The Venga-Boys are back in town!
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Wir befinden uns in den 20. Siebzigern n. Chr. Ganz Europa ist von Wolken bedeckt… Ganz Europa? Nein! Eine von unbeugsamen Iberern bevölkerte Halbinsel hört nicht auf, den Tiefdruckgebieten Widerstand zu leisten.
…so war das doch, oder?! So sah sie doch aus, die Tagesschauwetterkarte meiner Kindheit.?! Und heute?..bzw. gestern, vorgestern, vorvor…ff.? 6-Tage-Regnen! Marathonstart bei 4°C! Mandelentzündung statt Mandelblüte! O Spanien, Du verheißungsvoll brutzelndes Steak auf dem Herd der kalten Suppen,was ist aus Dir geworden? Warum zwingst Du mich, meine eigens zu Deinem Schmucke eingeflogenen, supercoolen Winter-adeee/Südeuropametropolenabhängklamotten in fünf Schichten übereinanderzutragen? Aber…Selbst die Wikinger, die dermaleinst (gewiß in supercoolen Südeuropa-metropolenschändungsklamotten) den Guadalquivir raufruderten, hast Du nachhaltig vergrämt. Kaum ein Jahrtausen später: Kein einziger Däne im Läuferfeld. Verwirrend…Irritierend…erstmalig…
Nu hatten wir schon eine tiptop Penthouse-Wohnung mit Blick auf Kirche, aber ohne Geläut…(das ist wiederum nichts ungewöhnliches in Sevilla, von oben sieht man nur Kirchen, von unten sieht man nur “Farmacias”. ) Welche der beiden Einrichtungen der Sevillianer im Krankheitsfall bevorzugt aufsucht, weiß ich nicht. Wenn man aber mal ein Gebäude findet, das keine Kirche oder Apotheke ist, kann man getrost reingehen und Wurst, Käse oder frittierte kleine Fische ordern. Das funktioniert einigermaßen. Ich schweife ab…
Ach ja, das Rennen: Start und Ziel im Olympiastadion (wie auch schon in Helsinki und Stockholm erlebt), unschlagbar!!! Ansonsten umgeht der Streckenverlauf spielerisch alle schönen, schnuckeligen, sehenswerten Stellen; ist dafür flach und schnell. Ich bin äußerst zufrieden. Dieser Lauf sollte nach der Winterpause einfach eine Abspeck-Initialzündung hinsichtlich eines in näherer Zukunft zumutbaren Präsentationsuntergrundes für den Zweiteiler sein. Entsprechend locker bin ich das Ganze angegangen, kein Squeezie am Arsch, keine MilkyWays im Ärmel, einfach mal etwas verhaltener loslaufen als die letzten Male, wo ich jedesmal relativ untertrainiert meine Bestzeit zu übertrumpfen versuchte, auf 3-h-Kurs losgerannt bin und spätestens im letzten Viertel verreckt bin und gehen mußte. Nein, diesmal nicht, und siehe da: Beide Hälften nahezu gleichschnell, das gesamte Rennen über nur auf der Überholspur, nicht eine Sekunde gegangen… geile Sache, das. Bin wieder eingenordet, weiß wieder wie es geht, hab alles richtig gemacht. Was für eine Lehrstunde! Am Stadiontunnel war dann die Liebste zwecks Flaggenübergabe platziert. Stadionrunde mit “Roger”, ich 3 Meter groß und noch mal Fünfe massakriert. Ende nach gefühlten 30 km. Mir ist noch nie ein Marathon so leicht gefallen…yeah.
Jetzt noch Flaggenübergabe an Christoph… aberwie?? Hin und her durch die Stadionkatakomben gerannt, in gebotener Ungeduld sämtliche Ordnungskräfte angeranzt: Ich raus hier…amigo->flagge…sortida? …nää salida.. saliiiidaaaa, mann…wo? Der Stadionbüttel indes, wie alle jungen Andalusier ganz darauf geeicht, Stiere zur Weißglut zu bringen, war von meinen Sprachkenntnissen wenig beeindruckt und reagierte verhalten bis garnicht. Man kann wirklich nur die Hörner schütteln…ts.(“salida” heißt, glaube ich, sowohl Ausgang als auch Ausgangspunkt, also “Start”. Auch das hat uns gedanklich auseinandergebracht) Als ich es mit eigenem Orientierungssinn zurück zum Tunneleingang geschafft hatte, war Christoph schon drin. Tut mir echt leid.
