Das ist Wahnsinn…….DAS IST R-O-T-H!!!

2Nach einem regelrechten Stotterschlaf, war es dann um 4:45h soweit: Der längste Sporttag meines Lebens begann!

Ich machte mich langsam fertig und kontrollierte noch einmal meine Sachen. Bevor ich in der Nacht zuvor einschlief, wollte ich noch die Einstellungen bei meinem Garmin Forerunner 305 (die Rolex unter der Museums-Pulsuhren) überprüfen. Doch plötzlich ging Sie nicht mehr an und ich war wieder wach. 🙁 Ein Soft-Reset durch das gleichzeitige Drücken von „Mode“ + „Lap“, erweckte die Pulsuhr wieder zum Leben. Dennoch war der Akku fast wieder leer und musste neu geladen werden. Der Akkustand zeigte am Morgen den vollsten Stand. Den selbigen wollte ich meiner Leber auch zumuten, aber das musste ich mir zuerst verdienen. Also ging es los mit Karsten zur Wechselzone. Dem ging es auch sichtlich nicht blendend. Kotzübel und voller Aufregung erreichten wir den Schwimmstart und checkten schnell unsere Wechselbeutel ein. Da dies nur bis 6:30 möglich war, waren wir auch schon kurz vor 6 Uhr vor Ort. Mein Start war allerdings erst um 7:45h, also hieß es warten. Eine unglaubliche Stimmung. 5000 Triathletinnen und Triathleten, samt Rädern und Ausrüstung, Flutlicht gepaart mit morgendlicher Dämmerung, untermalt von heroischer Musik aus den Lautsprechern. Neben weiteren Durchsagen, Anfeuerungen und Bittgesuche („Ein Teilnehmer sucht noch einen Neoprenanzug!“), sprach die 83-jährige Nonne Schwester Madonna Buder noch ein Gebet. Sie wollte den Ironman finishen was gleichbedeutend wäre mit dem Weltrekord als ältester Mensch, der jemals eine Langdistanz beendete. Dazu später mehr. Während sich alle warm machten und ihre Räder ein letztes Mal überprüften, lag ein Gemisch von Anspannung und Vorfreude, aber auch Stress und Angst in der Luft.

Karsten musste früher ran, also umarmten wir uns und wünschten uns Glück. Das habe ich aber sehr schnell erledigt, denn meine Stimme wurde immer zittriger. Ich kehrte ihm den Rücken, ging durch die Massen von Menschen und ließ meiner Anspannung und meinen Tränen freien Lauf. Ich war einfach von der Umgebung, vor der vor mir stehenden Aufgabe und nicht zuletzt durch die letzten, privat sehr turbulenten Monate, die mich ja auch nicht richtig haben trainieren lassen, überwältigt. Nachdem ich mich einmal kurz hinhocken musste, um alles raus zu lassen, torkelte ich zu meinen Wechselplatz. Fahrrad da, Reifen hart, Carrie is ready to go!

Genug Sentimentalität: Gesicht sauber machen und dann den letzten Angstschiss abseilen!
Kurz danach traf ich noch Eno, Kay, Micha, Matthias und Karsten wieder. Nach und nach zogen wir uns unsere Neoprenanzüge an und nach und nach gingen alle in den Vorstartbereich. Bernd und ich starteten in der 13. und vorletzten, Micha sogar in der letzten Startgruppe. Da waren die um 6:30 gestarteten Profis wahrscheinlich schon auf Radkilometer 30.

7:30 Uhr. Ich zog meinen Neo komplett an, setzte Ohrschutz ein, Nasenklammer an und Schwimmbrille und Badekappe auf. Der nächste Gänsehaut-Moment: Die Helfer bildeten am Schwimmeinstieg ein Spalier, machten Laola-Wellen und Klatschten abwechselnd Applaus. Dann ab ins Wasser und bevor ich mich versah, war auch schon der Kanonenschlag zu vernehmen. Schluss mit Denken, mit der Aufregung, mit der Angst – jetzt hieß es MACHEN!

SchwimmausstiegIch ging es ganz ruhig an. Schließlich hatte ich lediglich einmal eine Distanz von 3,8 Km innerhalb eines Wettkampfes zurückgelegt und das vor 2 Wochen. Links, rechts, atmen, Beinschlag, nach vorne gucken, Bojen ausmachen, nicht zu weit abdriften und das Ufer mit der Hand streichen, Richtung korrigieren, jubelnde Zuschauer wahrnehmen, durch DIE Brücke schwimmen, schnellere Schwimmer nicht im Weg schwimmen, langsamere Schwimmer versuchen zu umschwimmen und dabei darauf achten keinen Arm- oder Beinschlag in die Fresse zu bekommen. Nach 1 Std. und 23 Minuten erreichte ich den Schwimmausstieg. Der Grund weshalb ich das erste Mal mit Ohrschützern schwamm, war der Erfahrung von vor 2 Wochen geschuldet, als ich nach der 3,8 Km Distanz beim Hamburger Freiwasserschwimmen noch für viele Minuten ein sehr starkes Schwindelgefühl verspürte und kaum geradeaus laufen konnte. Ich stieg aus dem Wasser, zog meinen Neo bis zur Hüfte aus und konnte ganz normal laufen ohne das mir schwindelig wurde. Da mein braun-weißer Einteiler jetzt sichtbar war, veranlasste das dem „Stadion…Wechselzonen-Sprecher“ gleich zu der Durchsage: …und auch Mick Dreeßen ist aus dem Wasser. Wir haben ja heute hier schon einige Fans vom FC St. Pauli gesehen”…. Tja, nicht ganz richtig: Wir sind KEINE FANS des FC St. Pauli – WIR SIND SPORTLER DES FC ST. PAULI!!! 🙂

