Das ist Wahnsinn…….DAS IST R-O-T-H!!!

2Nach einem regelrechten Stotterschlaf, war es dann um 4:45h soweit: Der längste Sporttag meines Lebens begann!

Ich machte mich langsam fertig und kontrollierte noch einmal meine Sachen. Bevor ich in der Nacht zuvor einschlief, wollte ich noch die Einstellungen bei meinem Garmin Forerunner 305 (die Rolex unter der Museums-Pulsuhren) überprüfen. Doch plötzlich ging Sie nicht mehr an und ich war wieder wach. 🙁 Ein Soft-Reset durch das gleichzeitige Drücken von „Mode“ + „Lap“, erweckte die Pulsuhr wieder zum Leben. Dennoch war der Akku fast wieder leer und musste neu geladen werden. Der Akkustand zeigte am Morgen den vollsten Stand. Den selbigen wollte ich meiner Leber auch zumuten, aber das musste ich mir zuerst verdienen. Also ging es los mit Karsten zur Wechselzone. Dem ging es auch sichtlich nicht blendend. Kotzübel und voller Aufregung erreichten wir den Schwimmstart und checkten schnell unsere Wechselbeutel ein. Da dies nur bis 6:30 möglich war, waren wir auch schon kurz vor 6 Uhr vor Ort. Mein Start war allerdings erst um 7:45h, also hieß es warten. Eine unglaubliche Stimmung. 5000 Triathletinnen und Triathleten, samt Rädern und Ausrüstung, Flutlicht gepaart mit morgendlicher Dämmerung, untermalt von heroischer Musik aus den Lautsprechern. Neben weiteren Durchsagen, Anfeuerungen und Bittgesuche („Ein Teilnehmer sucht noch einen Neoprenanzug!“), sprach die 83-jährige Nonne Schwester Madonna Buder noch ein Gebet. Sie wollte den Ironman finishen was gleichbedeutend wäre mit dem Weltrekord als ältester Mensch, der jemals eine Langdistanz beendete. Dazu später mehr. Während sich alle warm machten und ihre Räder ein letztes Mal überprüften, lag ein Gemisch von Anspannung und Vorfreude, aber auch Stress und Angst in der Luft.

Karsten musste früher ran, also umarmten wir uns und wünschten uns Glück. Das habe ich aber sehr schnell erledigt, denn meine Stimme wurde immer zittriger. Ich kehrte ihm den Rücken, ging durch die Massen von Menschen und ließ meiner Anspannung und meinen Tränen freien Lauf. Ich war einfach von der Umgebung, vor der vor mir stehenden Aufgabe und nicht zuletzt durch die letzten, privat sehr turbulenten Monate, die mich ja auch nicht richtig haben trainieren lassen, überwältigt. Nachdem ich mich einmal kurz hinhocken musste, um alles raus zu lassen, torkelte ich zu meinen Wechselplatz. Fahrrad da, Reifen hart, Carrie is ready to go!

Genug Sentimentalität: Gesicht sauber machen und dann den letzten Angstschiss abseilen!
Kurz danach traf ich noch Eno, Kay, Micha, Matthias und Karsten wieder. Nach und nach zogen wir uns unsere Neoprenanzüge an und nach und nach gingen alle in den Vorstartbereich. Bernd und ich starteten in der 13. und vorletzten, Micha sogar in der letzten Startgruppe. Da waren die um 6:30 gestarteten Profis wahrscheinlich schon auf Radkilometer 30.

7:30 Uhr. Ich zog meinen Neo komplett an, setzte Ohrschutz ein, Nasenklammer an und Schwimmbrille und Badekappe auf. Der nächste Gänsehaut-Moment: Die Helfer bildeten am Schwimmeinstieg ein Spalier, machten Laola-Wellen und Klatschten abwechselnd Applaus. Dann ab ins Wasser und bevor ich mich versah, war auch schon der Kanonenschlag zu vernehmen. Schluss mit Denken, mit der Aufregung, mit der Angst – jetzt hieß es MACHEN!

