigen Designs als Referenz auf der eigenen Webseite veröffentlichen darf. Absolut nachvollziehbar, aber leider nicht ganz so einfach wie gedacht. Warum?

Rechte

Wie wohl den meisten bekannt ist, liegen die Verwertungsrechte für so ziemlich alles was offiziell nach St. Pauli aussieht, gar nicht beim Verein selbst und wer irgendetwas mit offiziellen Vereinslogos machen möchte, muss das mit einer dafür zuständigen Stelle innerhalb des Vereins absprechen. In unserem Fall hiess das: um einer dritten Firma – in diesem Fall Fa. Betz – erlauben zu können, die fertige Klamotte, auf der ja die Vereinslogos abgebildet sind, auf ihrer Webseite veröffentlichen zu dürfen (vermuteter geldwerter Vorteil) muss diese Erlaubnis zunächst dort eingeholt werden. Ohne Details nennen zu wollen: Das ganze war schliesslich von Erfolg gekrönt, aber erst einige Tage später brachte ein Anruf bei Viva con Agua – es ging um etwas ganz anderes, nämlich die Frage, wie wir deren Logo auf den Anzügen unterbringen – verloren geglaubte Freude an der Kommunikation innerhalb des Vereins zurück. Nett, unkompliziert, lösungsorientiert. Aber egal, Nebenschauplatz. Jedenfalls stand der Annahme des Angebots von Fa. Betz nun nichts mehr im Weg und wir konnten den Auftrag für die Erstellung der Bilder gegeben.

 

Produktion Knochen

Nachdem einige Wochen für die Produktion der Knochen ins Land gegangen waren, gab es ein erstes Ergebnis. Dieses entsprach leider nicht so recht unseren Vorstellungen. Die Kontraste passten nicht, es sah nicht so richtig nach Röntgen aus und es gab keinen Unterschied zwischen der Front- und der Rückenpartie. Netterweise unternahm Fa. Betz – entgegen der ursprünglichen Abmachung, das ganze auf einen Versuch zu reduzieren – einen zweiten Anlauf und der passte dann umso besser. Mit den fertigen Knochen ging es dann ab zu Dowe, die mit der Umsetzung des Designs auf die Schnittmuster der Anzüge begannen.

Braun

Die ersten Entwürfe sahen vielversprechend aus. Ein wenig hin- und herprobieren, erste Tests mit den auf Papier gedruckten Schnittvorlagen – schliesslich sassen die Knochen da, wo sie hinsollten. Nun stellte sich noch die Frage nach dem richtigen Braunton als Grundfarbe für den Anzug. Klingt trivial, aber ganz so einfach ist es nicht. Einen Hinweis, warum das so ist, liefert Wikipedia: „Die als Braun bezeichneten Töne nehmen einen vergleichsweise großen Bereich in Farbräumen ein“. Konkret heisst das: Es gibt keine eindeutige Festlegung, was Braun überhaupt ist – im Gegenteil: es gibt eine Vielzahl an Farbtönen, die unter die Bezeichnung „Braun“ fallen und diese können irgendetwas zwischen gelblich, rötlich, Ockerfarben, Orange oder grünlich sein. So weit so gut – aber St. Pauli Braun ist doch St. Pauli Braun, oder? Stimmt. Fast. Klar ist: Das sogenannte „Brandbook“ des Vereins – eine Auflistung von Designvorgaben für die Nutzung der Vereinslogos – legt als St.-Pauli-Braun fest: Pantone 476. Das klingt exakt und das ist es auch. Konkret handelt es sich um die Referenznummer einer Farbe – bzw. besser gesagt: eines Farbempfindens, das entsteht, wenn eine – in einem bestimmten Verhältnis aus 14 Basisfarben gemischte – Volltonfarbe im Offsetverfahren auf ein ganz bestimmtes beschichtetes Papier gedruckt wird. Ooookay. Und was steht da zum Druck mit Tintenstrahldruckern auf Triathlonanzüge? Hmm… nichts. Und nun kommen folgende Probleme ins Spiel:

 

Problem Nr. 1: Die Farbwahrnehmung des menschlichen Auges ist hochsensibel und komplex und Farben werden unterschiedlich wahrgenommen – je nachdem, auf was für einen Untergrund sie aufgebracht sind. Eine bestimmte Papierfarbe z.B. sieht auf Recyclingpapier anders aus, als auf Hochglanzpapier und eine bestimmte Stoffarbe sieht auf Baumwolle anders aus als auf Synthetik.