15105_788820127806193_1102056747297230088_n-300x199Ich zog mich in der Wechselzone um und musste mal wieder etwas länger auf den Satelittenkontakt meiner erwähnten Pulsuhr warten, bevor ich zu meinem Fahrradplatz lief, meinen Helm aufzog, es aushängte, aus der Wechselzone schob und lospedalierte wie der Teufel. Doch nach nur 300 Metern sprang mir schon die Kette vom Blatt. Etwas was mir noch 4 Mal passieren sollte. Irgendwie hatte ich wohl mal wieder die Schaltung falsch eingestellt. Die Konsequenz waren ölverschmierte Hände, Lenker, Flaschen und Gesicht. Doch sonst lief es. Schon bald war Edel-Supporter Mic ausgemacht, der mir zujubelte. Nach und nach wurde ersichtlich, dass es ein schwerer Tag werden würde. Einerseits war es hügliger als von mir gedacht, andererseits wurde es immer wärmer und wärmer. Während ich mich schon nach der ersten Kurve auf den sagenumwobenen „Solarer Berg“ freute, versuchte ich der größten Herausforderung gerecht zu werden: Der Wettkampfernährung. Da ich schon bei mehreren Wettkämpfen entweder große Magen-Darm-Schwierigkeiten oder Kreislaufprobleme bekommen hatte, bei denen ich hin und wieder schon fast vom Rad geflogen war, versuchte ich mich gewissenhaft ein meinen Plan zu halten. Dieser beinhaltete 5 Dinge: Eigens gebackene Energieriegel, fruktosefreie Gels und trinken, trinken, trinken. Vor ca. einem Jahr wurde mir eine leichte Fruktoseintoleranz attestiert, weshalb die allermeisten Sportlergetränke, Riegel oder Gels für mich von vornherein nicht in Frage kamen. Deshalb experimentierte ich im Vorwege mit einigen Rezepten. Das für mich Beste fand ich in dem erst kürzlich erschienen Buch „NoMeat Athlete“ wo ein m.E. super Baukastensystem für die individuelle Kreation eines Engieriegels enthalten ist. So backte ich mir ein Blech Riegel bestehend aus gemahlenen Azukibohnen, Ingwer, Leinsamen, Chiasamen, Erdnussmus, Reis- und Hanfproteinpulver. Als Zuckerquelle wich ich vom Rezept ab und verwendete fruktosefreien Reissirup. Davon hatte ich 5 dicke Riegel in meiner Rahmentasche. Zusätzlich klebte ich 5 fruktosefreie „Hammer-Gels“ an meinen Rahmen. Der Plan bestand daraus mir jede halbe Stunde abwechselnd je einen Riegel oder ein Gel mit viel Wasser einzuverleiben und bei jeder Wechselstation mindestens eine Wasserflasche zu tauschen (leer gegen voll).

Radrunden-289x300Dieser Plan ging auf und die erste von zwei 90 Km Runden ging langsam aber sicher zu Ende. 20 Km vor diesem ersten Etappensieg war es dann soweit: Nach einer kleinen Abfahrt und einer Kurve, kam er plötzlich aus heiterem Himmel. Tausende von Menschen und ein großes Banner hießen mich WELCOME TO SOLAR HILL! Der Teil der Strecke, der die weltberühmte Gasse bildet, wo eigentlich nur ein Fahrradfahrer zur gleichen Zeit fahren kann. Begleitet wird man dabei von den schreienden und jubelnden Zuschauern, von denen man den Berg nach oben gepeitscht wird. Dieser Hügel, den ich mit buchstäblich „wei-chen“ (weinen + lachen) Knien hinauf pedalierte, war viel zu schnell vorbei und wenig später hatte ich die erste Radrunde beendet. Ich guckte noch einmal auf die ungefähre Durchschnittsgeschwindigkeit von 31Km/h, bevor mir nach und nach bewusst wurde, dass sich jetzt auf der zweiten Radrunde zu High Noon alles geändert hatte. Die Sonne knallte mit unbarmherziger Kraft uns auf den Buckel und plötzlich wurde das Wasser nicht mehr getrunken, sondern damit überwiegend der vollkommen überhitzten Körper gekühlt, solange es noch kalt war und nicht in den Flaschen kochte. Nach und nach mussten diverse Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Wetterbedingung Tribut zollen. Bei Temperaturen zwischen 32 und 36 Grad Celsius kam es vermehrt zu Unfällen, Krankenwagen überholten oft (das Bayrische Rote Kreuz….wusste gar nicht, dass die ihr eigenes haben…. musste 330 Patienten versorgen) und an fast jeder Ecke, wo ein schattenspendender Baum stand, waren RadfahrerInnen darunter, um sich auszuruhen. Ich überlegte auch mehrere Male, hatte aber Angst dann gar nicht mehr aufs Rad zu steigen. Also fuhr ich weiter.