Aber hier sind wir wieder, den Kahn bis zum Absaufen voll mit eitel Handtüchern und Medallien, ahoi und zurück ins Funkhaus zu Christoph von Woedtke
p.s.: Auch in Sevilla sind montags die Museen geschlossen, besonders bei Regen…
pps: Auf dem spanischen Festland sollte man zu einem Mindestgrad des “Spanischen” mächtig sein.(wie überall im Ausland rudimentäre Sprachkenntnisse ein Gebot der Höflichkeit sind)…und ich nehms mir auch immer wieder vor…
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Und Christoph schreibt:
Der gute Olaf hätte sich auf dem Weg zum Start fast langgelegt, damit hatten wir nicht gerechnet – Glatteis. Die Strecke war dann allerdings gut zu laufen und wir setzen uns dann mit ca 4000 Mitläufern pünktlich um 9 Uhr in Bewegung. Unter 3:45 wollte ich schon laufen also setzte ich mich mit einem guten fünfer Schnitt in Bewegung. Bei Kilometer 16 wartete, schnatternd vor Kälte, meine Liebste, die ich mit einem Kuss von jedem weiteren Support befreite. Den Halbmarathon erreichte ich dann bei schönstem Sonnenschein überfahrplanmäßig in 1:45 Std. Plötzlich ein Spanier von links: “Saaankt Paaauuuliiiii!” Der Gute arbeitete bei Airbus in Hamburg, konnte aber leider kein Wort Deutsch oder Englisch und so liefen wir dann wild gestekulierend eine Weile nebeneinander her. “Na steigt Ihr dies Jahr auf?” wurde ich dann von einem begleitenden Radfahrer angesprochen – ein Deutscher, der in Sevilla arbeitete und St. Pauli-Fan. “Claro!!! Dann kam die gefürchtete zweite Hälfte ab Kilometer 36 … und jetzt wurde mir klar wie wertvoll der Eppendorfer Baum hier in Hamburg ist. Die Beine wurden schwer und schwerer, ich tauscht mich noch mit einem mitleidenden Portugiesen aus, der aber plötzlich krampfend stehen blieb und mir nur noch zurief ” run, run”. Was ich dann auch versuchte. Dann der Einlauf ins Stadion, keine Schmerzen, keine Kälte, keine Müdigkeit nur Glücksgefühle aber auch leider keine St. Pauli-Flagge, wie verabredet – und der Portugiese kam wie Phönix aus der Asche plötzlich und unerwartet vor mir ins Ziel … 3:34 Stunden, ich war mehr als zufrieden. Olaf hat mit seinen 3:17 natürlich wieder den Vogel abgeschossen. Alles in allem schöne Tage bei schlechtem Wetter und guten Freunden in Sevilla, Prädikat: Empfehlenswert!




18. Februar 2010 um 09:32
Suyo ha los moreno-candidos colores brillante representado! Nos estamos mucho alentado a vosotras. Eso os puede deparar muchas sorpresas. ¡ viva St. Pauli!
P.S.: Das Ding mit der Fahnenübergabe müssen wir aber nochmal üben.
18. Februar 2010 um 18:36
meine augen haben sich beim lesen überschlagen.
toller bericht, geile zeiten, etwas neid…!!!
glückwunsch und respekt (für lauf und text).
18. Februar 2010 um 21:46
Ein rießen Ding! Glückwunsch an euch beiden!!!
20. Februar 2010 um 14:20
… und dass Ihr zwei das Training bei desem Wetter so durchgezogen habt, verdient noch ein Extra-Lob. Ich bin ja bekennender Warmwetterfan
Mit Respekt vor Eurer Leistung und fröhlichen Grüßen!