 

Problem Nr. 2: Für die Erzeugung von Farben – sei es auf einem Monitor, einem Drucker oder bei der Herstellung von z.B. Lacken, Wand- oder eben Stofffarben – steht immer nur eine begrenzte Anzahl von Grundfarben zur Verfügung, aus denen auch nur eine begrenzte Anzahl von Farben gemischt werden kann. Ein Tintenstrahldrucker z.B. kann nicht alle Farben erzeugen, die sich aus den 14 Pantone-Grundfarben herstellen lassen und der Monitor, auf dem alles entworfen wird, kann aus seinen Grundfarben Rot, Grün und Blau wiederum andere Farben darstellen und andere nicht.

 

Problem Nr. 3: Beim Mischen von Farben kommt es immer zu Ungenauigkeiten und Abweichungen. Insbesondere bei Monitoren und Druckern sind diese Abweichungen vergleichsweise gross und es ist aufwändig und teuer, diese zu minimieren.

 

Das alles zusammengenommen heisst nun: Wenn man über Farben und ihre Übertragbarkeit zwischen verschiedenen Mischverfahren und Medien redet, muss man berücksichtigen, wo mit welchen Abweichungen wo zu rechnen ist, welche Farben mit welchem Verfahren überhaupt herstellbar und anzeigbar sind und wie man all das derart in Einklang bringt, dass die Farben im fertigen Produkt so aussehen wie gewünscht – ein Vorgang, der zusammengefasst als Farbmanagement bezeichnet wird. Bei uns lag nun folgender Fall vor: Wir haben eine Pantone Farbe als Vorgabe, für unseren Anzug jedoch haben wir es nicht mit Offsetdruck auf Papier zu tun, sondern mit einem mit Stoffarbe durchgefärbten Stoff am Hoseninnenteil und einem anderen Stoff, der mit einem Vierfarb-Tintenstrahldrucker bedruckt wird – wobei das oben beschriebene Transferdruckverfahren eine zusätzliche Farbabweichung verursacht. Ausserdem steht nur eine sehr begrenzte Anzahl an Brauntönen für die Hoseninnenteile zur Verfügung und weder Dowe, noch wir verfügen über farbkalibrierte Monitore, die eine farbverbindliche Absprache anhand von Vorschauen ermöglichen würden. Die Lösung lag schliesslich nicht in einem möglichst ausgefeilten Farbmanagement, sondern in gezielter Komplexitätsreduktion. Nach einigem hin- und herüberlegen setzten sich folgende Feststellungen durch:

 

  1. Die Vorgabe des Brandbooks hilft nicht wirklich weiter und kann ohnehin nicht eingehalten werden, da wir nicht über Offsetdruck reden, sondern über Druck auf Stoff. (1a: Wer sich z.B. einmal die Trikots der St. Pauli Fussballer anschaut, weiss, dass auch deren Designer sich nicht nach dem Brandbook richten, sondern viel eher nach ihrem Geschmack)
  2. Das Braun der Hoseninnenteile und das Braun auf dem Rest des Anzuges müssen farblich möglichst exakt zueinander passen
  3. Aufgrund der erheblichen prinzipiellen Unterschiede bei der Erzeugung der Farben der verschiedenen Stoffteile hilft hier kein Farbmanagement weiter, sondern nur Ausprobieren
Also los. Erster Schritt: Druck eines Farbfächers, sprich: Eines Rasters aus Feldern mit verschiedenen Braun-Nuancen auf dem Stoff, aus dem später der bedruckte Teil des Anzuges besteht. Dann: Abgleich dieser Farbfelder mit Stoffmustern der durchgefärbten Stoffe fürs Hoseninnenteil. Fragestellung: Welche Felder und Muster passen möglichst exakt zusammen, welches Braun gefällt uns am besten? In der Folge standen dann sowohl das Braun des durchgefärbten Stoffes, sowie des bedruckten Teils fest. Viel Aufwand, kurzer Sinn – aber das Braun-Problem war (fürs erste) gelöst und es konnte weitergehen.