Nach einer kurzen Schrecksekunde als ich Eno am Straßenrand stehen sah, wurde meine Sorgen aber zunächst zerstreut, als er dann irgendwann hinter mir her rief, ob ich nicht mehr können würde?! Dennoch ließ er schon durchblicken, dass es nur noch sein Ziel sein sollte, sich mit dem Rad in die Wechselzone zu retten und nicht mehr zum abschließenden Marathon anzutreten. Eine mutige, vernünftige Entscheidung eines Ironman-erfahrenen Triathleten, der die Sprache seines Körpers versteht. Dennoch natürlich bitter für ihn. Doch bevor ich mit einem anderen braun-weißen Triathleten fühle, was war mit mir?

Nachdem ich die zweite Runde absolviert hatte, ging es noch ein kurzes Stück von einigen Kilometern zur 2. Wechselzone, auf der man bei der ersten Runde noch nicht entlang gefahren war. Diese zog und zog sich hin. Ich wollte JETZT absteigen und hatte so keinen Bock mehr. Ich ertappte mich dabei, wie ich lauthals schrie und fluchte, warum ich nicht endlich da sein könnte. Dann wurden durch die Zuschauer ersichtlich, dass es wirklich vorbei war. 3,8 Km schwimmen und die härtesten 180 Radkilometer meines Lebens lagen hinter mir. Kurz bevor ich vom Rad abstieg, erblickte ich noch Marv für den ich mit letzter Kraft noch einen Daumen nach oben oder wenigstens zur Seite streckte. Doch das war wohl stark übertrieben, denn als ich im Wechselzelt ankam und mir gleich schon einige Mädels entgegen kamen, um mir beim Umziehen zu helfen, schickte ich sie alle weg. Sie sollten lieber anderen Leuten helfen, da ich mich erst einmal ausruhen musste. Bezeichnend war, dass mit meiner guten Laune auch meine glückbringende Smileybrille beim Beutel-Transport in der Mitte durchgebrochen war. So saß ich wie ein Häufchen Elend auf einer Bank und dachte darüber nach abzubrechen. Sollte und konnte ich jetzt noch wirklich einen Marathon von 42 Kilometern laufen?! Als ich auf dem Boden blickte kam dennoch eine Helferin auf mich zu, nahm einen feuchten Schwamm und wischte mir damit die Wangen und die Stirn ab. Aufgrund der abgesprungenen Kette und der dreckigen Hände hatte ich mir damit ein ölverschmiertes Gesicht beschert. Mütterlich wischte sie mir das Öl weg und sagte: „Das sieht doch dann auf dem Finisher-Foto nicht so schön aus!“ Finisher. Sollte ich wirklich heute noch ein Finisher werden? Ich versuchte meinen Ehrgeiz und meine „Scheiß auf meinen Körper“ Mentalität über Bord zu schmeißen und stattdessen auf genau diesen Körper zu hören. Es tat alles weh, aber „nur“ bzgl. der Anstrengung. Weder schmerzte meine lädierte Wade noch, fühlte ich das mein Kreislauf versagte. Nach Monaten des Herbeisehnens genau dieses Momentes, war er nun da. Ich war hier. Ich hatte 2/3 geschafft. Ich hatte für diese Pein bezahlt! Also zog ich meine selbst bemalte Mütze auf und die Laufschuhe an, bestückte mich noch mit meinen Gels und einer Wasserflasche und lief …oder eher trapte los.

Ich nahm mir vor, die ersten 5 Kilometer durchzulaufen. Schließlich wollte ich mich vor den vielen Leuten nicht lächerlich machen. Dann sah ich wieder Mic der mit mir ein bisschen mit lief und mir versicherte, dass ich mir keine Sorgen machen solle, denn egal was passiert, ich laufe meiner neuen persönlichen Bestzeit auf der Langdistanz entgegen! 😉

Dann passierte ich die Unicef Schilder. Am Vortag hatte mir die Tochter meiner Gastfamilie ein Bild an einem dafür vorgesehenen Messestand gestaltet, was dann mit hunderten von anderen Schildern am Streckenrand postiert wurde. Ich las meinen Namen, sah sogar auch irgendwo das Wort “Sieger” und “Finisher” und wünschte mir so sehr diese Titel zu verdienen. Gut, siegen würde ich heute nicht mehr, da Timo Bracht sich heute schon vor mehreren Stunden den Deutschen Meistertitel geholt hatte, aber ich wollte diese Strecke und diesen Tag besiegen. Außerdem stand nur zwei Schilder hinter meinem eines mit der Aufschrift “Nur der HSV”, was mich zusätzlich anspornte. 😉

Dann ging es am Kanal lang, wo mir auch schon gleich Kay entgegen lief. Ich klatschte ihn ab und sagte ihm, er solle es nach Hause bringen. Kay hatte 20 Km geschafft, ich erst lediglich 4. Es folgten mit Bernd, Karsten und Lokalmatador Harald noch weitere braun-weiße Triathleten. Bei den meisten hatte ich kaum noch Kraft ihnen überhaupt was sagen zu können. Erst als ich Matthias sah und ihn einholte, legte ich eine kurze Gehpause ein. Er hatte Wadenprobleme und außerdem konnte er aufgrund der Hitze kaum Nahrung bei sich behalten. Wir versuchten uns gegenseitig aufzumuntern und trabten wieder an. Matthias hatte weiterhin Schmerzen und fiel zunächst etwas zurück.

