2. EXILANTEN – Interview mit Basti aus Lübeck

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Für die Kategorie „Nachrichten aus dem st. paulianischen Exil“ spricht der Kommunikationswart hin und wieder mit Triathletinnen und Triathleten, die mit Stolz den Triathlonsport in braun und weiß bestreiten. Wieso, weshalb, warum aber gerade St. Pauli, wenn man doch gar nicht in Hamburg wohnt? Darüber spreche ich dieses Mal mit Basti aus Lübeck!

 

Lieber Basti, wir haben uns ja 2014 in Roth kennen gelernt. Ich glaube, da warst du gerade neu im Verein.

Genau, da war ich frisch eingetreten. Das müsste so um Februar gewesen sein.

Danach haben wir uns ja auch ein bisschen öfter gesehen und du startest ja auch 2015 das erste Mal in der Hamburger Landesliga. Also bist du ja schon gut in der Abteilung angekommen. Für diejenigen, die dich noch nicht so kennen, erzähl doch einfach mal etwas von dir. Wo kommst du her? Wo bist du jetzt? Was machst du so?

Ich komme aus Lübeck und habe eigentlich immer Sport gemacht, allerdings damals eher mit einem Ball am Fuß. Nach dieser Zeit wurde das mit dem Sport aus verschiedenen Gründen etwas weniger, was sich dann auch auf meine körperliche und seelische Verfassung ausgewirkt hat. Irgendwann kam dann ziemlich spontan der Gedanke, dass ich was neues machen will und entschied mich für Triathlon. Das verbinde ich auch mit einer Jugenderinnerung. Ich glaube ich war 10 Jahre als ich meinen ersten Roth-Triathlon im Fernsehen verfolgt, als ich früher noch in Bayern gelebt habe. Dieses Jahr bin ich in meiner zweiten Triathlonsaison und habe im Moment das Laufen als Schwerpunkt. Deshalb habe ich auch im April meinen ersten Marathon gefinisht, wie du ja weißt…

Hä, wieso? Ich war gar nicht dabei. Ich glaube du meinst Elmo!

Ach ja stimmt! Naja, vor dieser Sportzeit war ich früher in einer Band mit der ich auch viel durch Europa unterwegs war. Die Idee war die Lücke, die die Band hinterlassen hat mit dem Sport wieder etwas zu füllen. Deshalb habe ich mir auch vorgenommen, mindestens einmal im Jahr bei einem Wettkampf im Ausland zu starten.

Stimmt. Du hast ja auch innerhalb des Vereins nach Mitstreiter für einen Wettkampf in Prag gesucht, oder?

Ja das war super spannend. Ich kenne da manche Ecken, finde die Stadt wunderschön und mag die Mentalität der Leute. Deswegen gab es da keine zwei Meinung, wo ich meinen ersten Auslandswettkampf machen würde. Die Priorität war deshalb auch eher der Ort und nicht der Wettkampf. Es wurde dann ein Halbmarathon, wofür sich auch in der Planungsphase viele Mitglieder interessiert zeigten, aber leider waren wir dann im Endeffekt nur zu Zweit. Dazu kam dann auch noch, dass sich Gudrun kurz vorher erkältet hatte, aber dann trotzdem zum Anfeuern mit dabei war.

Cool! Aber sag mal, gibt’s da auch eigentlich Triathlon-Wettbewerbe in Prag und Umgebung?

Total verrückt, dass du mich gerade darauf ansprichst, aber JA! Da gibt es einen Mitteldistanz-Triathlon, der genau im Stadtkern beginnt und endet! Ich denke mal, der wird wieder im August sein, genau wie dieses Jahr.

Mensch, es wäre doch mal eine Idee, wenn wir dazu vereinsintern aufrufen könnten…

Ja, der Kommunikationswart könnte sich da ja mal hinter klemmen!

Gute Idee! Wird gemacht! 🙂

Ja, also ich will da unbedingt hin und dort will ich dann eine meiner zwei MDs machen.

OK, also beenden wir mal kurz den Quatsch. Wir hatten schon vorher darüber gesprochen und sind nächstes Jahr auf alle Fälle da am Start. Wenn sich also die geneigte Triathletin oder der geneigte Triathlet sich ähnlich begeistert zeigen würden, könnte man da ja gemeinsam An-, Abfahrt und Unterkunft planen.

Ich denke auch Prag ist da sehr St. Pauli-freundlich… die Bierpreise sind moderat…

(lach) TOP! Ok, jetzt haben wir schon einmal in die Zukunft gesehen, obwohl ich ja eigentlich ein Fan von chronologischer Reihenfolge bin. Deshalb lass uns noch einmal in die Vergangenheit gehen. Was war eigentlich dein erster Wettkampf?