SchwimmausstiegIch ging es ganz ruhig an. Schließlich hatte ich lediglich einmal eine Distanz von 3,8 Km innerhalb eines Wettkampfes zurückgelegt und das vor 2 Wochen. Links, rechts, atmen, Beinschlag, nach vorne gucken, Bojen ausmachen, nicht zu weit abdriften und das Ufer mit der Hand streichen, Richtung korrigieren, jubelnde Zuschauer wahrnehmen, durch DIE Brücke schwimmen, schnellere Schwimmer nicht im Weg schwimmen, langsamere Schwimmer versuchen zu umschwimmen und dabei darauf achten keinen Arm- oder Beinschlag in die Fresse zu bekommen. Nach 1 Std. und 23 Minuten erreichte ich den Schwimmausstieg. Der Grund weshalb ich das erste Mal mit Ohrschützern schwamm, war der Erfahrung von vor 2 Wochen geschuldet, als ich nach der 3,8 Km Distanz beim Hamburger Freiwasserschwimmen noch für viele Minuten ein sehr starkes Schwindelgefühl verspürte und kaum geradeaus laufen konnte. Ich stieg aus dem Wasser, zog meinen Neo bis zur Hüfte aus und konnte ganz normal laufen ohne das mir schwindelig wurde. Da mein braun-weißer Einteiler jetzt sichtbar war, veranlasste das dem „Stadion…Wechselzonen-Sprecher“ gleich zu der Durchsage: …und auch Mick Dreeßen ist aus dem Wasser. Wir haben ja heute hier schon einige Fans vom FC St. Pauli gesehen”…. Tja, nicht ganz richtig: Wir sind KEINE FANS des FC St. Pauli – WIR SIND SPORTLER DES FC ST. PAULI!!! 🙂

15105_788820127806193_1102056747297230088_n-300x199Ich zog mich in der Wechselzone um und musste mal wieder etwas länger auf den Satelittenkontakt meiner erwähnten Pulsuhr warten, bevor ich zu meinem Fahrradplatz lief, meinen Helm aufzog, es aushängte, aus der Wechselzone schob und lospedalierte wie der Teufel. Doch nach nur 300 Metern sprang mir schon die Kette vom Blatt. Etwas was mir noch 4 Mal passieren sollte. Irgendwie hatte ich wohl mal wieder die Schaltung falsch eingestellt. Die Konsequenz waren ölverschmierte Hände, Lenker, Flaschen und Gesicht. Doch sonst lief es. Schon bald war Edel-Supporter Mic ausgemacht, der mir zujubelte. Nach und nach wurde ersichtlich, dass es ein schwerer Tag werden würde. Einerseits war es hügliger als von mir gedacht, andererseits wurde es immer wärmer und wärmer. Während ich mich schon nach der ersten Kurve auf den sagenumwobenen „Solarer Berg“ freute, versuchte ich der größten Herausforderung gerecht zu werden: Der Wettkampfernährung. Da ich schon bei mehreren Wettkämpfen entweder große Magen-Darm-Schwierigkeiten oder Kreislaufprobleme bekommen hatte, bei denen ich hin und wieder schon fast vom Rad geflogen war, versuchte ich mich gewissenhaft ein meinen Plan zu halten. Dieser beinhaltete 5 Dinge: Eigens gebackene Energieriegel, fruktosefreie Gels und trinken, trinken, trinken. Vor ca. einem Jahr wurde mir eine leichte Fruktoseintoleranz attestiert, weshalb die allermeisten Sportlergetränke, Riegel oder Gels für mich von vornherein nicht in Frage kamen. Deshalb experimentierte ich im Vorwege mit einigen Rezepten. Das für mich Beste fand ich in dem erst kürzlich erschienen Buch „NoMeat Athlete“ wo ein m.E. super Baukastensystem für die individuelle Kreation eines Engieriegels enthalten ist. So backte ich mir ein Blech Riegel bestehend aus gemahlenen Azukibohnen, Ingwer, Leinsamen, Chiasamen, Erdnussmus, Reis- und Hanfproteinpulver. Als Zuckerquelle wich ich vom Rezept ab und verwendete fruktosefreien Reissirup. Davon hatte ich 5 dicke Riegel in meiner Rahmentasche. Zusätzlich klebte ich 5 fruktosefreie „Hammer-Gels“ an meinen Rahmen. Der Plan bestand daraus mir jede halbe Stunde abwechselnd je einen Riegel oder ein Gel mit viel Wasser einzuverleiben und bei jeder Wechselstation mindestens eine Wasserflasche zu tauschen (leer gegen voll).