Ich lief den Kanal wieder zurück, der Halbmarathon-Marke entgegen. Dann verdunkelte sich der Himmel und Blitze waren am Horizont zu sehen. Nach der Hitzeschlacht auf dem Rad, folgte nun ein Gewitter mit ergiebigen Regen auf der Marathonstrecke. Plötzlich wurden alle Rot-Kreuz Boote vom Wasser gebracht. Da der erste Teil der Laufstrecke am Main-Donau-Kanal entlang führte, wurde die medizinische Betreuung vom Wasser aus übernommen. Doch nun wurde diese nicht mehr sichergestellt. Als es dann schließlich begann zu regnen, wurden zusätzlich auch die Verpflegungsstände abgebaut. Und mit einem ähnlichen Donner wie beim Gewitter über mir, krachte ein Gedanke in meinen Kopf: Was wenn aufgrund des Unwetters das Rennen ABGEBROCHEN wird!?!?!?

Panisch versuchte ich bei den Helfern zu fragen, ob dies möglich wäre, doch keiner konnte mir darauf antworten. Dann schrie jemand hinter mir “Rostock grüßt St.Pauli”. Ein Staffelläufer zollte mir erst Respekt, als er anhand meiner Startnummer sah, dass ich ein Einzelstarter bin, sah dann aber auch die Verzweiflung in meinen Augen. Als ich ihn sagte, dass ich nicht weiß, ob das Rennen abgebrochen wird, sagte er nur: “Ach Quatsch, das reißt schon wieder auf und du läufst bei bestem Wetter über die Ziellinie”. Er sollte recht behalten.

Mehr und mehr ging in nun und konnte kaum einen Kilometer am Stück laufen. Irgendwann überholte mich Matthias wieder und versuchte mir Mut zuzusprechen: “Komm Mick mein Sonnenschein, da geht noch ein bißchen”. Matthias ist an vielem Schuld. Er war es, der mir 2013 an der Ziellinie des Hamburg Triathlons, den eisernen, rothen Floh ins Ohr gesetzt hatte (“Du bist schnell, Mick. Vielleicht solltest du mal ne Langdistanz machen. Morgen um 10Ur ist Registrierung für Roth), er war es, der mir im Trainingslager immer sagte, dass er fest davon überzeugt wäre, dass ich Roth schon packen würde. Der Kreis schloss sich jetzt, als er mir für die letzten 10 Kilometer meiner ersten Langdistanz Mut zusprach und am Wendepunkt mit einem aufmunterten Lächeln registrierte, dass ich wieder angelaufen war. 🙂

Ich trabte der 35 Kilometermarke entgegen, als ich plötzlich aus der Ferne ein “Wir kommen aus dem Norden, wir rauben und wir morden, wir waschen und nie …. St. Pauli” vernahm, was ich mit letzter Kraft mit “Iiiii” beantwortete. Mic und Sebastian kamen mir entgegen und hatten das Unicef Schild dabei. Für die letzten Kilometer fuhren und liefen sie Seit an Seit neben mir und versuchten mich irgendwie über die Ziellinie zu schleppen. Wer weiß, wann oder ob ich überhaupt angekommen wäre, wenn Sie nicht da gewesen wären.

Dann waren wir in der Altstadt von Roth und damit war es amtlich: Sollte mich nicht der Blitz treffen, standen nur wenige Kilometer noch an, bevor ich das Ziel erreichen würde. Als meine Ohren aus der Ferne schon das Stadionpublikum vernahmen, war es an der Zeit mir meine Krawatte umzubinden, die ich die ganze Zeit in einer Tasche meines Einteilers aufbewahrt hatte. Dies ist eine Marotte von mir, um meinen Teil beizutragen, diese teils verbissene Sportart etwas aufzulockern. Als sich Mic und Sebastian kurz vor dem Zieltunnel verabschiedeten, war ich nicht lange alleine: Bernd, ein weiterer st. paulianischer Triathlet, den ich einige Kilometern zuvor kurz sah, wartete vor dem Zielkanal auf mich, um mit mir zusammen Hand in Hand ins Stadion zu laufen.

Ziellauf

Gesagt, getan. Nach 3,8 Kilometern schwimmen, 180 höllenheißen Radkilometern und 42,195 Km traben, streckten wir unsere Arme nach oben, als wir aus dem Zielkanal in das Stadion rannten, welches jedes Jahr nur für den Triathlon aufgebaut wird. Bernd sagte noch, dass ich das mal genießen und nicht so schnell rennen sollte. Aber meine Beine waren so leicht, dass ich mit ihm ins Ziel schwebte. Nicht als Individualist, sondern als braun-weißes Team. Aber wer gibt schon was auf Vereinszugehörigkeiten, denn ich fühlte mich mit allen Sportlerinnen und Sportlern verbunden. Egal, ob Platz 1 oder 2837. Egal, ob Finisher oder nicht. Wir hatten alle diesen Tag gemeistert und sind alle diese große Herausforderung eines Langdistanz-Triathlons angegangen. Mit diesem Gefühl der großen Verbundenheit, traf ich noch Matthias (der sich angesichts meines Zieleinlaufs natürlich bestätigt sah und mega freute 🙂 ), Karsten und Mic wieder, mit denen ich noch im Stadion die letzten Finisher ins Ziel anfeuerte. Danach wohnten wir der Abschlusszeromonie samt Feuerwerk und Triathlon-Oper bei.