Muster

Einige Zeit später waren die Druckvorlagen für ein erstes Anzugmuster fertig. Dieses wurde zügig gefertigt und sah schon mal richtig gut aus – einige von euch haben es auf der letzten Abteilungsversammlung gesehen. Wir nahmen noch einige Anpassungen an der Position und den Kontrasten der Knochen vor und baten um die Verwendung eines höherwertigen Reissverschlusses. Dowe wiederum entschied sich, noch einen neueren Stoff zu testen, um eine Reduktion des Stretcheffekts zu erzielen – das ist der Effekt, der dazu führt, dass der bedruckte Stoff bei Dehnung heller wird. Der neue Stoff brachte tatsächlich eine weitere Optimierung und verlieh dem Anzug einen noch höherwertigen Eindruck, erforderte aber einen erneuten Farbabgleich. Nachdem dieser abgeschlossen war, ging noch eine kleine Musterserie mit allen bestellten Grössen in Druck, um zu testen, ob die Grössenangaben auch für den neuen – etwas festeren – Stoff noch stimmten. Mit den Grössen passte zwar alles, aber mit den Farben nicht – da jedoch die Ursache für das Problem gefunden werden konnte, wurde entschieden, nun die Serie zu drucken.

Schon wieder die Farben

Nun sollte also alles seinen Weg gehen, jedoch wäre dieses ganze Projekt eines Mammuts nicht würdig, wenn nicht doch noch etwas schief gegangen wäre. Was jetzt kommt, dient weniger der technischen Erklärung, als der Vollständigkeit dieses Berichts und ein bisschen auch der Erheiterung. Nachdem der geplante Liefertermin für die Anzugserie verstrichen war, nahmen wir Kontakt mit Dowe auf. Es stellte sich folgendes heraus: Es gab Probleme mit dem Werk, in dem Dowe die Anzüge nähen lässt. In diesem Werk stehen auch die Druckmaschinen für die Stoffbahnen und diese scheinen technisch eine Art Komplettpaket mit dazugehörigem Rechner zur Ansteuerung zu sein. Man mag es glauben oder nicht, aber die von dem Werk stellten plötzlich und unerwartet fest, dass die betreffenden Rechner noch auf Windows XP laufen, dessen Support zum April diesen Jahres beendet wird. Hals über Kopf wurden neue Druckmaschinen angeschafft, was dazu führte, dass das Farbmanagement zwischen Dowe und dem Werk zusammenbrach: was gedruckt wurde, sah farblich komplett anders aus als erwartet. Zum Glück war das Problem bei einem Probedruck bemerkt worden und Dowe arbeitete nun mit Hochdruck daran, eine neue, gültige Farbabstimmung für die neuen Drucker zu erlangen und neue Druckvorlagen zu erstellen. Ein Teil dieser Arbeiten bestand in einem ähnlichen Vorgehen, wie oben bereits erwähnt: Es wurden Muster mit verschiedenen Farbabstufungen gedruckt – diesmal von dem kompletten Anzug -, um sich sozusagen am lebenden Objekt für die passende Variante entscheiden zu können. Stichwort: What you see is what you get! Da letztendlich wir zufrieden sein mussten und nicht Dowe, liessen wir uns diese Farbmuster zuschicken und einigten uns dann mit Dowe auf die gewünschte Variante. Anschliessend konnte das ganze – nach einer eindringlichen Zusicherung seitens Dowe, dass nun nichts mehr schiefgehen kann – erneut in den Druck und genau dort ging es auch schnellstmöglich hin.