Ich habe im Januar 2014 angefangen mal in den Triathlon reinzuschnuppern. Also wie kann der Weg zum Dreikampf überhaupt funktioniert. Ich begann mit dem Schwimmen, was leider ein sehr ernüchterndes Ergebnis war. 100m kraulen, 100m Brust und dazwischen immer mal wieder nach Luft japsen. Der Respekt vor diesen 500m stieg gewaltig. Es stellte sich aber heraus, dass ich für schwimmen offenbar mehr Talent hatte, als ich mir vorher zutraute. Dann kaufte ich mir ein Rad, weil ich vorher über Jahre überhaupt kein Fahrrad besessen hatte. Ich also zum Händler meines Vertrauens und gesagt, dass ich ein Mountainbike haben möchte. Der Verkäufer fragte mich, was ich damit machen wolle. Ich antwortete: Triathlon! Nachdem der mich erst etwas blöd anguckte, erklärte ich, dass ich im Winter trainieren wollte. Fürs Laufen hatte so eine gewisse Grundausstattung…

Also Schuhe?

Richtig! Dann ging es los mit dem Training und damit ich auch ein Ziel habe, meldete ich mich für meine erste Sprintdistanz in Lübeck an. Ich weiß nicht, ob ich weiterhin beim Triathlonsport geblieben wäre, wenn diese Veranstaltung nicht so ein Hammer gewesen wäre. Das war echt klasse. Die Veranstaltung, die Atmosphäre, wenn da nur nicht das Datum wäre…

Ja, ein Hamburger Triathlonverein hatte am selben Tag ja im Stadtpark eine Veranstaltung…

Das ist das bedauerliche an der Sache. Aber vielleicht ist das 2016 ja nicht so und dann kann ich diese Veranstaltung nur empfehlen. Damit ich nicht auf dumme Gedanken komme, hatte ich mich schon im Vorwege für zwei weitere Triathlon-Wettbewerbe gemeldet. Es sollten zwei Olympische Distanzen werden.

Wow, da machst du aber in kurzer Zeit schon ziemlich große Babyschritte!

Naja, ich dachte mir, dass der Sprint erst einmal eine Möglichkeit wäre reinzuschnuppern und dann eine olympische Distanz für einen relativ gut trainierten Menschen auf alle Fälle auch drin sein muss. Es ging ja nicht darum das Ding zu gewinnen.

Klar. Wo waren die Wettkämpfe?

Der eine war in Bremen, den ich persönlich nicht so empfehlen kann. Das hat weniger mit der Strecke zu tun, sondern eher damit, dass bei diesem Wettkampf die Polizei-Europameisterschaften stattfinden. Stellenweise kam es mir vor, als ob die Hobby-Triathletinnen und Triathleten nur da sind, um diese Veranstaltung zu finanzieren. Ich weiß nicht, es war nur so, dass bei „uns“ irgendwie nichts los war auf der Strecke und bei den Meisterschaften plötzlich Moderatoren, Videowände, Cheerleader auftauchten! Deswegen fand ich das schon schade, wenn man über die Ziellinie läuft, seinen Saft in die Hand gedrückt bekommt und bestimmt dazu angehalten wird, den Zielbereich sofort zu verlassen. Die Hobby-Sportler wurden da nicht so richtig wertgeschätzt. Nach Lübeck war das eine sehr ernüchternde Erfahrung. Danach habe ich als Einzelstarter den Elbe-Triathlon gemacht. Das war gut, weil ich da auch den ersten Kontakt mir den FCSP Leuten aus der Liga hatte. Den Wettkampf fand ich auch klasse, auch wenn die Schwimmstrecke eher etwas für Leute ist, die den Kopf ausschalten können. Später wurde ich vom Ligawart gleich „verhaftet“ eine Woche später in Norderstedt zu starten.

Weil im Team jemand krank wurde?

Richtig. Das war richtig schön, weil ich in meinem ersten Jahr dann auch gleich die Möglichkeit hatte einen Ligawettkampf zu bestreiten und mit den FCSP Leuten unterwegs zu sein. Letztenendes ist ja da und auch durch dein Zutun die Entscheidung gefallen 2015 bei allen Wettkämpfen der Landesliga zu starten.

Durch meine Wenigkeit?

Ja, du hattest auch was damit zu tun!

Ich fühle mich geehrt, zu deiner triathletischen Entwicklung beigetragen zu haben. 🙂 „Team“ ist ein gutes Stichwort, denn wir sind ja in der Abteilung m.E. ein ziemlich gutes Team. Aber du wohnst ja nicht gerade um die Ecke. Wie sind denn überhaupt deine Verbindungen zur Abteilung bzw. zum FC St. Pauli und wie sind diese entstanden?

Also nach meiner jugendlichen Fan-Findungsphase, beeinflusst durch meine politische Prägung, war es irgendwann klar: Es ist St. Pauli! Aus dieser Sympathie heraus war ich dann auch mal in den 90ern bei einem Auswärtsspiel in Kiel. Das war damals ganz klar Links gegen Rechts, weil die ganze Stadt aufgrund der Faschos abgesperrt war. Das Stadion ist aus allen Nähten geplatzt … wegen der St. Pauli Fans. Das war echt geil! Eine weitere Verbindung zum Verein entstand in meiner Bandzeit. Damals hatten wir mit L.A.K. zusammen gespielt, wovon einer der Jungs Vorsitzender eines Südkurven-Fanclubs war. So kam es zu Gesprächen und irgendwann sind wir zusammen ins Stadion gegangen und von da an war es um mich geschehen. Ich wandelte mich von Sympathisanten zum Fan und versuche seitdem so viele Spiele wie möglich live zu verfolgen.