Bei dieser wurde auch Schwester Madonna gefeiert. Die Iron-Nun musste leider ihren Weltrekordversuch abbrechen. Als ich kurze Zeit zuvor total erledigt bei dem Zelteingang saß, wo 2 Tage zuvor die Pastaparty stattfand (bei der es zuweilen unsittlich, ja geradezu assig zuging -siehe HIER), belauschte ich einen Helfer, der im Zelt um Decken bat, da er Schwester Madonna abholen sollte. Die errechnete Ankunftszeit wäre 3:30h und die Nonne meinte selber, dass es nicht weiter gehen würde. Auf der Radstrecke, verlor sie sogar einen Backenzahn, was sie für mich noch sympathischer machte, müsste mir doch selbst einer nur wenige Tage vor dem Wettkampf gezogen werden. 😉

Wir feierten sie und wir feierten uns gegenseitig, dass wir egal mit welchen Voraussetzungen, Training oder Vorgeschichten wir auch hatten, das Privileg genießen durften, diesen Tag zu erleben.

Doch dieser Tag wäre vielleicht auch nicht möglich gewesen, wenn nicht so viele Leute an mich gedacht hätten. Ich war vollkommen überwältigt, wie viele persönliche Nachrichten und Anrufe ich vor und nach dem Wettkampf bekommen hatte und sehr berührt davon, wie viele Menschen am Liveticker meine Fortschritte verfolgten und mitfieberten.
Ihnen, der Supportcrew an der Strecke und meiner Gastfamilie (Karsten, Anja, Julius und Johanna) sage ich nur DANKE, DANKE, DANKE!!!!

Nach 13:37h war ich im Ziel. Das erwähne ich nicht, um noch mal zu zeigen wie ich gelitten habe oder was für ein geiler Macker ich bin, sondern weil mich der gute Nobs darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich damit wohl ein ganz schöner NERD sein muss. Schließlich steht diese Zahlenkombination für den Leetspeak, die Netzsprache, bei der Buchstaben durch ähnlich aussehende Ziffern und/oder Sonderzeichen ersetzt werden.

In diesem Sinne:

7r147hl0n 157 br4un – w31ß!
und
!(|-| |(4|\\||\\| !|20|\\||\\/|4|\\|!

Kay bei seiner ersten Langdistanz in Roth

Hier ein Wettkampfbericht von Kay von seiner ersten Langdistanz im bayrischen Roth:

Meine erste Langdistanz, oder …nach zu schnell, kommt falsch…

Hatte mich schon vor einiger Zeit mit Andreas verabredet eine Langdistanz in Roth anzugehen. Habe bereits zwei Mal in einer Langdistanz Staffel beim Ostseeman als Radfahrer teilgenommen. Danach war ich jedes Mal so platt, dass ich mir nicht vorstellen konnte anschließend einen Marathon zu laufen. Ich hatte großen Respekt vor dem Umfang einer Langdistanz.

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St. Pauli im Land der tausend Hügel

Seit einigen Jahren steht die Challenge Kraichgau ganz oben auf meiner Triathlon to-do bzw. to-race Liste. Immer wieder hört man andere Triathleten von dieser Halbdistanz schwärmen. Die Radstrecke sei genial, die Orga perfekt, die Stimmung super usw. Leider passte Kraichgau in den letzten Jahren nicht wirklich in meine Saisonplanung. Damit das dieses Jahr nicht wieder so wird, wurde Kraichgau direkt als erster Wettkampf angemeldet. Also keine Ausreden mehr und ab ins Ländle.

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Geli, Udo und Dirk beim Kraichgau-Triathlon: Wenn die Glocken am Hardtsee erklingen …

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Dann heißt das 1,9 km mit 0 Hm Schwimmen, 90km mit um die 1000 Hm Radfahren und 21 km mit ca. 108 Hm laufen. Glücklicherweise stand ich bei meiner Mitteldistanzpremiere nicht alleine im Kraichgau am Start, sondern mit Dirk und Udo aus Lippe, die auch im Trainingslager am schönen Gardasee dabei waren.
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Udo sollte/wollte am Nachmittag noch die Olympische Distanz auf sich nehmen und konnte letztendlich trotz einstündiger Zermürbungsattacken des Veranstalters wegen „Gewitter im Verzug“  um 15.05 Uhr doch noch in 30 Minuten die 1,5 km im Hardtsee hinter sich bringen, bevor es auf die exklusive (Schindelberg und Eichelberg durften auch hier nicht fehlen) 40 km  Radstrecke ging. Nach 1 Stunde 28 Minuten wurde das Rad schon wieder verlassen und die Laufschuhe geschnürt. In selbigen dann trotz großer Hitze und trotz/wegen der Anfeuerung bereits geduschter Vereinskollegen nach insgesamt 2 Stunden 59 Minuten das Ziel erreicht.