Radrunden-289x300Dieser Plan ging auf und die erste von zwei 90 Km Runden ging langsam aber sicher zu Ende. 20 Km vor diesem ersten Etappensieg war es dann soweit: Nach einer kleinen Abfahrt und einer Kurve, kam er plötzlich aus heiterem Himmel. Tausende von Menschen und ein großes Banner hießen mich WELCOME TO SOLAR HILL! Der Teil der Strecke, der die weltberühmte Gasse bildet, wo eigentlich nur ein Fahrradfahrer zur gleichen Zeit fahren kann. Begleitet wird man dabei von den schreienden und jubelnden Zuschauern, von denen man den Berg nach oben gepeitscht wird. Dieser Hügel, den ich mit buchstäblich „wei-chen“ (weinen + lachen) Knien hinauf pedalierte, war viel zu schnell vorbei und wenig später hatte ich die erste Radrunde beendet. Ich guckte noch einmal auf die ungefähre Durchschnittsgeschwindigkeit von 31Km/h, bevor mir nach und nach bewusst wurde, dass sich jetzt auf der zweiten Radrunde zu High Noon alles geändert hatte. Die Sonne knallte mit unbarmherziger Kraft uns auf den Buckel und plötzlich wurde das Wasser nicht mehr getrunken, sondern damit überwiegend der vollkommen überhitzten Körper gekühlt, solange es noch kalt war und nicht in den Flaschen kochte. Nach und nach mussten diverse Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Wetterbedingung Tribut zollen. Bei Temperaturen zwischen 32 und 36 Grad Celsius kam es vermehrt zu Unfällen, Krankenwagen überholten oft (das Bayrische Rote Kreuz….wusste gar nicht, dass die ihr eigenes haben…. musste 330 Patienten versorgen) und an fast jeder Ecke, wo ein schattenspendender Baum stand, waren RadfahrerInnen darunter, um sich auszuruhen. Ich überlegte auch mehrere Male, hatte aber Angst dann gar nicht mehr aufs Rad zu steigen. Also fuhr ich weiter.

Nach einer kurzen Schrecksekunde als ich Eno am Straßenrand stehen sah, wurde meine Sorgen aber zunächst zerstreut, als er dann irgendwann hinter mir her rief, ob ich nicht mehr können würde?! Dennoch ließ er schon durchblicken, dass es nur noch sein Ziel sein sollte, sich mit dem Rad in die Wechselzone zu retten und nicht mehr zum abschließenden Marathon anzutreten. Eine mutige, vernünftige Entscheidung eines Ironman-erfahrenen Triathleten, der die Sprache seines Körpers versteht. Dennoch natürlich bitter für ihn. Doch bevor ich mit einem anderen braun-weißen Triathleten fühle, was war mit mir?

