Andy in Sassenberg

Nach 1992 war es also soweit. Ich werde nach knapp 20 Jahren wieder in einem Triathloneinteiler starten. Dem damaligen blau-gelb ist ein modisches braun-weiß gewichen. Damals musste Muttern allerdings noch mit Frottee eine „Radeinlage“ einnähen (Die war damals sogar schon braun! – Nein vorher auch!!!). Da sind die neuen Anzüge ja doch komfortabler und das Material top! Allerdings musste ich auch dieses Mal auf Mutters Nähkünste zurückgreifen. Welcher %*&?$%& kommt auf die Idee bei einem Triathlonwettkampfanzug Taschen auf den Rücken zu machen???? Wer auf der Strecke so viel essen muss dass er nicht genug Platz auf dem Rad dafür findet (ich glaube die Reste von den Power-Bar Riegeln kleben heute noch auf meinem alten Rad, ich muss mal den Nachbesitzer fragen) der kann sich doch wunderschöne Plastiktüten für 13 Cent beim Lidl kaufen.

Nun aber zum eigentlichen Wettkampf. Der Sassenberger Feldmarksee bietet nicht nur Campern ein herrliches Idyll, nein einmal pro Jahr sind ca. 1600 Dreikämpfer mittendrin und rundherum unterwegs. 21 Grad Wassertemperatur, also Neopren erlaubt (da sind Triathleten ja Weicheier, bei Wettkäpfen der Rettungsschwimmer ist ein Neo erst unter 15 Grad Celsius erlaubt). Da meine Neoprenanzüge im Laufe der Jahre kleiner geworden sind (Eingelaufen? Ist die Kellerluft doch zu feucht?), entschloss ich mich im schönen braun-weißen Einteiler ins Wasser zu springen. Die Temperatur des Wassers war gerade noch ok, der Geschmack doch etwas abgestanden. Mit knapp über 400 Leuten ging es dann auf die 650m lange Schwimmstrecke. Nachdem das anfängliche Gedränge und Gehaue ein Ende hatte und man sich an die Wassertemperatur gewöhnt hatte, war man auch schon am Ausstieg. Ich war glaube ich der dritte oder vierte der ohne Neo aus dem Wasser stieg. Ich werde dann nächstes Jahr wohl wieder mit dem Ding schwimmen (dann soll die Strecke wohl locker unter 10 Minuten klappen), muss Muttern halt ne “Dehnfuge” in das Ding nähen. Der Wechsel klappte relativ Reibungslos und es ging bei sommerlichen 17 Grad und einer leichten Brise der Stärke 8 auf die 23km Radstrecke. Die flache Radstrecke durch das wunderschöne Münsterland mit engen Wegen, lädt herzlich dazu ein im Grüppchen dem Gegenwind trotzen. Als inkonsequenter Windschattengegner natürlich überhaupt nicht mein Ding! Eine Gruppe holte mich auch irgendwann ein und direkt dahinter ein Moped mit dem Trillerpfeifentypen in Warnweste, so dass sich der schnelle, schlimme Gedanke “dranbleiben” gleich verflüchtete. Nach zufriedenstellender Radeinheit und total zerzauster Frisur in der Wechselzone angekommen und schwupps in die Laufschuhe. Nun die Große persönliche Frage, was macht die Archillodynie? Nach ein paar ersten schweren Metern spürte ich nichts mehr und bei der Laufstrecke durch den münsterländischen Kiefernmischwald machten sich die Kilometer in den heimischen Boombergen positiv bemerkbar. Ein Bogen über den Campingplatz mit St. Pauli, St. Pauli,… Anfeuerungsrufen aus der “Gelsenkirchener Kurve” und dann um den See ins Ziel. Und hier fielen mir fast die Augen raus: Kuchen, Waffeln, Pfirsiche, Melonen Aprikosen, Äpfel, Birnen, Bananen und so viel alkoholfreies Weizenbier aus einer lokalen Brauerei wie man wollte, was will man mehr? (Man sollte mit dem Kuchenverzehr übrigens besser 2-3 Minuten warten nachdem man ins Ziel gelaufen ist – wie mir schnell klar wurde). Die Finisherzeit war um einiges besser als erwartet, so dass auch für Motivation in den nächsten Trainingseinheiten gesorgt ist.