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Dirk, der mich während der gesamten Vorbereitung mit super Tipps versorgt hat (VIELEN DANK auch hier nochmal), war trotz noch nicht ganz auskuriertem Radunfall auch auf der Mitteldistanz unterwegs und hat mir freundlicherweise 30 Minuten Vorsprung am Start gegeben.
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Udo, Geli und Dirk

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Start für mich war um 9.15 Uhr. Nach Frühstück um 7 Uhr,  mit einmaliger Bedienung, einer nur etwas zu späten Brötchenlieferung und den neusten Informationen aus Lokalpolitik und Sport ging es dann gut gelaunt ab in Richtung Hardtsee. Udo hat freundlicherweise den Chauffeur gegeben, meine Eltern , die den neuen Anzug im Gepäck hatten auch noch abgefangen. Schnell die Wurstpelle  aus, der neue passte, kurzes Foto mit allen beteiligten, Startbeutel aus dem Auto, dabei noch Norbert Stadler bei den Vorbereitungen entdeckt und ab mit Dirk in die Wechselzone, um den Rädern den letzten Schliff zu verpassen. Udo machte sich währenddessen auf den Rückweg zum Ziel , um dort das Auto abzustellen und noch eine kleine Genießertour mit dem Rad durchs Kraichgau zum Hardtsee zu machen.
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In der Wechselzone dann Johanna samt betreuendem Ehemann getroffen und ab ging es Richtung Start. Inzwischen zu dritt machten wir uns viertel vor 9 in braun-weiß auf in Richtung Startbereich. Kurz vor 9 ertönte dann zum ersten mal an diesem Tag  Hells Bells und ein nicht zu überhörender Startschuß schickte die erste Startgruppe auf die 1,9km Schwimmstrecke.
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Letzter Tipp von Dirk für diesen Tag „genieße es“ und ab ging es zum Warmschwimmen. 9.15 Uhr war dann Schluss mit lustig. Zum ersten mal in einem Wettkampf vorne eingereiht, die übliche Rangelei ließ so etwas auf sich warten, was sehr angenehm war. Raus aus dem Wasser waren die ersten Höhenmeter des Tages zur Wechselzone zu überwinden. 9.50Uhr ging es dann positiv überrascht wegen der frühen Stunde mit breitem Grinsen auf die Radstrecke, während Dirk noch im kühlen Nass war und Antriebsschwierigkeiten aufgrund der schmerzhaften linken Schulter ausgleichen musste.
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Die Radstrecke startete mit 10 flachen Kilometern in denen ausreichend Zeit war das erste Gel des Tages zu eröffnen und mit feinstem Wasser herunterzuspülen bevor die ersten Hügel anstanden. Nach rasanter Abfahrt vom Schindelberg dann auch die erste freundliche Überholung des Tages. „Moin“ schalte es von links, ein Triabolo tauchte im Blickwinkel auf. Moin zurück und gute Fahrt. Viertel Stunde später kam der nächste mit einem freundlichen „Servus“. Auch die haben also ein internationales Starterfeld.  so lange kein Mädel vorbeirauscht ist alles okay. Zwei der Triabolösen (hoffe das ist politisch korrekt) gingen mir laut Ergebnisliste wohl doch mit ordentlichem Vorsprung durch die Lappen. Außer viel Essen und Trinken, Bergauf – und Bergabfahrten ereignete sich nicht viel auf der Radstrecke. Dirk konnte nicht gesichtet werden – nur Norman Stadler, der nach Defekt deprimiert im Kreisverkehr saß. Hätte er mal seinen Cayenne genommen.
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Also ab in die Wechselzone, wo wieder freundliche Helfer bereitstanden, das Rad verstauten, beim be- und entladen des Beutels halfen….deswegen wohl dieses Allinclusive-Armbändchen bei Ausgabe der Startunterlagen….für Campingfreunde wie mich etwas gewöhnungsbedürftig , aber durchaus annehmbar.
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Also ab auf die Laufstrecke, das muss nämlich auch bei einer Challenge Veranstaltung noch selber gemacht werden. Das Kilometer 1 Schild wurde übersehen und somit bei Kilometer freudig überrascht. Insgesamt ein sehr hügeliger Kurs, und in der ersten Runde auch noch recht warm. Die Beine waren in einem erstaunlich guten Zustand und die ersten Gewitter zogen in der Ferne auf, was sich nicht unbedingt negativ auf das Tempo auswirkte. Zu Beginn von Runde zwei tauchte dann Johanna vor mir auf, die neuen Trikots sind also eindeutig schneller als die letztjährigen.
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Ab Kilometer 12 wurden dann die Beine doch schwerer, und es war Zeit für die erste Cola des Tages, nach der auch Dirk wieder adäquat auf der Wendepunktstrecke gegrüßt werden konnte. Die restlichen 9 km waren dank der super Stimmung an der Strecke auch noch zu schaffen. Weil wie immer ohne Uhr unterwegs wurde der erst beste im Ziel nach der aktuellen Stunde gefragt. Als die Antwort 14.43 Uhr war kamen doch Zweifel auf, ob alle drei Runden gelaufen wurden.
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Wenn alles gut geht habe ich mit einer Zeit von 6 Stunden gerechnet nun waren es 5 Stunden 28 Minuten. Klasse die neuen Anzüge. Im Ziel kam dann doch noch etwas Abkühlung von oben, die Gewitter zogen aber vorbei. Nach 25 Minuten des Wartens kam dann auch Dirk ins Ziel, der seine Belastungswoche mit einer Zeit von 5 Stunden 23 Minuten abschloss.