Nachdem ich die zweite Runde absolviert hatte, ging es noch ein kurzes Stück von einigen Kilometern zur 2. Wechselzone, auf der man bei der ersten Runde noch nicht entlang gefahren war. Diese zog und zog sich hin. Ich wollte JETZT absteigen und hatte so keinen Bock mehr. Ich ertappte mich dabei, wie ich lauthals schrie und fluchte, warum ich nicht endlich da sein könnte. Dann wurden durch die Zuschauer ersichtlich, dass es wirklich vorbei war. 3,8 Km schwimmen und die härtesten 180 Radkilometer meines Lebens lagen hinter mir. Kurz bevor ich vom Rad abstieg, erblickte ich noch Marv für den ich mit letzter Kraft noch einen Daumen nach oben oder wenigstens zur Seite streckte. Doch das war wohl stark übertrieben, denn als ich im Wechselzelt ankam und mir gleich schon einige Mädels entgegen kamen, um mir beim Umziehen zu helfen, schickte ich sie alle weg. Sie sollten lieber anderen Leuten helfen, da ich mich erst einmal ausruhen musste. Bezeichnend war, dass mit meiner guten Laune auch meine glückbringende Smileybrille beim Beutel-Transport in der Mitte durchgebrochen war. So saß ich wie ein Häufchen Elend auf einer Bank und dachte darüber nach abzubrechen. Sollte und konnte ich jetzt noch wirklich einen Marathon von 42 Kilometern laufen?! Als ich auf dem Boden blickte kam dennoch eine Helferin auf mich zu, nahm einen feuchten Schwamm und wischte mir damit die Wangen und die Stirn ab. Aufgrund der abgesprungenen Kette und der dreckigen Hände hatte ich mir damit ein ölverschmiertes Gesicht beschert. Mütterlich wischte sie mir das Öl weg und sagte: „Das sieht doch dann auf dem Finisher-Foto nicht so schön aus!“ Finisher. Sollte ich wirklich heute noch ein Finisher werden? Ich versuchte meinen Ehrgeiz und meine „Scheiß auf meinen Körper“ Mentalität über Bord zu schmeißen und stattdessen auf genau diesen Körper zu hören. Es tat alles weh, aber „nur“ bzgl. der Anstrengung. Weder schmerzte meine lädierte Wade noch, fühlte ich das mein Kreislauf versagte. Nach Monaten des Herbeisehnens genau dieses Momentes, war er nun da. Ich war hier. Ich hatte 2/3 geschafft. Ich hatte für diese Pein bezahlt! Also zog ich meine selbst bemalte Mütze auf und die Laufschuhe an, bestückte mich noch mit meinen Gels und einer Wasserflasche und lief …oder eher trapte los.

Ich nahm mir vor, die ersten 5 Kilometer durchzulaufen. Schließlich wollte ich mich vor den vielen Leuten nicht lächerlich machen. Dann sah ich wieder Mic der mit mir ein bisschen mit lief und mir versicherte, dass ich mir keine Sorgen machen solle, denn egal was passiert, ich laufe meiner neuen persönlichen Bestzeit auf der Langdistanz entgegen! 😉

Dann passierte ich die Unicef Schilder. Am Vortag hatte mir die Tochter meiner Gastfamilie ein Bild an einem dafür vorgesehenen Messestand gestaltet, was dann mit hunderten von anderen Schildern am Streckenrand postiert wurde. Ich las meinen Namen, sah sogar auch irgendwo das Wort “Sieger” und “Finisher” und wünschte mir so sehr diese Titel zu verdienen. Gut, siegen würde ich heute nicht mehr, da Timo Bracht sich heute schon vor mehreren Stunden den Deutschen Meistertitel geholt hatte, aber ich wollte diese Strecke und diesen Tag besiegen. Außerdem stand nur zwei Schilder hinter meinem eines mit der Aufschrift “Nur der HSV”, was mich zusätzlich anspornte. 😉

Dann ging es am Kanal lang, wo mir auch schon gleich Kay entgegen lief. Ich klatschte ihn ab und sagte ihm, er solle es nach Hause bringen. Kay hatte 20 Km geschafft, ich erst lediglich 4. Es folgten mit Bernd, Karsten und Lokalmatador Harald noch weitere braun-weiße Triathleten. Bei den meisten hatte ich kaum noch Kraft ihnen überhaupt was sagen zu können. Erst als ich Matthias sah und ihn einholte, legte ich eine kurze Gehpause ein. Er hatte Wadenprobleme und außerdem konnte er aufgrund der Hitze kaum Nahrung bei sich behalten. Wir versuchten uns gegenseitig aufzumuntern und trabten wieder an. Matthias hatte weiterhin Schmerzen und fiel zunächst etwas zurück.

