Das Glas war mehr als halb voll!

Wenn auch leicht verspätet, aber besser als gar nicht:

Hier kommt mein kleiner Rennbericht

zum Ironman Wiesbaden 70.3 am 15.08.2010!

Bis auf das Rennen selber hat Kay in seinem Bericht schon sehr viel vorgelegt von dem, wie ich es auch erlebt habe.

Dieser Wettkampf war mein Jahresziel.

Es gab dennoch in der Vorbereitungsphase ein paar Stolpersteine, unter anderem Materialprobleme am Rad und fiese Rückenschmerzen .

Aber mein sehr angagierter Sport-Physio-Doc hatte alles gegeben und so begab ich mich zwar zweifelnd aber voller Hoffnung mit Kay auf den Weg.

Frei nach dem Prinzip das Glas ist halb voll, nicht Kay??

Auf der Autofahrt nach Hessen unterhielten wir uns viel über die Radstrecke. Ich war dank einer Trainingswoche im Taunus auf das anspruchsvolle Streckenprofil vorbereitet.

Kay kannte den Waseberg und die Hügel der Lüneburger Heide, aber das hatte wohl wenig mit der bevorstehenden Strecke zu tun.

In den Kasseler Bergen wollte Kay das Gefühl für die Bergsteigungen in Prozent bekommen…und bei jeder kleinen Abfahrt mit einem 7 oder 8 Prozent Schild kam dann die Frage:

Ist das so, wenn man nach Hausen hochfährt?

Grosses Fragezeichen in meinem Kopf und auch die fehlende Erinnerung…wie war das denn noch? Waren das 6, 7 oder doch 8 %?

Es half alles nichts…um uns beiden ein Gefühl für diesen Anstieg zu geben, mussten wir vor dem Wettkampf da noch mal hin.

Also sind wir vorm Einchecken ins Hotel erstmal nach Ankunft in Wiesbaden nach Hausen gefahren.

Von Schierstein (Wechselzone 1 und Schwimmbereich) ging es gemächlich voran, dann zeichneten sich die ersten Hügel ab.

Kay war verdächtig leise. Beruhigte sich immer selber damit, dass es ja noch ginge…oder: hier könne man sich doch etwas ausruhen und ein Gel  einnehmen…

Beim Anstieg nach Hausen kam dann phasenweise gar nichts mehr…

Ich wusste an dieser Stelle, dass Kay ein „Bergbock!“ ist und es mit Bravour schaffen würde…

Er war nicht ganz so überzeugt!

Anschliessend holten wir unsere Startunterlagen und checkten im Hotel ein.

Abends Pastaessen im Messebereich.

Wettkampf-Luft machte sich breit…die Nervosität stieg.

Ständig bekam ich „das Glas ist doch halb voll“ zu hören.

Nächster Tag ausführliche Wettkampfbesprechung. Wie war das mit den Beuteln?

Drei Stück? Verschiedenen Farben? Wohin soll welcher Beutel mit welcher Klamotte?.

Verwirrung oder doch nur die Nervosität?

Man musste nicht nur einen Tag vorher das Rad einchecken, sondern auch noch die Logistik seiner Klamotten gut durch denken. Den blauen Beutel in die erste Wechselzone, den roten in die zweite und dann noch einen weissen für nach dem Wettkampf. Ach so! Na dann ist ja alles klar.

Kurze Ausfahrt bei strahlendem Sonnenschein mit Kay.

Warum reden eigentlich alle vom Regen am Wettkampftag??

Und dann waren da noch diese Rückenschmerzen!

Abwarten, trotzdem starten und notfalls Abbruch!

Kurze Nacht vor Sonntag und um 5:30 Uhr klingelte der Wecker.

Und ohne die Augen aufzumachen hörte ich ihn schon….den REGEN!

Kay und ich fuhren los und das Regenradar zeigte viele dunkle Wolken an.

Unvorstellbar nach dem vorherigen Tag.

In der Wechselzone herrschte Chaos.

Platzregen, alles nass!

Trotz der musikalischen Beschallung und morgendlichem Entertainment durch die Veranstalter war das Grollen des Gewitters nicht zu überhören.

Die Müllbeutel, die als Garagen für die Rädern dienten, ersetzen bei den meisten den Ganz-Körper-Regenanzug.

Schnell verstand ich warum alle schon den Neoprenanzug anhatten.