Stefan finisht in Braun-Weiß-Roth!

Nach diesem großartigen Tag im Triathlon-Mekka in Roth dachte ich mir, dass ein kurzer Bericht auf die Homepage des FC St. Pauli Triathlon muss.

Gutes Stichwort! Wer noch nie eine Langdistanz im braun-weißen St. Pauli Outfit gemacht hat, dem sei dies hier wärmstens empfohlen. Ich glaube, dass außer den Profis niemand so viel Anfeuerung genossen hat wie ich im St. Pauli Dress, wirklich unfassbar. Selbst ein blondes, 5-jähriges Mädchen rief „Mama, St. Pauli!“ um dann anschließend ein St. Pauli Lied anzustimmen!
Nachdem es wenige Tage zuvor noch bis zu 35°C heiß war, war der Wettkampftag mit max. 28°C beim Laufen sehr angenehm. Das Wasser hatte 23°C, Neo erlaubt! Nachdem ich trotz frühen Daseins meinen Start verpasst hatte, durfte ich 5 Min. später mit der nächsten Startgruppe in den Main-Donau-Kanal (verschwimmen unmöglich)! Mit der Schwimmzeit von 1:12:46 war ich nicht unzufrieden. Als ich dann die ersten 90KM in 2:33h hinter mich gebracht hatte, war ich  kurzfristig unsicher, ob es zu schnell war…, war es aber nicht! Die zweite Runde bin ich in derselben Zeit gefahren was eine Gesamtradzeit von 5:07:23 nach sich zog – über 35 Km/h – sehr geil!!! Besonders der auf der zweiten Radrunde aufkommende Wind kam mir da als Hamburger sehr gelegen. Während viele versuchten sich fluchend auf dem Rad klein zu machen, sagte ich mir, dass ich das kann und bei jedem Training hatte! Allerdings war ich mir nach dem Radsplit wirklich unsicher, ob ich dann noch einen vernünftigen Marathon hinkriege. Während mir nach wenigen Kilometern Rasmus HENNING (der spätere Sieger) und Sebastian KIENLE (Zweiter mit neuer Radrekordzeit von 4:14h, 42,5 Km/h!) entgegen kamen, konnte ich doch erstaunlich gut meinen Rhythmus finden. Da ich weder einen körperlichen noch mentalen Einbruch zu verzeichnen hatte, blieb die Uhr dann irgendwann bei 3:53:24 stehen, immerhin noch ein 5:30er Schnitt. Dabei konnte ich von den letzten 6 Wochen 4 wegen Achillessehnenproblemen nicht laufen…, aber da bin ich auch Gott und vielen Freunden dankbar, die für mich gebetet haben und somit meinen Start und Finish erst ermöglichten!
Unterm Strich gab das Ganze dann eine Zeit von 10:21:53h. Von den Platzierungen her einen 533. Platz von 2700 Startern, einen 124. von 608 in der AK und bei der DM in der AK einen 23. Platz! Damit war ich wirklich sehr zufrieden, glücklich und auch stolz. Es fühlt sich sehr gut an, wenn Monate der Entbehrung und des Investierens von Zeit, Energie und Geld am Erntetag dann auch aufgehen und so ein toller Wettkampf dabei raus kommt. Da durften natürlich ein paar Zieltränen auch nicht fehlen. ROTH ist ein Traum für Triathleten und ca. 100.000 Zuschauer an der Strecke motivieren ungemein!!

Matthias finisht in „Braun-Weiß-Roth“!

Roth – eine ruhige, idyllische Kleinstadt in Bayern. Etwas südlich von Nürnberg gelegen, ist hier für 360 Tage im Jahr die Welt in Ordnung. Doch einmal im Jahr herrscht für gut 5 Tage der Ausnahmezustand. Seit über 30 Jahren strömen Triathleten aus der ganzen Welt in die Region, um sich auf der schnellsten Langdistanzstrecke der Welt zu beweisen. Natürlich durfte das „best old race“ nicht ohne braun-weiße Beteiligung ablaufen.

Motiviert von guten Ergebnissen in meinen Testwettkämpfen machte ich mich also auf den Weg nach Bayern, um meine selbst auferlegte Mission – „die 12Stunden-Marke zu knacken“ – anzugehen. Im Vergleich zu meinen beiden Ironman-Rennen 2007 und 2008 hatte ich diesmal auch ein verdammt gutes Gefühl am Wettkampftag. Von Nervosität war (fast) keine Spur. Und während sich andere Triathlschwimmausstiegeten vor dem Start im Understatement übten und nur irgendwie ankommen wollten, war für mich klar – ich lass es heute krachen! Schließlich wollte ich nicht umsonst 6 Monate lang intensiv trainiert, meinen Körper wie einen Tempel behandelt und auf jeglichen Tropfen Alkohol verzichtet haben.