Ich lief den Kanal wieder zurück, der Halbmarathon-Marke entgegen. Dann verdunkelte sich der Himmel und Blitze waren am Horizont zu sehen. Nach der Hitzeschlacht auf dem Rad, folgte nun ein Gewitter mit ergiebigen Regen auf der Marathonstrecke. Plötzlich wurden alle Rot-Kreuz Boote vom Wasser gebracht. Da der erste Teil der Laufstrecke am Main-Donau-Kanal entlang führte, wurde die medizinische Betreuung vom Wasser aus übernommen. Doch nun wurde diese nicht mehr sichergestellt. Als es dann schließlich begann zu regnen, wurden zusätzlich auch die Verpflegungsstände abgebaut. Und mit einem ähnlichen Donner wie beim Gewitter über mir, krachte ein Gedanke in meinen Kopf: Was wenn aufgrund des Unwetters das Rennen ABGEBROCHEN wird!?!?!?

Panisch versuchte ich bei den Helfern zu fragen, ob dies möglich wäre, doch keiner konnte mir darauf antworten. Dann schrie jemand hinter mir “Rostock grüßt St.Pauli”. Ein Staffelläufer zollte mir erst Respekt, als er anhand meiner Startnummer sah, dass ich ein Einzelstarter bin, sah dann aber auch die Verzweiflung in meinen Augen. Als ich ihn sagte, dass ich nicht weiß, ob das Rennen abgebrochen wird, sagte er nur: “Ach Quatsch, das reißt schon wieder auf und du läufst bei bestem Wetter über die Ziellinie”. Er sollte recht behalten.

Mehr und mehr ging in nun und konnte kaum einen Kilometer am Stück laufen. Irgendwann überholte mich Matthias wieder und versuchte mir Mut zuzusprechen: “Komm Mick mein Sonnenschein, da geht noch ein bißchen”. Matthias ist an vielem Schuld. Er war es, der mir 2013 an der Ziellinie des Hamburg Triathlons, den eisernen, rothen Floh ins Ohr gesetzt hatte (“Du bist schnell, Mick. Vielleicht solltest du mal ne Langdistanz machen. Morgen um 10Ur ist Registrierung für Roth), er war es, der mir im Trainingslager immer sagte, dass er fest davon überzeugt wäre, dass ich Roth schon packen würde. Der Kreis schloss sich jetzt, als er mir für die letzten 10 Kilometer meiner ersten Langdistanz Mut zusprach und am Wendepunkt mit einem aufmunterten Lächeln registrierte, dass ich wieder angelaufen war. 🙂

Ich trabte der 35 Kilometermarke entgegen, als ich plötzlich aus der Ferne ein “Wir kommen aus dem Norden, wir rauben und wir morden, wir waschen und nie …. St. Pauli” vernahm, was ich mit letzter Kraft mit “Iiiii” beantwortete. Mic und Sebastian kamen mir entgegen und hatten das Unicef Schild dabei. Für die letzten Kilometer fuhren und liefen sie Seit an Seit neben mir und versuchten mich irgendwie über die Ziellinie zu schleppen. Wer weiß, wann oder ob ich überhaupt angekommen wäre, wenn Sie nicht da gewesen wären.

Dann waren wir in der Altstadt von Roth und damit war es amtlich: Sollte mich nicht der Blitz treffen, standen nur wenige Kilometer noch an, bevor ich das Ziel erreichen würde. Als meine Ohren aus der Ferne schon das Stadionpublikum vernahmen, war es an der Zeit mir meine Krawatte umzubinden, die ich die ganze Zeit in einer Tasche meines Einteilers aufbewahrt hatte. Dies ist eine Marotte von mir, um meinen Teil beizutragen, diese teils verbissene Sportart etwas aufzulockern. Als sich Mic und Sebastian kurz vor dem Zieltunnel verabschiedeten, war ich nicht lange alleine: Bernd, ein weiterer st. paulianischer Triathlet, den ich einige Kilometern zuvor kurz sah, wartete vor dem Zielkanal auf mich, um mit mir zusammen Hand in Hand ins Stadion zu laufen.