Und dann kam Triathlon! Gab es bei der Suche nach einem Verein überhaupt eine andere Alternative? Wenn man in Lübeck wohnt, kann man ja nicht ganz schnell beim Lauftraining vorbeischauen….in 100 Km Entfernung. Wäre da ein Verein in unmittelbarer Nähe nicht viel sinnvoller?

Wir haben sogar mehrere Vereine. Zum Beispiel in Lübeck, Bad Schwartau oder Bad Oldesloe. Klar, das wäre alles näher, aber aufgrund der Nähe zum FC St. Pauli war es für mich logischer erst einmal intern zu gucken, ob man auch hier Triathlon betreiben konnte. In den letzten Monaten wurde mir dann auch mehrfach bewiesen, dass das die einzig richtige Entscheidung war, denn das Training kann man auch alleine machen. Für mein Schwimmtraining bin ich jetzt Mitglied im DLRG geworden wo ich noch etwas Unterstützung bekommen, aber Radfahren und Laufen kann ich auch alleine machen, auch wenn es bestimmt in der Gruppe mehr Spaß macht. Zudem habe ich jetzt auch bei Wettkämpfen erfahren, dass es schon einen Unterschied macht, ob man bei St. Pauli den Triathlonsport betreibt oder irgendwo anders. Ich nehme es so wahr: Da gibt es wirklich ein Team, da gibt es eine Freude am Sport und nicht nur an der Leistung. Ich fühle einfach: Hier bin ich richtig! Zur Not kann man ja im Sommer gemeinsame Radfahrten organisieren.

Dann treffen wir uns in der Mitte bei nem Bier! Lass uns jetzt noch einmal in die Zukunft blicken. Wie haben bereits von dir erfahren, dass in 2016 die Prag-MD gesetzt ist und du 2015 viele Landesliga-Wettkämpfe auf der Agenda sind. Was gibt es darüber hinaus für Pläne für dieses Jahr, nächstes Jahr oder triathletische Träume darüber hinaus?

Ich habe ja, wie bereits erwähnt, meine Wettkampfumfänge relativ schnell gesteigert und natürlich ist mein großer Wunsch auch irgendwann die Langdistanz. Irgendwann möchte ich da hinkommen. Auf dem Weg dahin möchte ich dann viele Wettkampferfahrungen und im nächsten Jahr auch mehrere MDs machen und wer weiß – vielleicht starte ich schon 2017 meinen ersten LD Versuch.

Welche MDs hast du im Auge und wo würdest du gerne deine Ironman Premiere feiern?

2015 möchte ich die MD in Berlin machen, 2016 in Prag und am Ende der Saison den Teide Xtreme auf Teneriffa. Was die Langdistanz angeht, sollte es dann auch wirklich eine IRONMAN Veranstaltung sein.

Echt? Ich hätte jetzt mit Roth gerechnet, weil du ja sagtest, dass du dort auch auf Triathlon aufmerksam gemacht wurdest.

Damals war aber Roth auch eine IRONMAN Veranstaltung! 🙂 Ne, es hat eigentlich einen ziemlich blöden Grund…

Du willst den Satz: „Sebastian, you are an ironman!“ beim Zielbogen hören?

Ach darauf, ganz ehrlich…. Nein, ich will mir das Logo tätowieren lassen.

Kriegt man da irgendwelche Prozente auf spätere Startgebühren?

Keine Ahnung. Mir auch egal. Nein, das ist wirklich für mich. Mein Körper wird ja schon bereits von vielen Meilensteinen meines Lebens geschmückt. Das wäre ja keine Einzelgeschichte.

Dann musst du aber gucken, ob dafür dann überhaupt Platz ist, nachdem du dir das Abteilungswappen gestochen hast.

Naja, in „St. Pauli“ ist ja auch ein „i“!

(lach) Uhhhh, da musst dann aber fürchten verklagt zu werden, da es bestimmt irgendwelche corporate design Regularien verletzt … oder so!

Ich glaube, dass ist unwahrscheinlich. Obwohl es mal interessant wäre, was dann geschehen würde. Haut abreißen, Weglasern, über-transplantieren ….Nein, jetzt ernsthaft – es wird dann schon auf Frankfurt oder vielleicht Barcelona hinauslaufen. Hauptsache nicht so bergig! 😉

Tja, dann wünschen wir dir mal ganz viel Glück bei deinen triathletische Zielen, bleib gesund und auf viele, viele gemeinsame Wettkämpfe – egal ob auf Teneriffa, Prag oder in der Landesliga Hamburg! 🙂

 

DU wohnst auch nicht in Hamburg, findest aber, dass St. Pauli auch im Triathlonsport die einzige Möglichkeit ist? Dann lass uns doch etwas über dich und deinem und unserem Sport quatschen! Schreib dem Kommuwart bzgl. eines Interviews.

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