 

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Mammutkommunikation

Das ist also der Stand. Wer sich nun fragt, warum er oder sie vieles von alldem zum ersten Mal hört und wie sich das ganze so lange hinziehen konnte: Nun, zum einen hatte neben der Kommunikation und Planung, die für das eigentliche Projekt nötig war, niemand die Zeit, den Fortschritt im Einzelnen öffentlich zu kommunizieren. Niemand von uns macht das ganze professionell und genau das hat natürlich auch Zeit gekostet: Wir haben kein Produkt von der Stange bestellt und sowohl wir als auch Dowe mussten viel ausprobieren und lernen.  In Anbetracht dessen würden wir sogar sagen: das ist alles gar nicht wahnsinnig ausserhalb des Vertretbaren. Natürlich: Alles hätte viel schneller gehen können – wenn das erklärte Ziel gewesen wäre, schnell zu sein. In erster Linie hätte das bedeutet, ein simpleres Design zu machen. Die Intention hinter dem Röntgendesign – und auch unsere Interpretation der dahinter stehenden Mitgliederentscheidung – war jedoch: Wir wollen als Abteilung mal was anderes machen. Langweilig aussehen können die anderen! Und auch sonst hätten wir an vielen Stellen Kompromisse in qualitativer Hinsicht eingehen können – aber auch das schien uns nie im Sinne dessen zu sein, was ihr von uns erwartet. Na ja, und dann hat uns an vielen Stellen auch einfach das Glück gefehlt. Manchmal klappen Dinge besser, manchmal weniger gut und bei diesem Projekt war es einfach so, dass alles, aber auch wirklich alles, immer länger gedauert hat, als gedacht. Auf der Haben-Seite steht aber, dass wir optisch und qualitativ nun einen richtig runden Anzug bekommen, und zwar ohne einem monetären Aufpreis gegenüber dem, was Standard-Anzüge gekostet hätten. Neben dem grössenskalierten Design, den braun durchgefärbten Hoseninnenteilen und dem erheblichen Zeitaufwand für die individuellen Anpassung unseres Designs ist uns Fa. Dowe als Kompensation für verlorene Zeit in vielerlei Hinsicht entgegengekommen. Das schlägt sich nun in dem nieder, was ihr schlussendlich ausgeliefert bekommt. Konkret sind das folgende Features:

  • Die Anzüge sind aus einem der hochwertigsten Stoffe gefertigt, die zur Zeit am Markt sind
  • Die Polster in den Hosen sind nicht einfach nur Polster, sondern eine Weltraumerprobte (haha) Hightech-Sitzgelegenheit
  • Es gibt Rückentaschen, wo eigentlich keine wären,
  • sowie sehr hochwertige Reissverschlüsse und eine „Reissverschlussgarage“
Und da all das zwar cool ist, wir und Dowe ob der doch sehr exzessiven Warterei aber fanden, dass da noch ein bisschen mehr geht, gibt’s darüber hinaus für alle, die in der ersten Runde einen Anzug bestellt haben, eine – wie wir finden – richtig coole Überraschung. Seid gespannt – die Auflösung folgt in den nächsten Jahren (haha, nee Wochen). Ausserdem bleiben der Abteilung die Muster aus der zweiten Probeserie erhalten. Diese sind zwar farblich nicht ganz rund, aber allemal gut genug, um sie bei Bedarf an Mitglieder verleihen zu können und zur Anprobe bereit zu halten. Auch das ist ein nicht unerheblicher Gegenwert.
In der Summe würden wir sagen, dass sich all das Warten zumindest gelohnt hat und hoffen sehr, dass auch ihr das ähnlich sehen könnt. In jedem Fall möchten wir danke sagen für eure Geduld und das Vertrauen, dass sich hinter den Kulissen nicht einfach nur Däumchen gedreht werden. So.

 

Noch was vergessen?