Ziellauf

Gesagt, getan. Nach 3,8 Kilometern schwimmen, 180 höllenheißen Radkilometern und 42,195 Km traben, streckten wir unsere Arme nach oben, als wir aus dem Zielkanal in das Stadion rannten, welches jedes Jahr nur für den Triathlon aufgebaut wird. Bernd sagte noch, dass ich das mal genießen und nicht so schnell rennen sollte. Aber meine Beine waren so leicht, dass ich mit ihm ins Ziel schwebte. Nicht als Individualist, sondern als braun-weißes Team. Aber wer gibt schon was auf Vereinszugehörigkeiten, denn ich fühlte mich mit allen Sportlerinnen und Sportlern verbunden. Egal, ob Platz 1 oder 2837. Egal, ob Finisher oder nicht. Wir hatten alle diesen Tag gemeistert und sind alle diese große Herausforderung eines Langdistanz-Triathlons angegangen. Mit diesem Gefühl der großen Verbundenheit, traf ich noch Matthias (der sich angesichts meines Zieleinlaufs natürlich bestätigt sah und mega freute 🙂 ), Karsten und Mic wieder, mit denen ich noch im Stadion die letzten Finisher ins Ziel anfeuerte. Danach wohnten wir der Abschlusszeromonie samt Feuerwerk und Triathlon-Oper bei.

Bei dieser wurde auch Schwester Madonna gefeiert. Die Iron-Nun musste leider ihren Weltrekordversuch abbrechen. Als ich kurze Zeit zuvor total erledigt bei dem Zelteingang saß, wo 2 Tage zuvor die Pastaparty stattfand (bei der es zuweilen unsittlich, ja geradezu assig zuging -siehe HIER), belauschte ich einen Helfer, der im Zelt um Decken bat, da er Schwester Madonna abholen sollte. Die errechnete Ankunftszeit wäre 3:30h und die Nonne meinte selber, dass es nicht weiter gehen würde. Auf der Radstrecke, verlor sie sogar einen Backenzahn, was sie für mich noch sympathischer machte, müsste mir doch selbst einer nur wenige Tage vor dem Wettkampf gezogen werden. 😉

Wir feierten sie und wir feierten uns gegenseitig, dass wir egal mit welchen Voraussetzungen, Training oder Vorgeschichten wir auch hatten, das Privileg genießen durften, diesen Tag zu erleben.

Doch dieser Tag wäre vielleicht auch nicht möglich gewesen, wenn nicht so viele Leute an mich gedacht hätten. Ich war vollkommen überwältigt, wie viele persönliche Nachrichten und Anrufe ich vor und nach dem Wettkampf bekommen hatte und sehr berührt davon, wie viele Menschen am Liveticker meine Fortschritte verfolgten und mitfieberten.
Ihnen, der Supportcrew an der Strecke und meiner Gastfamilie (Karsten, Anja, Julius und Johanna) sage ich nur DANKE, DANKE, DANKE!!!!

Nach 13:37h war ich im Ziel. Das erwähne ich nicht, um noch mal zu zeigen wie ich gelitten habe oder was für ein geiler Macker ich bin, sondern weil mich der gute Nobs darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich damit wohl ein ganz schöner NERD sein muss. Schließlich steht diese Zahlenkombination für den Leetspeak, die Netzsprache, bei der Buchstaben durch ähnlich aussehende Ziffern und/oder Sonderzeichen ersetzt werden.

In diesem Sinne:

7r147hl0n 157 br4un – w31ß!
und
!(|-| |(4|\\||\\| !|20|\\||\\/|4|\\|!

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