Viele Grüße vom Andy

 

11 Gedanken zu „Andy in Sassenberg

  1. Hallo Ü90,
    der Wettkampf ist immer am ersten Wochenende im August! Nächstes Jahr ist großes 25 jähriges Jubiläum, da merkt man dann wie alt man geworden ist! 😉

  2. Glückwunsch zum gelungenen Wiedereinstieg! Ich bin letztes Jahr in Sassenberg gestartet und dem Windschattenfahren konnte man da gar nicht entgehen. Hat super Spaß gemacht. Wenn ich Zeit habe nächstes Jahr definitiv auch wieder. Vielleicht mit noch mehr braun-weißer Verstärkung?? Wär doch mal was.

  3. Andy
    da machst Du Dir nicht nur Freunde: Erst über den tollen Wettkampfanzug meckern und dann auch noch eingestehen, den Windschatten auszunutzen wenn es denn möglich gewesen wäre.
    Ich hoffe die meisten denken wie ich: Drafting sucks.
    Zum Anzug udn seinen Taschen: spätestens bei Wettkämpfen über 4 Stunden Länge bist Du über jede Möglichkeit froh, Nahrung nicht gleich in den Mund stopfen zu müssen. Bei kürzeren Wettkämpfen frag ich mich allerdings, warum Du Dir Dein Oberror versaust. Da brauchst Du doch eigentlich nur den einen oder anderen Schluck Wasser. Frag mal Hellriegel, der passt auch seit Jahren in den selben Neo 🙂

  4. Hallo Harm!
    Ich bin ebenso Gegner des Windschattenfahrens, war wohl etwas blöd formuliert, tschuldigung. Also ich habe mir 1994 in Roth mein Oberrohr versaut und die nicht vorhandenen Taschen im Zeitfahranzug auch nicht vermisst. Dort war ich mit 5:15 Std. etwas über 4 Stunden auf dem Rad unterwegs! Und nachher beim Marathon gabs dann auch n paar Bananen auf die Hand! 🙂

  5. Die 5:15 in Roth passen gut zu Deiner ersten Aussage zum Lutschen „[…] inkonsequenter Windschattengegner […]“ lassen mich aber selbst unter diesem Gesichtspunkt eher kalt.

  6. …eigentlich sollte die Bemerkung ja nur witzig sein. Ich wäre schön doof wenn ich mir einen Wettkampf mit Lutschen kaputt machen würde, da wäre ja die ganze Vorbereitung fürn A… Ich finde eher die Inkosequenz mancher Kampfrichter bedenklich! Aber danke dass Du mich so einschätzt nachdem ich versucht habe es richtig zu stellen, da kann ich mir von Dir wenigstens ein Bild machen!

  7. Glückwunsch, Andy, zu deiner tollen Leistung! Spitzenbericht! Und der Anzug sieht doch, soweit sich das auf dem Bild erkennen lässt, echt super aus, Rückentasche hin oder her! Was hat der eigentlich gekostet?

  8. Glückwunsch zum Comeback,
    manchmal steht man als Kampfrichter aber auch auf verlorenem Posten…
    und die Teilnehmer sind selbst für die einhaltung der Regeln zuständig.
    Schau dir das ganze doch mal von der „anderen“ Seite aus an, lehrgänge wird es wieder geben.
    Gruss Larsen
    Trillerpfeifentyp in Warnweste

  9. Dankeschön!
    @Horst: Den Anzug konnten wir hier in der Abteilung erwerben, der ist auch super! Hat glaub ich knapp unter hundert Euro gekostet.
    @Larsen: Ich hab wirklich schon mal drüber nachgedacht, bin jetzt aber zu dem Entschluss gekommen die übrige Freizeit wieder mehr in die Trainerarbeit zu stecken und meine Lizenz dafür zu erneuern. Werde mich aber weiterhin für Fairplay einsetzen denn im Endeffekt macht es dann ja am meisten Spaß!

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