Nö, oder?! Ach so, der Liefertermin! Mal ehrlich, ist denn der überuaupt noch von Interesse, nachdem nun klar geworden sein sollte, dass die Anzüge besser werden, je länger man drauf wartet? Okay, Spass beiseite. Wir wollten, nachdem wir uns selbst seit ca. einem halben Jahr in der Situation befinden, zu glauben, dass die Anzüge nun aber WIRKLICH bald fertig sind, nicht weiter unbegrüdete Hoffnungen in die Welt setzen. Wir haben gewartet, bis wir euch definitive Infos geben können und diese sind nun da: Die Anzüge haben Lauchheim erreicht, sind dort für qualitativ einwandfrei befunden worden und nun per Expressversand auf den Weg zu uns. Das heisst konkret: Die Dinger sind morgen in Hamburg, stehen zum Ligaauftakt am Wochenende zur Verfügung.

Wirklich?

Ja. Wirklich. Wir könnten es selbst kaum glauben, aber haben die sehr begründete Hoffnung, dass nun nichts mehr schief geht. (Update: es ist nichts schiefgegangen, die Anzüge haben Hamburg erreicht und bereits ihren ersten Wettkampfeinsatz bestanden). Nach über einem Jahr ist dieses Projekt tatsächlich vollendet, und zwar – bezogen auf den ersten Ligawettkampf – sogar irgendwie pünktlich. Übertragen gesprochen hat unser Mammut damit quasi das Licht der Welt erblickt, wobei – moment! Geboren war es ja schon, es ist schliesslich ein Adoptivmammut. Sagen wir stattdessen: Es ist in seiner ganzen Braunheit von Süddeutschland Richtung Hamburg marschiert, hat den Elbtunnel durchquert, hat in Bahrenfeld noch mal einen dicken, dicken Haufen gemacht und ist schliesslich am Millerntor angekommen. Dort steht es nun, trötet fröhlich und wartet nun darauf, Kunststückchen von uns beigebracht zu bekommen. Laufen geht schon ganz gut, Schwimmen solala – und Radfahren? Na ja, ihr merkt: Der Vergleich hinkt vorne und hinten. Also jedenfalls kann’s losgehen, wir wünschen euch viel Spass und Erfolg in den neuen Wurstpellen und hoffen auf vollste Zufriedenheit damit. In diesem Sinne: Wie macht das Mammut?

 

Vermutlich Tröööööt!

 

6 Gedanken zu „Des Mammuts neue Kleider

  1. Moin,
    Danke für diesen ausführlichen Exkurs! Ich habe jetzt eine Vorstellung von dem, was Ihr und Dowe da leistet und geleistet habt und ziehe meinen Hut. Und um so mehr freut es mich zu sehen, wie professionell Ihr dieses Thema bearbeitet und – so sieht das wohl aus – gelöst habt. Vielen Dank auch für diesen immensen Zeitaufwand, den Ihr ja freiwillig und ehrenamtlich macht!
    (Dann habe ich doch am Sonntag richtig gesehen, als ich so einen Einteiler bei km 31 durchhuschen sah 🙂 )
    Ich freue mich nun um so mehr auf meinen Einteiler und dass sich die Geduld gelohnt haben soll. Das Teil selbst wird erst gelobt, wenn ich es in den Händen halte 😉
    Fröhliche Grüße

  2. Hey Leute!
    Da ich nicht nur weiß, wie schwierig es ist es den Mitmenschen, was die Bekleidung angeht, etwas recht zu machen, sondern mittlerweile auch jeden Tag auf Röntgenbilder von Gelenken schaue, bin ich mit den Schwierigkeiten vertraut.

    Habe auch den Stress durchleben müssen, bei dem es u.a. um das „richtige“ Braun ging, der uns viel an Energie und leider auch, wegen der entstandenen Streitereien den Verlust an Mitgliedern einbrachte.

    Ich habe zwar gegen den Entwurf gestimmt, werde das Trikot nach dieser Mammutaufgabe gern tragen.

    Das war eine echte Meisterleistung!!!
    Ich bedanke mich für den elefantösen Einsatz von Euch.

    Euch Flyer

    P.S.:
    Ich kenne da einen Ruderclub, der sich jedes Jahr um das richtige Grün für sein Trikot streitet…
    …und dann war da noch das hier:

  3. Hey ich habe meinen Triathlonanzug erhalten und gestern gleich beim Triathlon in Berlin angehabt! Sieht super aus! 🙂
    LG, Anne Marie

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