Der längste Tag des Jahres

Samstagmittag ging es für den großen organisatorischen Kram schonmal raus zum Langener Waldsee. Rad einchecken, eine Runde im See drehen. Sehen und gesehen werden….!!Die Nervosität steigerte sich dadurch zwar etwas, aber insgesamt war ich noch überraschend gelassen. Den Abend verbrachten wir dann ruhig im Garten, es wurde gegrillt, wobei ich mich an Ofenkartoffeln und Salat hielt. Um 22:00h war kollektive Bettruhe angesagt – auch der Jubeltrupp musste ja früh raus. Unfassbare viereinhalb Stunden hab ich fest geschlafen, bevor um 4:00h der Wecker ging. Nach Kaffee und Nutella-Brötchen ging es im Privat-Shuttle zum Mainkai und von dort mit dem offiziellen Shuttle zum See. Mit Limp Bizkit auf den Ohren wurde auch das letzte Fünkchen Müdigkeit in „heute wird ein richtig geiler Tag“-Gefühl umgewandelt.

Nach Ankunft am See noch schnell Rad aufpumpen, Energie-Riegel futtern und sich selbst beruhigen. „Alles wird gut! Wetter ist super! Du hast gut trainiert!“ Schön, dass ich Matthias B. und Thorsten noch getroffen habe. Die beiden Ironman-Veteranen schienen noch etwas lockerer zu sein als ich. Ein bisschen Hektik kam dann auf, als ich meinen support-Block nicht finden konnte, aber noch meinen Rucksack loswerden wollte. Zum Glück habe ich Johanna (mit der ich vor gut 4 Jahren in Bokeloh meinen ersten Triathlon überhaupt bestritt) und Heino getroffen, die sich meiner Habseligkeiten annahmen. Beim letzten Rundgang (oder war es ein Weglaufen?!) habe ich dann erst Beate („Och menno, ich glaube, Matthias steht immer noch am Klo an!“) und dann meine Jubeltruppe getroffen. Konnte also nichts mehr schiefgehen.

5 Minuten vor dem Start begab ich mich langsam ins Wasser und versuchte möglichst am Rand zu bleiben, um der Massenschlägerei im vorderen Feld zu entgehen. Nach dem Startschuss kam ich schnell in meinen Rythmus und die Aufregung war dahin. Bis zu ersten Kurve. Dort wurde es eng und nachdem ein Starter 5-6mal fest an meiner Wade zugepackt hat, reichte es mir und ich trat aus. Daraufhin spürte ich noch einen Griff und schnell war klar: Der Sack hat meinen Chip gemobst. So ein Penner. Beim Landgang nach gut 2km wies ich einen Kampfrichter auf meinen fehlenden Chip hin und beruhigt von der Info: „Kannst dir beim Wechsel aufs Rad einen Ersatzchip holen!“ ging ich auf die zweite Runde. Dabei war ich fasziniert von einem Athleten, der immer 20-30m volles Rohr schwamm, kurz aufhörte, sich orientierte und dann den Propeller wieder anwarf. Leider hat er einmal zu wenig nach vorn geschaut und ist direkt in eine Boje geschwommen. Kurzes Lachen unter Wasser meinerseits.Mit ca. 1:20h ausm Wasser, alles nach Plan. Dann einen schnellen Wechsel hingelegt (trotz Ersatzchip-Beschaffung) und schon war ich aufm Rad, wo ich am Anfang darauf konzentriert war, die Ernährungstipps von Mättz umzusetzen. Bis wir durch Frankfurt durch waren, war Abstandhalten unmöglich, schmale Straßen, viele Schlaglöcher und viele Athleten auf einem Haufen. Das entzerrte sich nach der ersten Steigung etwas und bald darauf sah ich dann auch den ersten St.Paulianer. Überraschenderweise war es Thorsten, der in T1 noch ein Schläfchen eingelegt hatte. Nein, sein Beutel war nicht auffindbar und so dauerte der erste Wechsel knapp 15Minuten. Nach kurzem Plausch zog er davon. Aber schon hatte ich den nächsten Vereinskollegen erblickt: Matthias Heuser hatte es anscheinend noch rechtzeitig zum Klo und von dort ins Wasser geschafft. Das Radfahren war insgesamt ganz gut, wobei die 3 fiesen Steigungen auf der ersten Runde deutlich einfacher zu fahren waren. Bei der Ortsdurchfahrt in Frankfurt kurzer Augenkontakt zu Mirja und Papa und die Gewissheit: Nur noch 80km. Auch die gingen recht zügig rum und mit eiserner Disziplin habe ich mich bis km150 mit fester Nahrung verpflegt und wegen der großen Hitze jeden greifbaren Schwamm dankend aufgenommen und untern Einteiler geklemmt. Nach knapp 6Stunden durfte ich dann meine pannenfreie Fahrt beenden und nach kurzem Boxenstopp auf die Laufstrecke gehen. Nach knapp 1km traute ich meinen Augen kaum: Pete Jacobs, immerhin amtierender Hawaii-Champion ging vor mir. Ein kurzer Klapps auf die Schulter „come on, mate!“ und ich hatte ihn überholt…. Ok, er war bereits auf seiner letzten Runde, aber immerhin zog er auf seinen verbleibenden 9km nicht nochmal an mir vorbei.