Ich hatte mich selten so schlecht in der Wechselzone auf einen Wettkampf vorbereitet.

Und so richtig die grosse Lust kam auch nicht auf. Die Nervosität der Tage vorher war erstmal verflogen und ich sehnte mich nach einem warmen Bett.

An diesem Punkt stellt ich mir wirklich die Frage: Was mache ich hier eigentlich???

Bevor ich dann endgültig einfror, rückte der Schwimmstartschuss zum Glück näher und ich begab mich ohne Einlaufen oder Aufwärmen klitschenass in den Startbereich.

Startschuss: 8:10.

Das Schwimmen lief ok…ich merkte meinen Rücken, versuchte es zu ignorieren.

Nach 35 min hatte ich den ersten Teil geschafft.

Was dann folgte war mit Sicherheit der schwierigste Teil:

Im strömenden Regen auf dem Rad 90 km den Taunus bezwingen.

Los gings…bloss nicht zu schnell angehen. Die Berge kommen ja noch…

Nach kurzer Zeit bemerkte ich ein Geräusch

Oh nein! Da war es wieder, das andere Problem:

Schleifen meines Hinterrades an dem Rahmen.

Ich hatte noch versucht mit meinem Radhändler Lösungen zu finden, wir probierten verschiedene Mäntel aus und angeblich sollte das alles so gut gehen.

Doch keiner konnte diese Wassermassen ahnen.

Der Dreck sammelte sich immer mehr zwischen Rahmen und Hinterrad und das Schleifen wurde lauter.

Bei dem Anstieg nach Hausen wurde ich von zwei Mitstreitern angesprochen ob ich nicht mal absteigen will.

Was für eine Frage: Nein. Ein Steinbock steigt nicht ab! Ausserdem wusste ich, das ich eh nichts machen kann.

Also Augen zu und durch…..

Hab dann zur Freude meiner Mitfahrer extra jede Pfütze mitgenommen. So wurde das Schleifen zeitweise weniger.

Dann lief es alles ziemlich gut….man gewöhnt sich auch an Regen.

Trotz dieser Wetterlage waren in den Dörfern überall Leute, die einen anfeuerten. Irgendwann bemerkte ich gar nicht mehr, dass es regnete.

Selbst der befürchtete 10%-„The Hammer“-Anstieg bei km 70 konnte ich mit Hilfe der lauten Schreie der Zuschauer bezwingen.

Nach 3 Std. 09 min kam ich heil in Wiesbaden in der zweiten Wechselzone an.

Wie wird das Laufen nach so einer Radstrecke unter diesen Bedingungen?

Heute ein paar Wochen danach erinnere ich mich kaum an Probleme, aber leicht fiel es mir nicht. Seitenstiche blieben zwar aus, aber die Beine waren schwer, sehr schwer.

Die Zuschauer brüllten was das Zeug hielt und alle Läufer wurden angefeuert.

Ich wusste, die 4 Runden im Kurpark werde ich schaffen.

Ich muss zugeben, die Cola und etlichen Gels haben es sicherlich rausgerissen……

Nach 5 Std. 36 kam ich jubelnd ins Ziel. Schon erschöpft, aber mit so viel Endorphinen vollgepumpt stand ich fast den Tränen nahe im Ziel.

Wow!!!!! Ich hatte es geschafft!

Das Glas war voll…und nicht durch den vielen Regen!

Kurze Zeit später habe ich erfahren, dass ich den 6.Platz in meiner AK erreicht hatte.

Zwar hatte ich mich ein paar Tage vorher über die WM in Florida unterhalten, aber wenn ich ehrlich bin, nicht ernsthaft daran geglaubt.

Und jetzt lag dieser Slot doch so nahe. Die ersten 4 Plätze hatten einen Startplatz in Clearwater/Florida fest.

Hilfe…

Erstmal bejubelte ich Kay, der auch glücklich ins Ziel kam.

Wie in einem Film sind wir dann zur Startplatzverlosung und Siegerehrung ins Kurhaus gegangen!

Und dann war es soweit: ich bekam den SLOT!

Ich fliege im November zur WM nach Clearwater/Florida.

Wenn ich ehrlich bin, hab ich es bis heute kaum realisiert.

Mein Glas bleibt jetzt erstmal ziemlich voll…auch zum ständigen Anstossen;-))))

Danke Kay, ohne dich wäre dieses Wochenende nicht nur halb so schön gewesen!!!!!!!!

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