Pünktlich um 7:25 Uhr ging es dann für mich mit der achten Startgruppe los auf die 3,8 km lange Wendepunktstrecke im Main-Donau-Kanal. Auch wenn ich beim Schwimmen das Gefühl hatte, ich hätte Blei in den Armen, kam ich nach 1:25h aus dem Wasser und lag somit genau im Plan.

Der Wechsel verlief reibungslos, und so ging es für mich auf die 180 km lange Radstrecke. Obwohl mir Radfahren Spaß macht und ich mit meinen Rad auch absolut zufrieden bin, ist und bleibt es doch meine Sorgendisziplin. Irgendwie ist bei mir nach gut 100 km immer der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr so richtig Lust habe weiterzufahren. Dann machen sich Rückenschmerzen immer stärker bemerkbar und ich mache mir immer mehr Gedanken, ob stundenlanges Radfahren so gut ist, wenn man noch keine Familie gegründet hat. Dementsprechend froh war ich auch, als ich nach 5:50 h und damit 10 min. vor meiner geplanten Radzeit in der zweiten Wechselzone ankam.

Durch selbige flog ich dann auch nahezu und machte mich auf zu meiner „Paradedisziplin“: dem Laufen. Auch wenn ich mir anfangs selbst immer wieder sagte, es ruhig angehen zu lassen, wurde diese Besonnenheit schnell abgelegt. Meine Renntaktik war jetzt eigentlich, einen möglichst großen Zeitpuffer heraus zulaufen, um dann irgendwann auf der Strecke ein- und/oder zusammenzubrechen. Doch der erwartete Einbruch blieb aus. Und so motivierte ich mich von Kilometer zu Kilometer mit dem Gedanken an eine Zeit von unter 12 h und einen Sub-4-h-Marathon. Den Zieleinlauf habe ich dann bei strahlenden rad-solarerbergSonnenschein so richtig genossen. Und wenn ich schon nicht im braun-weißen Einteiler das Rennen bestritten habe, so hat mir doch meine Mutter wenigstens eine große Totenkopffahne gereicht, mit der ich dann Ins Ziel einlief. Wie immer ein unbeschreibliches Gefühl. Im Ziel hat mich dann auch mein Vater direkt mit einem Astra empfangen. Das perfekte Finish sozusagen und mit 11:10:37 doch mehr als deutlich unter 12h.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an meine Eltern, die sich immer wieder an verschiedenen Streckenpunkten platziert haben, um mich anzufeuern. Besonderen Dank auch an Peter und Frau aus Halle, die sich am Sonntag um 3 Uhr früh auf den Weg nach Roth gemacht haben. Und natürlich auch vielen Dank an alle, die mir die Daumen gedrückt haben und bei meinen Rennen mitgefiebert haben.

zieleinlaufNun hatte ich ja eigentlich vor dem Rennen gesagt, dass ich nächste Jahr keine Langdistanz mache und mich mehr aufs Studium konzentriere. Nur wäre es ja jetzt aber auch blöd, nicht zu versuchen, die 11h-Grenze zu brechen …

PS: An dieser Stelle auch nochmal schöne Grüße an Jens, meinen Wechselzonennachbarn mit den bunten Haaren. Und auch schöne Grüße an den Mitarbeiter von RePower, dem ich schon in Ferropolis begegnet bin und mit dem ich es wieder verpasst habe, im Ziel ein Bier zu trinken.

Matthias aka „Mättz“

Kraichgau Triathlon enthält mehr St.Pauli als man denkt

drei-musketiereChallenge Kraichgau – St. Pauli-Trias im wilden Süden

Für meinen ersten Start im Trikot vom FC St. Pauli wählte ich die Challenge in Kraichgau aus. Nicht nur, weil es inzwischen der geilste Triathlon im Südwesten ist, sondern auch weil ich dort meine zweite Mitteldistanz finishen wollte.

Das Fahrrad wurde am Samstag bereits eingecheckt. Das Wetter war der Hammer und zu dem Zeitpunkt war auch Chris McCormack noch gut gelaunt.

Als ich voller Stolz mit meinem St. Pauli-Dress am Sonntag Morgen durch die Wechselzone marschierte war die Verwunderung groß als ich noch zwei andere im braunen Trikot erblickte: Da hat’s ja noch mehr von uns!!! Und schon hatte ich zwei meiner Vereinskollegen kennengelernt. Dirk und Udo waren nämlich auch am Start. Ein Fotograf für das obligatorische Gruppenfoto war auch schnell gefunden und so verabschiedeten wir uns dann nach einem “viel Glück” Richtung Startzone.

Das Schwimmen war nass, die Radstrecke mit ein paar “Garagenauffahrten” niedrigster Kategorie bestückt und die Laufstrecke mit wenig Schatten versehen.

Mit einer Endzeit von 5:19 Std. konnte ich für einen ansehnlichen Einstand sorgen, auch wenn der Halbmarathon nicht so rund lief. Dirk finishte nach 5:48 und Udo nach 6:32.

Als nächstes kommen ein paar Kurz-Distanzen auf mich zu, unter anderem Ende Juli der City-Man in Hamburg. Dann kann ich auch einmal den Rest der Truppe kennenlernen!!!

Viele Grüße aus dem wilden Süden,

Michl