Überwältigt von den Menschenmassen am Main fand ich auch beim Laufen recht schnell einen guten Rythmus, musste aber immer wieder an den Verpflegungsständen Tempo rausnehmen, um genug Flüssigkeit auch in den Körper reinzubekommen. Mit dem guten Gefühl, dass alle 5km Freunde und Familie standen und kurz nach der Bändchen-Ausgabe auch Johanna und Heino eisern ihren Posten hielten, freute ich mich auf jede neue Runde. Obwohl der Blick zu Beginn jeder Runde kurz Richtung Römer ging. „Da will ich hin!“ Nach den ersten 2 Runden bestellte ich bei meinem Fanclub alkoholfreies Bier. Der ganze Süßkram ging nicht mehr rein. Die Aussicht auf ein lauwarmes, kohlensäurebefreites Bier trieb mich weiter an und es war tatsächlich das leckerste, was ich bis dahin seit langem getrunken habe. Die letzte Runde musste ich dann ohne persönlichen Support auskommen. Für die tapferen Jubler galt es, sich gute Plätze auf dem Römer zu sichern. Als ich dann das vierte und damit letzte Bändchen bekam, ging alles plötzlich ganz leicht. Euphorisiert, den Tränen nah durfte ich auf die enge Zielgasse einbiegen. Kopfschütteln, dicker Kloß im Hals, Tunnelblick. Immerhin habe ich noch mitbekommen, wie Mike Reilly sagte: „Malte Bannas from Germany – YOU ARE AN IRONMAN!“. Für diesen Moment hat sich alles gelohnt. Direkt hinterm Ziel wartete Mirja, die auch sichtlich erleichtert war, mich gesund und da auch schon wieder ziemlich munter in die Arme nehmen zu können. Mit Thorsten (bereits frisch geduscht) und Kristina habe ich das Rennen dann im Athleten-Dorf noch etwas analysiert, um dann aber auch schnell dem Trubel zu entschwinden.

Ein ganz großes Danke geht an: Mättz, für einen tollen Trainingsplan, motivierende Worte, professionelle Tipps rund um den Wettkampf; Mama&Papa, für´s Dabeisein, Frühaufstehen, Zuhören…; Maike&Sven, für Unterkunft und Begeisterung; allen Interessierten, die diesen Blog und auch den Wettkampf verfolgt haben – und nicht zuletzt: Mirja, für unfassbar viel Toleranz im letzten halben Jahr, gemeinsame Trainingsläufe, beruhigende Worte und für´s Immer-da-sein. Ich liebe dich!

Allen anderen Finishern: Chapeau! und allen, die ihre erste Langdistanz noch vor sich haben: Freut euch drauf – es ist geil!

Euer Rookie Ironman Malte

6 Gedanken zu „Der längste Tag des Jahres

  1. Hey Malte,

    geiler Bericht und für Dich bestimmt ein noch viel geileres Gefühl!!

    Über die Aktion mit dem Chip kann ich nur den Kopf schütteln, dass werd ich mir merken fürs nächste Jahr… Ich dacht vorm Ticker schon, dass Dir etwas passiert wäre! 😉

    Beste Erholung und bis bald

  2. Einfach Klasse…

    Großen Respekt und Bewunderung für eine solche Leistung !!!

    Ich wünschte, ich kann sowas auch irgendwann mal schaffen, 40+ soll dafür keine Entschuldigung sein es nicht irgendwann mal zu versuchen, die schiere Vorstellung bereitet mir aber jetzt schon Angst…

    GANZ GROßEN GLÜCKWUNSCH !!!!!!

  3. Hi Malte, herzlichen Glückwunsch für den Finisher. Respekt. Danke für Deine anschaulichen Infos zum Training und den Wettkampfverlauf.
    Wir sind ja mit der Familie wieder in Glücksburg. Mal sehen wie es da läuft.

  4. Hey Malte,
    hatte auch nie bedenken, das Du nicht ankommst.
    Die Schmerzen werden vergehen, doch der Stolz wird Dir bleiben.
    Habe letztes Jahr das Grinsen für zwei Wochen nicht aus dem Gesicht bekommen.
    Greetz !

    Kay

  5. Hi Malte, toller Bericht und klasse Wettkampf bei diesen hochsommerlichen Temperaturen! Gleich beim 1. Mal mit sub 12 finishen – ganz großes Kino! Geniesse Deinen tollen Erfolg & bis demnächst! Teddy

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